Ausstellung «Guten Morgen, weisses Kätzchen»
vom 31.5. bis 2.9.2018, Haus Konstruktiv Zürich.

 

Imi Knoebel (*1940).


Natürlich erwartet niemand ein weisses Kätzchen, wie der Ausstellungstitel verspricht. Aber Kunstwerke schon. Doch dann betritt man den ersten Raum und stutzt: Ohje, da ist ja noch gar nichts aufgebaut, komme ich zu früh? Der Besucher steht vor einem Haufen Holz. Hartfaserplatten, Keilrahmen, Kisten. So wirkt es zunächst. Dann erkennt man, dass das keine Baumaterialien sein können. Denn die Holzteile sind akribisch aufgeschichtet, arrangiert. Die kleine Plattenpyramide am Rand verrät, dass es sich um Kunst handeln muss. Je weiter man sich in dieses Werk hinein fühlt, desto spannender wird es und offeriert höchst interessante Perspektiven – vor allem für ein geübtes Fotoauge. Aber was sagt das Werk aus? Damit wird der Betrachter allein gelassen. «Raum 19» eben. Wie sagte noch sein Lehrmeister Beuys? «Jeder Mensch ist ein Künstler».

 

Imi Knoebel heisst eigentlich Klaus Wolfgang Knoebel. Er kommt 1940 in Dessau zur Welt. 1964 schafft er es an der Kunstakademie Düsseldorf in die Meisterklasse von Joseph Beuys (und in dessen berühmten Raum 20). Ein Jahr später hat er seinen eigenen Raum, den Raum 19. Zusammen mit seinem Freund Rainer Giese. Beide legen sich den Künstler-Vornamen «Imi» zu, Imi steht für «ich mit ihm», eine Grussformel der beiden.

 

Ein Thema interessiert Knoebel besonders: Der Minimalismus. Superstar unter den Minimalisten ist Kasimir Malewitsch (das ist der mit dem weltberühmten schwarzen Quadrat). Knoebel findet, das könne man noch weiter minimieren und produziert auch ein Quadrat, aber diesmal ganz ohne Farbe, nur mit einer nackten Leinwand. Dann reduziert er die Reduktion noch weiter und lässt auch die Leinwand weg. Sein Quadrat von 1968 ist jetzt bloss noch ein Keilrahmen. Das Ende der Reduzierung? Mitnichten. Nächster Schritt: jetzt zeigt er nur noch einen Teil des Keilrahmens, dann nur noch eine nackte Wand. Ist er damit grösser als Malewitsch?

 

Ach ja, und warum heisst die Ausstellung «Guten Morgen, weisses Kätzchen?». Knoebel soll damit seine kleine Enkelin zitieren, heisst es. Aber eigentlich geht es ihm um mehr. Er will mit seiner Kunst einen Gegenpol zur abbildgeilen Gesellschaft markieren. Schliesslich sind die Katzenbilder in den sozialen Medien der absolute Renner – und kriegen die meisten Likes. So viele Likes schafft Knoebel mit seinen abbildungslosen «freien Formen» nicht. Aber dafür wird er 2006 zum Ehrendoktor der Friedrich-Schiller-Universität Jena ernannt. Heute lebt und arbeitet er als freischaffender Künstler in Düsseldorf.

 

 

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Imi Knoebels «Freie Formen».

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Konzeptkunst «Raum 19», 1968/2006.

Was hat es mit den Räumen auf sich? An der Kunstakademie Düsseldorf studiert Knoebel 1964 bei Joseph Beuys, der in Raum 20 unterrichtet. Im Raum 19 schafft Knoebel dann zusammen mit anderen Beuys-Schülern das, was er später als sein Schlüsselwerk bezeichnet.

 

Ab 1968 arbeitet er an vier verschiedenen Versionen von «Raum 19». Im Haus Konstruktiv zeigt man nun die dritte (und grösste) Version dieser Holzkompositionen – als «ortsspezifisches, gebautes Bild», wie es im Ausstellungstext heisst. Und als «geometrische Abstraktion».

 

Seine Hartfaserplatten verwendet Knoebel auch als Bilder an der Wand, frei von jeder Bemalung.

freieform

 

Freie Formen, ab 1970.

Mitte der 70er-Jahre beginnt Knoebel mit farbigen Werken (Freie Form – alle Farben). Die an der Ausstellung gezeigten Stücke unterscheiden sich deutlich in Form und Farbe, sie reichen von eckig bis rund und von rosa bis dunkelblau und braun.

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Grace Kelly, 1990/1998.

Ein Bild, das auf eine Abbildung gänzlich verzichtet und in seiner Farbkombination ausserordentlich elegant wirkt. Vielleicht hat dies den Künstler veranlasst, es Grace Kelly zu nennen. Nur er weiss es.

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Der Keilrahmen, 1968.

Mit diesem Werk versucht der Künstler, die «Mutter aller Minimalisten», Kasimir Malewitsch, zu übertrumpfen. Dessen schwarzes Quadrat ist ihm noch zu wenig minimalistisch, er lässt nicht nur die Farbe weg, sondern auch noch die Leinwand. Minimalart ad absurdum.

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Beijing, 2007.

Wenn schon Farbe, dann richtig bunt. Das Werk besteht aus knallfarbig bemalten Holzlatten. Ob es Überreste der Holzkonstruktion von Raum 19 sind?

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