Museo Nazionale Bargello, Firenze.


Der Bargello gilt als das bedeutendste Museum der Welt für Renaissance-Skulpturen. Er ist in einem sehr alten Gebäude der Stadt untergebracht – erbaut vor rund 800 Jahren! Den Titel Nationalmuseum bekam der Bargello erst 1859, als man die mit Kunstschätzen überquellenden Uffizien entlasten wollte und hier neuen Raum fand. Für Skulpturen und Kleinkunst.

 

Der Bau hat den Charakter einer Trutzburg. Im 13. Jahrhundert nutzte man ihn als Regierungsgebäude. Dort tagte der Rat. Später zog der Podestà ein, der Bürgermeister. So richtig düster wurde es dann ab 1500, als sich die Justiz hier niederliess. Und raue Sitten pflegte: Jene Richter, die Verbrecher zum Tod durch das Rad (!) verurteilten, taten hier ihren Dienst. Diese Richter hatten eine Sonderstellung und sind heute noch durch ihre Wappen im Innenhof des Gebäudes verewigt. Ab 1574 wurde das Haus zum Gefängnis und zum Sitz des Polizeichefs, des Bargello. Dieser Name ist dem Gebäude bis heute geblieben.

 

Im Gegensatz zu den Uffizien, die jeden Tag von tausenden von Besuchern gestürmt werden, geht es hier ruhig zu. Man hat Zeit und Musse, sich die Werke in aller Ruhe anzuschauen.

 

Im Erdgeschoss erwartet einen gleich das Tophighlight: Michelangelos Bacchus. Über zwei Meter hoch, Marmor, ein wahres Kunstwerk. Von Michelangelo sind noch weitere Werke zu sehen, eine Madonna mit Kind, ein (unfertiger) David-Apollo und seine berühmte Büste von Brutus.

 

Im Saal des Donatello dann der Heilige Georg als Drachentöter. Und Donatellos Meisterwerk, der Bronze-David mit Schwert und Trophäe: der Kopf des Goliath. Dazu prachtvolle Skulpturen von Verrocchio und Giambologna. Und im Obergeschoss eine Rarität erster Güte: Die beiden Panels, die 1401 als Eingabe beim Wettbewerb um den Auftrag für die Bronzetüre des Baptisteriums dienten: Von keinen Geringeren als Brunelleschi und Ghiberti!

 

 

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Museo Nazionale del Bargello, Firenze.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Donatello: Der erste nackte David.

Donato di Niccolò di Betto Bardi (1386-1466) hiess er mit ganzem Namen. Seine wichtigsten Kunden waren die Medici. Diese prächtige Bronze-Statue von 1440 stand lange im Medici-Palast. Donatello war ein mutiger Künstler: Er war der erste, der sich nach dem Zeitalter der Antike an die Ausführung einer freistehende Aktfigur wagte. Und dabei erst noch David auswählte. Er zeigt ihn mit Schwert und dem abgeschlagenen Kopf des >Goliath.

 

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Verrocchio: Der zierlichste aller Davide.

Sieht aus wie ein Mädchen. Aber auch diese zarte Figur posiert stolz mit dem abgetrennten Kopf des Goliath. Andrea del Verrocchio (1436-1488) schuf dieses Werk 25 Jahre nach Donatellos David. Beide Künstler stellen ihren David fein und zierlich dar – ein Hirtenjunge eben – und erst Michelangelo machte 1501-04 einen Mann aus ihm.
>Michelangelos David in der Accademia

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Cellini: Die Büste Cosimo I de Medici.

Benvenuto Cellini (1500-1571). «Ritratto di Cosimo I» heisst dieses Werk und zeigt den stolzen ersten Grossherzog der Toscana. Die Beschriftung ist aber nicht ganz richtig. Als die Büste entstand (1545), war Cosimo (1519-1574) noch nicht Grossherzog – diesen Titel erhielt er erst 1569.

>mehr über die Medici

giambologna

 

Giambologna: Architektur und Akt?

Ob es 1570 schon weibliche Architekten gab? Der Titel «L'Architettura», den Giambologna (1529-1608) seinem Werk gab, bezieht sich sicher nicht auf eine bestimmte Person. Er gab ihr zwar auf diesen Beruf hin deutende Utensilien in die Hand, aber die Figur steht wohl eher symbolisch für den ganzen Stand der Architekten.

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Michelangelo: Der trunkene Bacchus.

Ein Frühwerk des berühmtesten Bildhauers der Welt. Er schuf es 1497 im Alter von 22 Jahren – in Rom. Auftraggeber war der Banker und Kunstsammler Jacopo Galli. Dieser stellte die Statue inmitten von antiken Werken in seinem Garten auf. Von diesen hebt sich Michelangelos Bacchus deutlich ab: Einzig seine Figur steht schwankend da – die Antike kannte diese Form des lockeren Stehens noch nicht.

 

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Brunelleschi.

 

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Ghiberti.

Der Wettbewerb: Brunelleschi oder Ghiberti?

1401. Es ging um den Auftrag für eine Bronzetür des Baptisteriums. Das Thema war von der Jury vorgegeben: «Die Opferung Isaaks». Sieben Bildhauer bewarben sich um den Auftrag, darunter der Baumeister des Doms, Filippo Brunelleschi, und Lorenzo Ghiberti. Beide unterbreiteten der Jury je ein Panel mit goldenem Bronzerelief. Die 34-köpfige (!) Jury entschied sich einstimmig für Ghiberti. Und bis heute rätseln die Kunsthistoriker, warum das so eindeutig ausfiel. Eine mögliche Antwort: Ghiberti setzte sein Relief nicht aus Einzelteilen zusammen, sondern machte es aus einem Guss. Damit konnte an teurer Bronze eingespart werden. 8% weniger Material, versprach Ghiberti. Die ganze Tür, die aus zehn Panels besteht, ist heute im >Dom-Museum in Florenz zu sehen.

 

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