Die Bayrischen Könige


Das Bayrische Königsreich existiert nur kurz – gerade mal 112 Jahre – von 1806 bis 1918. Es ist ein von Napoleon erfundenes Staatskonstrukt.

 

Hintergrund ist der Siegeszug des französischen Kaisers durch halb Europa. Bayern steht eigentlich an der Seite der Österreicher, verliert mit diesen einige Schlachten gegen die Franzosen und wechselt dann die Fronten. Herzog Maximilian schliesst ein militärisches Bündnis mit Napoleon, kämpft tapfer und wird dafür von diesem belohnt: Mit einem Königstitel und einem vergrösserten Bayern. Im Friedensvertrag von Pressburg 1805 (heute Bratislava, Slowakei) diktiert Napoleon dem Kaiser des hl. römischen Reiches deutscher Nation Franz II (und ab 1804 Kaiser von Österreich, als Franz I) die Bedingungen. Bayern bekommt neu Vorarlberg, das Tirol und Salzburg. Nach dem Niedergang des französischen Kaisers und dem Wiener Kongress 1815 gehen diese Gebiete allerdings wieder verloren.

 

Das Königreich Bayern gibt sich ab 1808 eine ausgesprochen fortschrittliche Verfassung. Der König wird nur noch als «Staatsorgan» definiert und hat auf die Verfassung zu schwören. Grösste Errungenschaft ist die Abschaffung der Leibeigenschaft, die zur dieser Zeit in Monarchien noch als «normal» gilt. Die freie Wahl der Religion wird verankert, ein neues Strafgesetzbuch verbietet die Folter. Kein anderes Land hat zu dieser Zeit eine fortschrittlichere Verfassung. Sie ist das Werk von Graf von Montgelas, Minister unter dem ersten König von Bayern: Maximilian I Joseph.

 

 

 

hohenschwangau

 

Ausgehend von alten Ruinen baut König
Maximilian II das Schloss Hohenschwangau,
in dem sein Sohn Ludwig II aufwächst. Im
Hintergrund der Schwansee.

 

 

neuschwanstein

 

Wo Ludwig II seine Fantasien ausleben kann:
Im Märchenschloss Schloss Neuschwanstein.
Es wird nie ganz fertig, und Ludwig verbringt
alles in allem nur 170 Tage hier.

 

 

schloss_linderhof

 

Die Lieblingsresidenz von Ludwig II: Das
Schloss Linderhof. Hier hält sich der König am
längsten auf. Es ist auch das einzige seiner
Schlösser, das während seiner Lebenszeit
ganz fertig wird. Fotoquelle: Softeis,
WikiCommons.

 

 

herrenchiemsee

 

Ludwigs letztes grosses Bauprojekt. Das

Schloss Herrenchiemsee. Geplant nach dem
grossen Vorbild des Schlosses von Versailles.
Baubeginn 1878, acht Jahre vor dem Tod des
Königs. Er bewohnt das Schloss, das auf einer
Insel im Chiemsee liegt, nur wenige Tage.
Fotoquelle: Hansueli Krapf, Creative Commons
Attr. ShareAlike 3.0, Wikipedia.

 

 

 

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maximilian_I

Maximilian I von Bayern, 1810.
Von Franz Xaver Hornöck
(1751-1822). Museum Salzburg.

Maximilian I Josef von Bayern (1756-1825).

Er gehört dem Hause Wittelsbach an und wächst in Strassburg auf, wird dort Oberst in der elsässischen Armee. Ab 1799 trägt er den Titel des Herzogs von Bayern und steht zunächst auf der Seite der Österreicher, wechselt dann aber die Fronten, als Napoleon Europa überrennt. Mit ihm schliesst er ein militärisches Bündnis. Napoleon dankt es ihm mit einem Königstitel, den es bislang nicht gab: Max Josef wird der erste König von Bayern. Gratis ist der Titel allerdings nicht: Bayern muss Napoleon auf dessen desaströsem Russlandfeldzug 1812/13 unterstützen, was 30'000 Mann der Bayrischen Armee das Leben kostet.

 

Unter Maximilian I entsteht die fortschrittlichste Monarchie Europas. Der König unterstellt sich einer Verfassung, die die Leibeigenschaft eliminiert und die Folter abschafft. Er engagiert sich auch stark in kulturellen Belangen und gründet die Akademie der bildenden Künste in München. Er stirbt 1825 im Schloss Nymphenburg in München.

 

ludwig I

Ludwig I.
Von Angelika Kauffmann
(1741-1807).
Neue Pinakothek München.

Ludwig I (1786-1868).

Sohn von Maximilian I. Auch Ludwig kommt in Strassburg zur Welt und wird 1825 nach dem Tod seines Vaters König von Bayern. Er ist ein Onkel der Prinzessin Elisabeth (spätere Kaiserin Sisi). Sein Taufpate ist der französische König Louis XVI. Er hat eine Schwäche für das antike Griechenland und baut halb München um. Nach antikem Vorbild lässt er den Königsplatz entwerfen und legt die Alte Pinakothek, die Universität und das Siegestor an – und natürlich seine Ludwigstrasse. 1848 wird ihm die Affäre mit der berühmten Tänzerin Lola Montez zum Verhängnis. Das Volk, 1848 ohnehin schon in Rebellionsstimmung – wie in ganz Europa –, zwingt ihn zur Abdankung zu Gunsten seines Sohnes Maximilian II Josef.

 

maximilian_II

Maximilian II.
Von Julius Zimmermann (1824-1906). Bayrischer Landtag.

Maximilian II Josef (1811-1864).

König von Bayern von 1848 bis 1864. Seine Leidenschaft ist die Wissenschaft. Vielleicht nennen die Münchner auch deshalb sein Denkmal «Max-denk-zwei-mal». Der neue König lädt berühmte Professoren nach München ein und gründet seine Stiftung «Maximilianeum für Hochbegabte», die noch heute existiert. Auf ihn geht auch die bis heute höchste bayrische Auszeichnung zurück: der Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst. 1830 wird er zum Ehrenmitglied der Bayrischen Akademie der Wissenschaften ernannt. Er lässt eine alte Ruine zum Schloss Hohenschwangau ausbauen – wo auch seine Söhne, Ludwig (der spätere König Ludwig II) und Otto aufwachsen.

 

 

ludwig_II

Ludwig_II., 1865.
Von Ferdinand
von Piloty (1828-
1895). Bayrische Staatsgemälde-
sammlung
München.

 

 

 

 

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Ludwig II

 

Ludwig II (1845-1886).

Der wohl berühmteste König der Bayern – der Märchenschlossbauer, der Träumer, der Wagner-Fan, kurz der Märchenkönig. Obwohl sein Vater ein Mann der Wissenschaft ist, bekommt er kein echtes Studium, wird nur von Privatlehrern unterrichtet. Seine politische Ausbildung ist ungenügend, als er nach dem Tod Maximilians II 1864 König wird. Er ist menschenscheu und zieht sich in seine Schlösser zurück: Linderhof, Herrenchiemsee und natürlich in sein Schloss Neuschwanstein, das er nach seinen eigenen Fantasievorstellungen als Märchenschloss bauen lässt, vollgepfercht mit Themen aus der Nibelungensaga. Die immensen Baukosten stürzen ihn in Schulden. Schliesslich lässt ihn die Regierung durch ein ärztliches Gutachten als «seelenkrank» erklären und entmüdigen. Er wird verhaftet und stirbt am 13. Juni 1886 im Starnberger See unter ungeklärten Umständen – zusammen mit dem Arzt, der das Gutachten gegen ihn erstellt hat. Offizielle Version: Ertrinken. Allerdings ist der See an dieser Stelle gerade mal hüfthoch. Bis heute ist unklar, was sich am See wirklich abgespielt hat.

 

 

otto_I

Otto I. Foto von Hoffotograf Joseph Albert, München.
Public Domain Wikipedia.

 

 

luitpold

Prinzregent Luitpold. Quelle: Uni Regensburg, Public Domain Wikipedia.

 

Otto I (1848-1916).

Der zweite Sohn Maximilians II, drei Jahre jünger als Ludwig. Er erbt den Königstitel von Ludwig II, wird aber sofort als geisteskrank («schwermütig») und für regierungsunfähig erklärt. Die meiste Zeit verbringt er eingesperrt im Schloss Fürstenried. Die Regierungsgeschäfte übernimmt sein Onkel
– ein Bruder von Maximilian II –

 

Prinzregent Luitpold (1821-1912).

Dritter Sohn von König Ludwig I. Auf dessen Anweisung wird er 1835 – also mit 14 Jahren! – Hauptmann der Artillerie. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870 ist er bayrischer Vertreter im preussischen Generalstab und überreicht nach dem Sieg über Frankreich dem preussischen König Wilhelm I den Kaiserbrief. Er nimmt 1871 in Versailles an der Proklamation des ersten Deutschen Kaisers teil. König Ludwig II, der dieser Festlichkeit bewusst fern bleibt, befördert Luitpold 1876 zum Generalfeldmarschall.

 

Luitpold hält sich bei grossen politischen Entscheidungen zurück und überlässt die Geschäfte der Regierung und dem Parlament. Dafür gründet der kunstsinnige Regent 1891 die Prinzregent-Luitpold-Stiftung zur Förderung von Kunst und Kunstgewerbe in München. Eigentlich konservativ ausgerichtet, unterstützt Luitpold auch die Moderne Kunst – ganz im Gegensatz zum deutschen Kaiser Wilhelm II, der diese strikt ablehnt.

 

ludwig III

Ludwig III, 1914. Historisches Lexikon Bayerns. Fotoatelier Elvira. Public Domain Wikipedia.

Ludwig III (1845-1921).

Sohn von Luitpold. Von 1913 bis 1918 der letzte König von Bayern. Er studiert Philosophie, Jura, Geschichte und Nationalökonomie. Am Militär ist er nicht besonders interessiert, schickt aber an Kaiser Wilhelm II eine Solidaritätserklärung, als 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht. Der Krieg führt zu Lebensmittelknappheit, die Bevölkerung begehrt auf. Der König stimmt 1918 einer Umwandlung der konstitutionellen in eine parlamentarische Monarchie zu – aber es ist zu spät. Im Zuge der Novemberrevolution proklamiert Kurt Eisner am 7. November 1918 den Freistaat Bayern und erklärt Ludwig als König für abgesetzt. Am 13. November 1918 geht Bayerns Monarchie zu Ende.

 

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Fotos Bayrische Königsschlösser

 

   
   

 

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