Kaiserin Maria Theresia

(1717-1780).


Eigentlich war sie ja nur Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn, aber alle nannten sie Kaiserin. Oder Frau Kaiser. Sie war 40 Jahre lang der Chef im Hause Habsburg, bis zu ihrem Tod 1780. Ihr Gemahl Franz Stephan trug den Titel eines römisch-deutschen Kaisers. Aber sie war es, die regierte.

 

Sie verstand es, sich gegen die umliegenden Herrscher zu behaupten und nach innen ihr Reich zu reformieren. Dass sie dies als Frau schaffte, verdient doppelten Respekt. Denn sie lebte in einer Zeit, als man eine «Weiberherrschaft» noch als Verstoss gegen die göttliche Ordnung sah.

 

Sie war eine Reformerin, die anpackte. In ihre Schaffenszeit fiel der Bau des Burgtheaters und die Gründung der Börse. Sie ist die Erbauerin des Schlosses Schönbrunn in seiner heutigen Form. Sie zentralisierte Justiz und Verwaltung und trennte die zwei Sparten zugleich – ein Schritt in Richtung Gewaltenteilung. Sie führte die Schulpflicht ein. Und sie sorgte dafür, dass die Bevölkerung nicht mehr hungern musste – dank der Einführung eines neuartigen Nahrungsmittels: die Kartoffel. Ihr wichtigster Coup aber war die Einführung von Steuern für alle Stände.

 

Sie war aber nicht nur Regierungschefin, sie war auch Mutter. Brachte 16 Kinder zur Welt, und dies innerhalb von 20 Jahren. Was bedeutet, dass sie so etwas wie dauerschwanger war. Ihre Nachkommen setzte sie zielstrebig für die Aussenpolitik ein: durch geschicktes Verheiraten mit den Bourbonen erreichte sie eine Allianz mit Frankreich.

 

>mehr über Maria Theresias Nachkommen

 

Die als «Landesmutter» geliebte Frau hatte aber auch dunkle Seiten. Als Erzkatholikin kannte sie keine Gnade mit Protestanten und ging mit harter Hand gegen diese vor. Und auch gegen Juden. Ein unrühmlicher Höhepunkt war die Vertreibung von tausenden von Juden aus Prag.

 

Sie starb am 29. November 1780 in der Wiener
Hofburg an einer Lungenentzündung.

 

 

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Schloss Schönbrunn nach dem Umbau
durch Maria Theresia 1743. Gemälde von
Bernardo Bellotto (1721-1780).
Kunsthistorisches Museum Wien.

 

 

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Die «Gloriette», das Ehrendenkmahl zum Sieg
der Habsburger über die Preussen in der

Schlacht von Kolin 1757. Es steht am Ende
des Schlossparks von Schönbrunn.

 

Foto von Thomas Wolf. www.foto-tw.de,
Wikimedia-Lizenz CC BY-SA 3.0 DE.

 

 

 

 

 

 

 

 

>Maria Theresias 16 Kinder

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Maria-Theresia, 1729. Andreas Möller (1684-1762). Kunsthistorisches Museum Wien.

Die junge Erzherzogin Maria-Theresia.

Sie kommt als zweites Kind von Kaiser Karl VI in Wien zur Welt. Karl VI ist römisch-deutscher Kaiser und Erzherzog von Österreich. Er hat zwar einen männlichen Erben (Leopold Johann), aber der stirbt 1716 in seinem ersten Lebensjahr. Maria Theresia ist die älteste von drei Töchtern. Karl VI bestimmt in einem Erlass, dass es im Hause Habsburg fortan auch weibliche Thronfolger geben kann («die pragmatische Sanktion»). Als der Kaiser 1740 stirbt, übernimmt Maria Theresia den Titel Erzherzogin von Österreich. (Den Titel «römisch-deutscher Kaiser» erbt man nicht. Es sind die deutschen Kurfürsten, die den Kaiser wählen).

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Kaiser Franz I
Stephan
(1708-1765).
Gemälde von Martin van
Meytens
(1695-1770), 1745. Kunsthistorisches Museum Wien.

Ihr Gemahl: Franz Stephan von Lothringen.

Die Heirat der Erzherzogin ist eine politisch hoch brisante Angelegenheit für die Balance in Europa. Alle reden mit, alle suchen ihre Vorteile. Spanier, Engländer, Preussen, Bayern. Schliesslich trift Maria Theresia die Entscheidung selbst: Sie will Franz Stephan, Herzog von Lothringen. Den kennt sie seit ihrer Kindheit. Die zwei mögen sich. Am Hof hält man ihn für zu schwach. Maria setzt ihren Kopf durch, sie heiratet ihn 1736. Franz Stephan muss auf sein Herzogtum Lothringen verzichten, wird dafür Herzog der Toscana. Maria Theresia setzt sich bei den Kurfürsten für seine Wahl zum Kaiser ein. 1745 wird er römisch-deutscher Kaiser.

 

Fortan kümmert sich Kaiser Franz I Stephan um die finanziellen Angelegenheiten des Hauses Habsburg – sehr erfolgreich. Er gründet Textilmanufakturen und baut das Wirtschaftsministerium auf, das die Staatsfinanzen auf Generationen hinaus sichert. Aus der Politik hält er sich aber raus, das Regieren überlässt er Maria Theresia.

 

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Friedrich der Grosse, 1781.
Anton Graff (1736-1813). Schloss Sanssouci Potsdam.

Ihr Erzfeind: Friedrich II «der Grosse».

Aussenpolitisch schafft es Maria Theresia, den Grossteil der Habsburger-Territorien zu behaupten, obwohl sie von allen Seiten bedrängt wird. Durch geschickte Diplomatie sorgt sie für ständige Bündniswechsel und kann auch Ungarn auf ihre Seite ziehen.

 

Nur den Preussenkönig Friedrich II kann sie nicht stoppen. Dieser nimmt ihr Schlesien ab. Maria Theresia hasst ihn dafür. Nur einmal kann sie über ihn triumphieren: In der Schlacht von Kolin 1757. Da siegen die Habsburger. Aber es ist nur eine Schlacht – der Sieg bringt ihr Schlesien nicht zurück.

 

Auch mit Friedrichs aufklärerischen Ideen kann Maria Theresia nicht viel anfangen, sie passen nicht in ihr katholisches Weltbild.

 

Friedrichs Urteil über Maria Theresia klingt dagegen positiv. Nach ihrem Tod 1780 widmet er ihr einen Nachruf: «Sie hat ihrem Thron und ihrem Geschlecht Ehre gemacht. Ich habe mit ihr Kriege geführt, aber ich war nie ihr Feind».

 

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Franz I Stephan,
Maria Theresia
und elf Kinder,
1764. Von Martin van Meytens, Kunsthistorisches Museum Wien.

 

Die «Schwiegermutter Europas»

Das Paar zeugt 16 Nachkommen, es sind elf Töchter und fünf Söhne. Unter ihnen die späteren Kaiser Joseph II und Leopold II sowie der Kölner Kurfürst Maximilian Franz.

 

Höchstes Ziel Maria Theresias ist es, ihre Kinder gut zu verheiraten. «Gut» im politischen Sinne – zur Schmiedung von Allianzen, vor allem mit den Bourbonen – aber weniger zum Wohle der Töchter. Die werden teils bei betagten Fürsten «platziert». Die berühmteste «Zwangsverheiratung» ist jene von Maria Antonia, die als 15-jährige nach Paris verschachert wird, wo sie als Marie-Antoinette den französischen König Louis XVI heiraten muss.

>mehr über die Verheiratungspolitik

 

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Maria Antonia, (1755-1793). Von
Joseph Ducreux, (1735-1802). Schloss Versailles.

Marie-Antoinette, Gemahlin von Louis XVI.

Sie ist 15, als sie 1770 mit dem französischen Thronfolger Louis Auguste in eine politische Ehe gedrängt wird, um das Bündnis Österreich-Frankreich zu sichern. Die Sitten am Hof von Versailles sind ihr fremd, sie leidet. 1774 besteigt das Paar den Königsthron, zunächst gefeiert, dann kritisiert, weil noch keine Nachkommen da sind. 1778 kommt endlich ein Kind zur Welt, aber es ist ein Mädchen. Marie-Antoinette wird vor allem wegen ihrer Verschwendungssucht am Hof kritisiert. Sie sei spielsüchtig und habe Affairen. Im Volk ist sie unbeliebt. Nach der Revolution von 1789 flieht die Königsfamilie von Versailles nach Paris, Louis XVI wird der Prozess gemacht, er wird im Januar 1793 hingerichtet. Marie-Antoinette wirft man Hochverrat und Unzucht vor. Sie folgt ihrem Gemahl aufs Schafott und stirbt am 16. Oktober 1793.

 

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Maria Theresia, 1762. Von Jean-Etienne Liotard (1702-1789).

Ihr Kampf gegen die Unkeuschheit.

Berühmt ist die Kaiserin für ihren Fanatismus gegen Unzucht. Sie bildet eine «Keuschheitskommission», die sexuelle Ausschweifungen aufspüren soll. Wer erwischt wird, dem drohen Verbannung, Kerker oder Versenkung im Kloster.

 

Man sagt, dass ihr treuloser Ehemann – der ein Frauenheld gewesen sein soll – den Ausschlag dazu gegeben hat. Ihn selbst hat sie offenbar nicht im Griff. Aber die Ehe scheint dennoch gut zu funktionieren. Als er 1765 stirbt, schreibt sie: «Ich verlor einen Gatten, einen Freund, den einzigen Gegenstand meiner Liebe». Nach seinem Tod lässt sie sich die Haare kurz schneiden und trägt fortan nur noch schwarz.

   
   

 

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