Haus der Kunst, München.


Dieses Museum ist einzigartig. Es verfügt zwar über keine eigene Sammlung, dafür über eine Geschichte, die unter die Haut geht. Es war einst das Kunsthaus des Adolf Hitler. «Der Führer» bestimmte den Platz im Englischen Garten, er entschied über den monumentalen typischen «Nazi»-Baustil, er wählte die Exponate für die Ausstellungen und kaufte Neuanschaffungen nach seinem Gusto ein. Er schuf dieses «Haus der Deutschen Kunst» als Vorzeigeprojekt der NS-Propaganda – und gleichzeitig sollte es ihn als den kompetenten Kunstkenner und Kunstfreund ausweisen.

 

 

 

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«Haus der Deutschen Kunst», 1937.
Foto ©Münchner Staatsarchiv.

 

 

 

Heute heisst das geschichtsträchtige «Haus der Deutschen Kunst» nur noch «Haus der Kunst». Und weil es keine eigene Sammlung mehr beheimatet, organisiert man jährlich bis zu acht Mal wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer und moderner Künstler, deutsche und internationale.

 

Das Haus gehört dem Freistaat Bayern und wird von der «Stiftung Haus der Kunst» betrieben. Hier bestehen jetzt gerade Pläne für einen umfassenden Umbau. Das Haus soll renoviert und vergrössert werden. Die Planung hat man dem in Museumsbauten erfahrenen Architekturbüro David Chipperfield übertragen (der auch den Neubau des Zürcher Kunsthauses betreut). Im Münchner Haus der Kunst soll neu der Westflügel integriert werden, wodurch sich die Ausstellungsfläche um etwa 8'000 m2 vergrössern wird. Der Baubeginn ist auf 2020 geplant.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Haus der
Deutschen Kunst
1937.

1933: Das Kunsthaus des Adolf Hitler.

Als die Nazis 1933 die Macht übernahmen, verfügte Hitler den Bau des «Hauses der Deutschen Kunst» – als Vorzeigeprojekt der NS-Propaganda. Als Platz bestimmte er den Südrand des Englischen Gartens. Sein Architekt Paul Ludwig Troost plante den neoklassizistischen Kunsttempel aus Kalkstein mit Stahlskelett – modernste Technik. Finanziert wurde das Ganze durch Spenden von Spitzen der Wirtschaft und Industrie.

 

Hitler bestimmte die Auswahl der Exponate für die (ab 1937) jährlich durchgeführte «Grosse Deutsche Kunstausstellung». Diese war als Verkaufsschau konzipiert, und Hitler kaufte jedes Jahr mehrere hundert Werke – für «sein» Kunsthaus.

 

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Max Beckmann,
einer der
«Entarteten».
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1937: Ausstellung «Entartete Kunst».

Diese Diffamierungsschau fand parallel zur ersten «Grossen Deutschen Kunstausstellung» 1937 statt. Allerdings nicht im Haus der Kunst, sondern im nahegelegenen Hofgarten.

 

Die Ausstellung in München soll von zwei Millionen Menschen besucht worden sein. Werke von diffamierten Künstlern wie Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner oder Oskar Schlemmer wurden aus den Sammlungen von ganz Deutschland entfernt, ins Ausland verkauft und teilweise sogar verbrannt.

 

>mehr über «entartete Kunst»

 

 

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US-Militär im
Haus der Kunst. Foto Münchner
Staatsarchiv.

 

1945: US-Offiziersclub mit Tanzsaal.

München war nach dem Krieg schwer zerstört, aber das «Haus der Deutschen Kunst» nahezu intakt. Also funktionierten es die siegreichen Amerikaner in einen Offiziersclub um, mit Restaurant, Tanzsaal und Shops. In der grossen Ausstellungshalle wurde sogar in Öl gemalt: Eine Markierung für ein Basketballfeld...


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Albrecht Altdorfer (1480-1538). Die Alexanderschlacht von 1529.

1946: Erste Kunstschau nach dem Krieg.

Im Westflügel war noch Platz für Kunst. So gab man im Januar 1946 eine Ausstellung, in der Werke aus den zerstörten Pinakotheken zu sehen waren, unter anderen Altdorfers Alexanderschlacht und Dürers Apostel.

 

Gleichzeitig zu dieser Ausstellung gab man dem «Haus der Deutschen Kunst» einen neuen Namen: Nur noch «Haus der Kunst». Und schon 1949 holte man die «Entarteten» wieder zurück. In eine Ausstellung des «Blauen Reiters» mit Werken von Wassily Kandinsky, Franz Marc, Paul Klee.

 

>mehr über den blauen Reiter

 

 

Ausstellung Jörg Immendorff (1945-2007)

«Für alle Lieben in der Welt», 14.9.2018 bis 27.1.2019

 

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Jörg Immendorff, 2005. Foto@ Albrecht Fuchs.

 

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Joseph Beuys
mit Immendorff «Komm Jörch wir gehen», 2005. Kunstmuseum Wolfsburg.

 

Jörg Immendorff (1945-2007).

Maler, Bildhauer, Aktionskünstler. Er studierte in den 60er-Jahren an der Kunstakademie Düsseldorf Bühnenbild. Ab 1964 war er Schüler der Kunstschule Düsseldorf bei Joseph Beuys. 1968 gründete er das neo-dadaistische Aktionsprojekt «LIDL», ein Nonsens-Wort aus der Kindersprache.

 

Eines seiner Ziele: Er wollte, dass sich die Kunst an der Revolte der 68er-Bewegung beteiligte. Mit seinen Arbeiten protestierte er auch gegen das antidemokratische System der DDR und gegen den Vietnamkrieg.

 

Auf der anderen Seite befasste er sich aber auch mit lebensfrohen Themen wie Musik und Bühne, wovon viele seiner Werke erzählen.

 

Ab 1997 litt er an ALS, einer tödlichen Nerven-Krankheit. In seinen letzten Monaten konnte er seine Arme und Beine nicht mehr bewegen, er starb mit nur 61 Jahren am 28. Mai 2007.

 

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1973: Demo gegen den Vietnamkrieg.

In diesem Gemälde thematisierte er den Aufstand gegen den Vietnamkrieg anhand eines Beispiels: Die Klasse der Kunstakademie Düsseldorf ging mit einer Parole «Alles für den Sieg des kämpfenden vietnamesischen Volkes» auf die Strasse.

schwarzes-schaf

Wer reitet so spät...
Schwarzes Schaf,
1999-2000.

1999: Wer reitet zu spät...

Dieses Werk entstand unter dem Eindruck seiner tödlichen Krankheit. In Abwandlung von Goethes «Erlkönig», in der ein Vater mit seinem vom Tode bedrohten Sohn durch die Nacht reitet. Weitere Bildzitate stammen von Caspar David Friedrich (die knorrigen Baumstämme aus «Hünengrab»), die nackte Kugelläuferin von Hans Baldung. Der Turm links im Bild zitiert sein eigenes Werk: einen Entwurf für eine Skulptur, den er 1999 für eine Berliner Ausstellung angefertigt hatte.

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Fotos / Diashow Haus der Kunst und
Jörg Immendorff.

 

   
   

 

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