Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart

vom 29. Juni bis 21. Oktober 2018

 

Ernst Ludwig Kirchner:
«Die unbekannte Sammlung»


Kirchner dürfte das umfangreichste Werk aller Expressionisten geschaffen haben. 1'200 Gemälde, 10'000 Zeichnungen und Aquarelle, über 12'000 Skizzenbuchblätter, 2'200 Druckgraphiken und an die 100 Holz- und Metallskulpturen. Dazu Entwürfe zu Wandmalereien, Wandteppichen und Theaterkulissen.

 

Zeitweise arbeitet Kirchner unter dem Pseudonym Louis de Marsalle. Damit will er erreichen, dass man seine Kunst als «unabhängig von der zeitgenössischen französischen Kunst» anerkennt. In den 20er-Jahren beginnt er mit betont flächigen Werken die Abstraktion zu streifen, vollzieht den Schritt aber nie ganz.

 

Mit seinen Kritikern hat er oft Mühe und versucht, deren Texte zu beeinflussen. Dem Kunsthistoriker Will Grohmann, der zwei Bücher über Kirchner verfasste, schreibt er im Februar 1924: «...von mir und meinen Zielen wissen Sie doch kaum etwas. Wenn Sie also über meine Arbeit schreiben, so kommt nur etwas sehr Oberflächliches und Unzutreffendes heraus (...), das unserer jungen Kunst mehr schadet als nützt. Deshalb bekämpfe ich diese Art von Veröfffentlichungen mit allen Mitteln und fordere die Vorlage des Textes».

 

 

badende

Titel: Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938).

Ins Meer Schreitende, 1912.

Staatsgalerie Stuttgart.

 

 

 

Kurzbiographie

Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938).

 

1880

Am 6. Mai kommt Kirchner in Aschaffenburg im bayrischen Bezirk Unterfranken zur Welt. Sein Vater ist Professor in Papierwissenschaft in Chemnitz.

 

1901

Kirchner beginnt ein Architekturstudium in Dresden, das er mit einer Diplomarbeit abschliesst. Architekt will er aber nicht werden.

 

1905

Zusammen mit Heckel, Schmidt-Rottluff und Bleyl gründet er die Künstlergemeinschaft >Brücke. 1911 zieht die Gruppe nach Berlin um. Sie verbringt die Sommermonate ab 1908 an den Moritzburger Seen und auf Fehmarn. 1913 löst sich die Künstlergemeinschaft wieder auf.

 

1912

Kirchner macht die Bekanntschaft mit Erna Schilling, die bis zu seinem Tod 1938 seine Lebensgefährtin bleibt.

 

1915

Kirchner meldet sich freiwillig zum Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg und erleidet dort einen Nervenzusammenbruch. Es folgen mehrere Sanitoriumsaufenthalte.

 

1918

Übersiedlung in die Schweiz nach nach Davos-Frauenkirch.

 

1937

Im Zuge der Nazi-Aktion «Entartete Kunst» werden 639 Werke von Kirchner aus deutschen Museen entfernt.

 

1938

Aus Furcht vor einem Einmarsch der Deutschen auch in die Schweiz zerstört er viele seiner Skulpturen und Druckstöcke. Am 15. Juni erschiesst er sich. Seine Witwe Erna Schilling betreut bis zu ihrem Tod 1945 den gesamten Nachlass.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

plakat

 

Die Ausstellung 2018 in Stuttgart.

Normalerweise werden ja Ausstellungen mit Werken aus vielen internationalen Museen bestückt. In dieser Stuttgarter Präsentation ist das ganz anders: Hier stammt das gesamte Material – Zeichnungen, Gemälde, Druckgraphiken, Skulpturen – aus dem eigenen Bestand der Staatsgalerie.

 

Kirchner-Werke, die schon in den 20er-Jahren im Besitz der Staatsgalerie waren, wurden 1937 von den Nazis beschlagnahmt – sie galten als entartet. So musste der Aufbau der heutigen Sammlung nach dem Zweiten Weltkrieg ab 1947 neu beginnen. Ein wichtiger Teil davon stammt aus dem Davoser Nachlass des Künstlers und seiner Witwe Erna Kirchner.

holzschnitt_paar

 

1909: Nacktes Paar auf einem Kanapee.

Holzschnitte gehören während seiner gesamten Schaffenszeit von 35 Jahren zu seinem ständigen Repertoire. Die meisten sind in schwarz gehalten, er produziert aber auch farbige Holzschnitte wie den «Farbentanz» von 1933-34.
Mehr in der >Fotogalerie.

drei-badende

 

1913: Drei Badende an Steinen.

Mit seinen Kollegen der Künstlergemeinschaft
>
Brücke verbringt er die Sommermonate ab 1908 an den Moritzburger Seen nördlich von Dresden und auf der Ostseeinsel Fehmarn. In dieser Zeit entsteht eine Reihe von Akt- und Badeszenen.

segelboote

1914: Segelboote bei Grünau.

Berlin-Grünau liegt am Ufer der Dahme und ist bekannt für seine Segelregatten. Diese Abbildung hat Kirchner als Farbkreidelitho geschaffen.

strassenszene

1914: Strassenszene.

In Berlin entstehen ganze Serien von Stadtszenen mit Menschen, Gebäuden oder Strassenbahnen.
Die eleganten Damen hier flanieren auf der Friedrichstrasse. Öl auf Leinwand.

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1920: Berghof mit Bauer und Pferd.

1918 ist Kirchner in die Schweiz übersiedelt, nach Davos-Frauenkirch. Nun thematisieren seine Werke die Berge und die Menschen und Tiere der Alpenwelt.

 

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1925: Augustfeuer.

Die 1. August-Feiern der Eidgenossenschaft müssen den Künstler beeindruckt haben, besonders der Brauch des Höhenfeuers.

selbstportrait

1932: Selbstporträt.

Dieser Farbholzschnitt ist einer von vier Exemplaren (einmal schwarz, dreimal farbig). Er stammt aus dem Nachlass des Künstlers.

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Fotos Ausstellung Stuttgart

 

>Kirchner Museum Davos
>Ausstellung Kirchner Zürich 2017
>Kirchner und die Künstlergruppe «Brücke»
   

 

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