Von Adam, Eva und der Schlange.
Und wie war das mit dem Apfel?


Die Bibel müsste es wissen. Aber so einfach macht
sie es einem auch nicht. Das Problem beginnt hier:
Am sechsten Tag seiner Schöpfung erschafft Gott den Menschen, Mann und Frau. Genesis, Kapitel 1.

 

Doch dann wundert man sich: In Kapitel 2 gibt es die Menschen nicht mehr. Denn jetzt erst, in Vers 7, wird der erste erschaffen, aus Staub. Und zum Leben erweckt. Adam.

 

Die Frau kommt erst viel später ins Spiel. Erst als Gott Adam in den Garten Eden (also ins Paradies) gesetzt hat. Dort soll er den Garten bebauen. Ausser Adam gibt es dort nur noch Tiere. Gott findet, Adam könnte Unterstützung gebrauchen, durch eine Frau. Also entnimmt er Adam (im Schlaf!) eine Rippe und bastelt daraus Eva.

 

Nun sind die beiden im Paradies. Im Garten Eden. Gott warnt Adam davor, Früchte vom «Baum der Erkenntnis von Gut und Böse» zu essen. Adam gibt das seiner Frau weiter, doch die gehorcht nicht. Lässt sich von der bösen Schlange verführen, die Frucht doch zu essen. Die Frucht wirkt, sie öffnet den Menschen die Augen.

 

Die Strafe Gottes ist grausam: Die Schlange wird zum ewigen Kriechen verdammt, die Frau zu ewigen Schmerzen beim Kindergebären, der Mann zu lebenslänglich harter Arbeit. Auf einem Acker voller Dornen und Unkraut. Und als ob das nicht reichte, werden sie auch noch aus dem Paradies gejagt. Aber es kommt noch dicker: Gott verkündet dem Menschen auch noch, dass er sich mit seinem Ungehorsam den Tod eingehandelt hat: «Denn Staub bist du, und zum Staub kehrst du».

 

Und wie war das jetzt mit dem Apfel? Es gibt keinen Apfel. Im Bibeltext ist immer nur von «Frucht» die Rede. Es könnte ein sprachliches Problem dahinter stecken: In der lateinischen Bibel kommt das Wort «malus» vor. Das steht für «böse» oder «das Übel», aber auch für «Apfelbaum». Die Künstler des Mittelalters und der Renaissance haben sich für Apfelbaum entschieden. Und alle sind beim Apfel geblieben.

 

 

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Peter Paul Rubens (1577-1640).

Adam und Eva (nach einem Gemälde von

Tizian), 1628-29. Museo del Prado Madrid.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553). Adam und Eva im Paradies 1533. Gemälde-galerie Berlin.

 

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Michelangelo (1475-1564). Erschaffung Adams, 1511. Sixtinische Kapelle Rom.

Und Gott schuf den Menschen.

So steht es in der Schöpfungsgeschichte, Genesis, 1. Buch Mose, Kapitel 1, Verse 26-28:


«Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei... /

 

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht».

 

Zwar müsste damit der Mensch erschaffen sein, aber offenbar doch nicht. Erst In Kapitel 2, Vers 7, wird der Mensch wirklich gemacht. «...aus dem Staub von der Erde. Und Gott blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so war der Mensch ein lebendiges Wesen».

 

Eine Frau gibt es noch nicht.

 

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Gustav Klimt (1862-1918). Adam und Eva, 1917-18. Belvedere Wien.

Adam und Eva, der Mensch und seine Frau.

Noch ist Eva nicht auf der Welt. Gott setzt Adam in den Garten Eden und beauftragt ihn, das Land zu bebauen (Vers 15). Eine Reihe von Bäumen und Büschen hat er für ihn schon vorher gepflanzt, und offenbar tragen sie schon Früchte. Gott sagt zum Menschen – zu Adam –, er dürfe «essen von allen Bäumen im Garten», aber «nicht von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen». Sonst würde er des Todes sterben.

 

Neben dem einzigen Menschen gibt es noch Tiere. Adam wird von Gott beauftragt, allen Tieren einen Namen zu verpassen (Vers 19). Ein weiteres Problem gibt es noch: Adam ist so allein. Gott will das ändern. Er entnimmt Adam eine Rippe (im Schlaf) und bastelt daraus Eva (Vers 22). «Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und schämten sich nicht».

 

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German Hernandez Amores (1823-1894). Eva, 1854. Academia Bellas Artes Madrid.

Die böse Schlange und die Erkenntnis.

Nun sind Adam und Eva im Garten Eden, im Paradies. Adam hat seine Frau darüber aufgeklärt, dass sie von allen Früchten essen darf – nur nicht vom «Baum der Erkenntnis von Gut und Böse». Eva gehorcht zunächst. Aber da kommt die hinterlistige Schlange ins Spiel. Sie verspricht Eva, dass das Kosten der Frucht sie schlau machen werde. So schlau wie Gott. Die Frau kann nicht widerstehen und isst von der Frucht, gibt auch ihrem Mann davon. Die Frucht wirkt. Und öffnet den beiden die Augen. Vor allem merken sie, dass sie nackt sind. Was für eine furchtbare Erkenntnis! Adam ist so beschämt, dass er sich vor Gott versteckt. Im Garten Eden, hinter einem Busch.

 

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Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553). Adam
und Eva, 1526. Courtauld Gallery London.

Die Schlange muss büssen.

Wo bist du, Adam? ruft Gott. Und Adam antwortet: «Hier im Garten. Ich fürchtete mich, denn ich bin nackt, darum verstecke ich mich». Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Gott weiss jetzt, dass sich Adam nicht an seine Anweisung gehalten hat, macht ihm Vorwürfe. Adam verteidigt sich: Die Frau ist schuld, sie hat mir die Frucht gereicht. Gott wird böse auf Eva. Eva verteidigt sich: Die Schlange ist schuld, sie hat mich betrogen.

 

Nun wird Gott auf die Schlange sauer: «Weil du das getan hast, seist du verflucht, verstossen aus allem Vieh und allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Erde fressen dein Leben lang».

 

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Masaccio
(1401-1428). Vertreibung aus dem Paradies. Brancacci Kapelle Florenz.

Die Vertreibung aus dem Paradies.

Aber Gott ist nicht nur auf die Schlange sauer. Zu Eva sagt er: «Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein.

 

Adam ergeht es nicht viel besser: «Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau und gegessen von dem Baum, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen.

 

Im Schweisse deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden».

 

Nicht genug, dass ihm jetzt auch noch der Tod droht. Zusätzlich werden Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben. Verfolgt von einem Engel mit Schwert, wie das Masaccio in seinem Gemälde aus dem frühen 15. Jahrhundert zeigt.

 

>Auszug aus dem Alten Testament: Schöpfungsgeschichte

GENESIS, 1. Buch Mose, Kapitel 1-3 (pdf)

 

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Wie Salvador Dalì die Schöpfung sieht.

Im Museum Espace Dalì in Paris sind zwei Bibel-Zyklen des berühmten spanischen Surrealisten zu sehen: Einer zum Neuen Testament, einer zum Alten. In diesem Bild links nimmt er Bezug auf die Genesis 2:22 «Gott, der Herr, baute aus der Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, eine Frau». >mehr

 

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