Franz von Assisi (1181-1226)

 

Der heilige Franziskus. San Francesco in italienisch. Oder San Francisco in spanisch. Schon mehrmals war ich im kalifornischen San Francisco und habe mir nie Gedanken darüber gemacht, dass da der heilige Franz von Assisi dahinter steckt. Bis heute.

 

Als er 1181 zur Welt kommt, heisst er Giovanni, also Johannes. Sein Vater, Pietro di Bernardone, ist ein wohlhabender Tuchhändler, der viel unterwegs ist. Er ist gerade auf einer Reise in Frankreich, als Giovanni geboren wird. Nach seiner Rückkehr nennt er ihn deshalb «Francesco», den kleinen Franzosen.

 

Francesco wächst gut bürgerlich auf und erhält eine angemessene Ausbildung. Als zukünftiger Kaufmann soll er schliesslich lesen und schreiben können. Auch Latein bringt man ihm bei. Wie es heisst, führt er in seiner Jugend ein ziemlich ausschweifendes Leben und hält seine Altersgenossen bei ausgelassenen Festen frei – dank Papas Wohlstand.

 

1202, da ist er gut 20, zieht er mit den Truppen von Assisi in den Krieg gegen Perugia. Die Schlacht geht verloren, er wird in Perugia eingesperrt. 1204 versucht er es nochmals, nimmt als Ritter an einem Kriegszug nach Süditalien teil. Aber kehrt wieder um. Gott soll ihm im Traum erschienen sein und ihn aufgerufen haben, ihm, dem Herrn, zu dienen. Und nicht den Kriegsknechten.

 

Er will jetzt in Armut leben. Sein Vater findet das nicht so toll. Er möchte seinen Sohn lieber als Nachfolger fürs Geschäft. Noch mehr ärgert ihn, dass sein Sprössling Waren aus dem Geschäft den Armen als Almosen verschenkt. Das gibt Streit. Franz verzichtet auf sein Erbe und sagt sich von seinem Vater los. Nun zieht er vor die Stadtmauern und lebt als Einsiedler. Er trägt nur noch eine einfache Kutte, zieht um Essen bettelnd von Haus zu Haus, pflegt die Aussätzigen.

 

In einer Messe hört er vom Evangelium des Apostels Matthias. Es handelt von der Aussendung der Jünger. «Geht hin und predigt. Ihr sollt kein Geld in euren Gürteln haben, auch nicht zwei Hemden, keine Schuhe...». Franz ist beeindruckt, nimmt das wörtlich. Er zieht predigend und barfuss durch das Land. Mit der Zeit schliessen sich ihm Gleichgesinnte an. 1209 reist er mit zwölf von ihnen nach Rom, um bei Papst Innozenz III die Erlaubnis zu erbitten, eine Regel zu gründen. Der Papst erteilt die Bewilligung für das Laienpredigen. Unter der Bedingung, dass jemand die Führung der Gruppe übernimmt. Franz führt fortan die Gruppe an, die sich Franziskaner nennen.

 

1219 nimmt er an einem Kreuzzug nach Ägypten teil. Er will den Sultan zum Christentum bekehren, ohne Erfolg. Nach seiner Rückkehr erkrankt er, leidet an einer Augeninfektion.

 

Zudem gibt es Probleme im Orden: Nicht alle Brüder sind mit der franziskanischen Regel glücklich, dass sie in Armut leben sollen. Franz gibt die Führung ab und überträgt sie dem Juristen Pietro Catani. Er selbst zieht sich 1224 in die Berge zurück.

 

Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich. Das Augenleiden wird schlimmer, er ist jetzt nahezu blind. Und vom vielen Fasten zusätzlich geschwächt, hat Probleme mit dem Magen. In seinem letzten Testament verlangt er, nach dem Tod nackt auf die Erde gelegt zu werden. So will er seine Treue zur Armut bis zuletzt beteuern. Er stirbt am 3. Oktober 1226.

 

 

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Franz von Assisi. Von El Greco

(1541-1614). El Escorial.

 

Titelbild: Von Francisco de Zurbaran
(1598-1664). National Gallery, London.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Assisi vom
Monte Subasio aus gesehen. (Fotoquelle:
>Gunnar Bach Pedersen)

Assisi – Geburtsort des heiligen Franziskus.

Das Städtchen mit etwa 30'000 Einwohnern liegt in Umbrien nicht weit von Perugia entfernt und wurde 2000 zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt. Aus römischer Zeit stammen die Stadtmauern und ein Amphitheater sowie der Tempel der Minerva.

 

Hauptattraktionen sind die Basiliken San Francesco und Santa Chiara. Und natürlich die Grabstätten des heiligen Franziskus und der heiligen Klara. Assisi ist heute wie damals ein bedeutender Pilgerort für Christen. Mit dem Bau der Kirche wurde 1228 begonnen, also zwei Jahre nach dem Tod des heiligen Franziskus.

 

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Giotto (1266-
1337). Franziskus wird vom Kreuz angesprochen.

Gott spricht zweimal zu ihm.

Eigentlich möchte er Ritter sein. 1204 zieht er mit Pferd und Rüstung nach Apulien. Aber Gott fordert ihn im Traum auf, ihm, und nicht Kriegsknechten zu dienen. Er bricht ab. Ein zweites Mal spricht ihn Gott über das Kreuz von San Damiamo an: «Franziskus, gehe hin und baue mein Haus wieder auf, das, wie du siehst, ganz und gar in Verfall gerät». Gemeint ist die kleine romanische Kirche San Damiamo. Franziskus baut sie eigenhändig wieder auf – mit Geld aus Papas Geschäft. Das gibt Streit. Nach einem Gerichtsprozess verzichtet Franz auf sein Erbe und sagt sich von seinem Vater los.

 

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Giotto. Franz verzichtet auf sein Erbe.

Leben in Armut.

1206 verlässt er Assisi mittellos und zieht nach Gubbio, wo er Aussätzige pflegt. Im Sommer kehrt er nach San Damiano zurück. Dort wohnt er beim Priester, kleidet sich als Eremit und baut die Kirche wieder auf. Lebt unter Randständigen. Diesen prophezeit er, dass bei dieser Kapelle einmal Schwestern leben werden.

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Francisco de Zurbaran
(1598-1664).
Franz im Gebet.

Auf den Spuren von Jesus' Jüngern.

1208: An einer Messe zu Ehren des Apostels Matthias vernimmt er von Jesus Jüngern. Das wird seine neue Berufung: Nun will er predigen und das Wort Gottes weiter tragen. Als Wanderbruder, mit leeren Händen und friedfertig. Von jetzt an trägt er die Kutte mit Kapuze. Seine Predigten tragen Früchte, bald schliessen sich ihm Gefährten an. Wie Nobelmann Bernardo da Quintavalle und der Jurist Pietro Cattani, aber auch Bauernsohn Egidio. Die Zahl der «Brüder» wächst. Aufgeteilt in zwei Gruppen unternehmen sie erste Predigtreisen über Umbrien hinaus.


beimPapst

Giotto. Franz bittet um die Bestätigung der Regel.

Erbittung des päpstlichen Segens.

1209: Mit zwölf Gefährten reist Franz nach Rom. Die Brüder erbitten von Papst Innozenz III die Erlaubnis, als Laien predigen zu dürfen. Mit dem päpstlichen Segen kommen sie nach Assisi zurück. Die Mönche von San Benedetto al Subasio gewähren ihnen die Nutzung der Kapelle von Portiuncula. Sie wird zum Mittelpunkt der neuen Bewegung.

 

Die Anerkennung der Gemeinschaftsregel des Franziskanerordens erfolgt erst 1223 durch Papst Honorius III. >mehr über den Franziskanerorden

klara

Simone Martini (1285-1344). Heilige Klara.

Klara von Assisi schliesst sich den Brüdern an.

Sie ist eine junge Adlige und lebt von 1193 bis 1253. Im Alter von 19 Jahren schliesst sie sich der neuen Bewegung an. In Portiuncula erhält sie 1212 von Franziskus das Ordenshemd. Sie gründet die Gemeinschaft der «Armen Frauen von San Damiano». Die Bezeichnung «Klarissen» bürgert sich erst später ein. Zwei Jahre nach ihrem Tod wird sie 1255 von Papst Alexander IV heiliggesprochen.

 

>mehr über die heilige Klara

stigmatisation

Stigmatisation auf dem Monte Penna.

Am 17. September 1224 soll sich auf einer felsigen Erhebung des Monte Penna (Alverna) im Apennin Wundersames ereignet haben: Bei Franz werden plötzlich Wundmale Christi sichtbar. Der Vorfall gilt als die erste überlieferte Stigmatisation.

Gemälde: Gentile da Fabriano (1370-1427). Stigmatisation des Heiligen Franziskus,
Foto: The Yorck Project.

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Giotto. Franziskus predigt zu den Vögeln.

Franziskus und die Vogelpredigt.

Franziskus trifft auf eine Schar Vögel, die Getreide picken. Sie fliegen nicht weg, als er sich nähert. Er spricht mit ihnen. «Meine Brüder Vögel, lobt euren Schöpfer! Er gab euch Federn zum Anziehen und Flügel zum Fliegen. Vornehm hat euch Gott unter den Geschöpfen gemacht und in der reinen Luft hat er euch eure Behausung gegeben. Und obwohl ihr weder säet noch erntet, schützt und leitet er euch doch.» Franz vertritt die Ansicht, dass auch Tiere und Pflanzen eine Seele besitzen. Die Vogelpredigt ist die berühmteste Legende des Heiligen Franziskus. Er gilt auch als der Erfinder der Weihnachtskrippe – samt Ochs und Esel.

 

klara

Giotto. Die heilige Klara trauert um Franziskus.

Tod und Heiligsprechung.

Im Herbst 1226 lädt der Bischof von Assisi den Todkranken in sein Haus ein. Aber Franz will nicht dort sterben. Er lässt sich zur Portiunculakirche tragen, wo die franziskanische Bewegung begann. Er stirbt am am 3. Oktober 1226. Allerdings wird er nicht in der Santa Maria degli Angeli in Portiuncula bestattet, wie es sein Wunsch gewesen wäre. Seine Gebeine liegen seit 1230 in einem Steinsarg in der Grabkammer der Unterkirche der Basilika San Francesco in Assisi.

 

Zwei Jahre nach seinem Tod, 1228, wird er von Papst Gregor IX heiliggesprochen.

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Fotos / Diashow

   

 

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