Villa und Galleria Borghese, Rom.


Die Villa Borghese war einst die Sommerresidenz des Fürstengeschlechts der Borghese. Diese stammten ursprünglich aus Siena. Marcantonio Borghese war es, der sich 1547 als Jurist der päpstlichen Kurie in Rom niederliess. Er war der Vater des späteren Papstes Paul V (Camillo Borghese, Papst von 1605 bis 1621).

 

Die Kunstsammlung, die heute im «Casino» zu sehen ist, geht auf Kardinal Scipione Borghese zurück. Dieser sammelte mit Leidenschaft antike Skulpturen. Später kamen Gemälde dazu, die die Borghese in ihrem Stadtpalast gehängt hatten, und 1682 weitere Werke aus den Erbschaften Aldobrandini und Lucrezia d'Este.

 

 

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Villa Borghese.

 

 

Zwischen 1770 und 1800 baute Marcantonio IV Borghese die Villa komplett um. Sie erhielt die heute noch sichtbaren barocken Deckengemälde, mehrheitlich gemalt von einheimischen Künstlern.

 

Dann kam Napoleon ins Spiel, der auf seinem Italien-Feldzug grosse Territorien eroberte. 1798, nach Abschluss des Friedensvertrages von Tolentino, mussten einige der besten Werke aus der Villa Borghese nach Paris geschickt werden. Als Napoleon dann seine Schwester Pauline mit dem Herzog Camillo Borghese verheiratete, waren weitere Kostbarkeiten fällig – je nach Quelle 334 oder über 500. Sie verliessen das Haus Borghese in Richtung Louvre.

 

Die Sammlung ist aber immer noch gewaltig. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erlitt die einst steinreiche Familie Borghese Bankrott und musste die Villa an die Stadt Rom verkaufen. Diese übernahm 1905 auch den Park und die Kunstschätze. Heute stehen sie auch dem gewöhnlichen Volk offen – als eine der ganz grossen Kunstattraktionen Roms.

 

 

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Saal IV, «Galerie der Kaiser».

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Pauline Bonaparte- Borghese als Venus, 1805-08.

Antonio Canova (1757-1822).

Pauline Bonaparte Borghese als Venus.

Sie ist eine Schwester von Napoleon und die Gattin von Camillo Borghese. Der italienische Bildhauer hatte einen guten Draht zu Napoleon. 1806 erschuf er für den Kaiser eine Statue, in der er ihn als Mars darstellte. Die Statue landete schliesslich bei Napoleon-Bezwinger Wellington. >mehr

 

Pikant: Nach dem Fall des Kaisers (1815) war Canova als Verantwortlicher der Kunstschätze des Staates für die Rückführung der von Napoleon geraubten Kunstwerke verantwortlich.

 

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Pluto und Proserpina,
1621-22.

 

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Gianlorenzo Bernini (1598-1680). Proserpina.

«Der Raub der Proserpina» heisst diese Marmor-Skulptur. Sie zeigt, wie Pluto, der Herrscher der römischen Unterwelt, Proserpina entführt, die sich verzweifelt wehrt. In der Unterwelt macht er sie dann zu seiner Gattin. Proserpinas Mutter tut alles, um sie von da wieder rauszuholen. Sie bittet Jupiter – die höchste Gottheit der Römer – um Beistand. Dieser regelt das salomonisch: Fortan muss Proserpina nur noch die Hälfte des Jahres bei ihrem Gatten in der Unterwelt verbringen.

 

Die Skulptur aus weissem Carrara-Marmor ist eine bildhauerische Sensation. Bernini gelingt es, den Marmor förmlich zu Fleisch werden zu lassen. Das Detailbild zeigt, wie sich die Hand des Pluto in den Schenkel der Proserpina gräbt. Als wäre dieser nicht aus Stein. Bildhauerkunst in Vollendung.

 

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bacchus

Caravaggio (1571-1610). Bacchus malato.

In diesem Gemälde von 1592-95 stellt sich der Künstler selbst dar – als kranken Bacchus. Die blutleeren Lippen und die grünliche Hautfarbe zeigen die Krankheit sehr naturalistisch. Es ist zu einer Zeit enstanden, als er seine legendäre «chiaro-scuro»-Maltechnik (hell-dunkel, mit starken Schatten) noch nicht konsequent anwandte.

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Caravaggio (1571-1610): Johannes der Täufer.

Hier ein Beispiel seiner neuen Maltechnik, die er ab 1600 anwandte, und die ihn weltberühmt machte: Das «chiaro-scuro» mit extremen Schatten. Viele Künstler haben sich von diesem neuen Stil beeinflussen lassen.

 

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bronzino

Bronzino (1503-1572). San Giovanni Battista.

Schon 50 Jahre zuvor war man auf der Suche nach «Neuem». Bronzino, Hofmaler bei den Medici in Florenz, kam auf die Idee, seine Figuren nicht in üblichen Haltungen abzubilden, sondern in dramatisch verrenkten Posen, wie hier im Beispiel von Johannes dem Täufer aus dem Jahr 1562.

 

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Raffael (1483-1520). La disposizione, 1507.

Die Grablegung Christi. Ein Altargemälde, bestimmt für die Kirche San Francesco al Prato in Perugia. Hundert Jahre später wurde es dort heimlich abgehängt und dem Papst Paul V «geschenkt». Dieser gab es weiter: in die Kunstsammlung seines Neffen. So gelangte das Werk zu den Borghese.

 

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Tizian (1490-1576). Amor Sacro e Profano.

«Himmlische und irdische Liebe», 1514. Dieser Titel erhielt das Bild erst 180 Jahre nach seiner Entstehung. Ursprünglich hiess es einfach «Zwei Frauen am Brunnen». Mit dem neuen Titel suchte man nach einer Möglichkeit, die Nacktheit der einen Frau zu deuten: indem man sie zur Venus erklärte.

 

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Fotos Galleria Borghese

 

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