Sixtinische Kapelle, Vatikan.


Nein, die Sixtinische Kapelle ist kein Anhängsel des Petersdoms, wie das heute dem touristischen Besucher erscheinen mag. Sie ist wesentlich älter und gehört zum Papstpalast, mit dessen Bau schon 1450 begonnen wurde, noch unter Papst Nikolaus V. Die päpstliche Hauskapelle kam 1483 dazu, immer noch lange vor der Planung des >Petersdoms.

 

Namensgeber und Gründer ist Papst Sixtus IV. Er kann seine Kapelle zwar im August 1483 noch einweihen, stirbt aber schon ein Jahr danach. Was bedeutet: Der Gründerpapst darf die Entstehung der Wandgemälde von Botticelli, Perugino & Co gerade noch miterleben. Aber die Deckenfresken des Michelangelo, für die die Kapelle heute weltberühmt ist, sieht er nie.

 

 

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20 Meter über dem Boden: Die Deckenfresken
des Michelangelo. An der Stirnseite, der Altar-

wand, das Jüngste Gericht.

 

 

 

Bis heute wird in der Sixtinischen Kapelle das Konklave abgehalten (die Versammlung der Kardinäle bei der Papstwahl). Über die Scala Regia ist die Kapelle mit dem Petersdom verbunden. Diese ist für Touristen aber nicht zugänglich. Die Kapelle erreicht man durch den langgezogenen Kartensaal der vatikanischen Museen.

 

 

>Sixtinische Kapelle Überblick

 

>Deckenfresken des Michelangelo (PDF)

 

>Die Westwand (Altar): Jüngstes Gericht (PDF)

 

>Die Nordwand (PDF)

 

>Die Südwand (PDF)

 

>Die Ostwand (PDF)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Papst Sixtus IV. Gemälde von Justus van Gent und Berruguete. Musée du Louvre, Paris.

 

Papst Sixtus IV della Rovere (1471-1484).

Er studiert zwar Theologie und macht an der Uni in Padua auch den Doktor. Aber er hat mehr im Sinn als den Dienst an der Kirche. Vor alllem sucht er die Macht. Kaum als Papst gewählt, bricht er sein Wahlversprechen, den Nepotismus zu bekämpfen, und macht zwei seiner Neffen zu Kardinälen.

 

Er unterstützt und fördert die brutale «heilige Inquisition» und ist ein feuriger Verfechter der Lehre von der «unbefleckten Empfängnis Mariens».

 

Text aus dem «Römischen Tagebuch» des Kirchenkritikers Stefano Infessura (1440-1499): «...keine Liebe zu seinem Volk, nur Wollust, Geiz, Prunksucht, Eitelkeit. Aus Geldgier alle Ämter verkauft, mit Korn gewuchert, durch seine Kriege zahllose Menschen grausam umgebracht». Ein anderer Zeitgenosse, Vespasiano da Bisticci, schreibt: «Es hätte diese Wahl beinahe zum Niedergang der Kirche des Herrn geführt».

 

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Sixtinische Kapelle von der Kuppel des Petersdoms aus.

1475-1483: Die Sixtinische Kapelle.

Sie wird im Auftrag von Papst Sixtus IV in den Jahren 1475 bis 1483 erbaut. Beeindruckend vor allem ihre Grösse: 40 x 13 m im Grundriss und über 20 Meter (!) hoch. Sie soll in den Proportionen dem (heute nicht mehr vorhandenen) Salomonischen Tempel von Jerusalem entsprechen. >mehr

 

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Perugino: Christus übergibt den Schlüssel an Petrus.

 

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Botticelli: Aus dem Leben Moses.

 

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Hendrick
van den Broeck: Auferstehung Christi.

 

 

1481-82: Die Wandgemälde.

Bei der Ausschmückung der Kapelle bietet man Künstler mit wohlklingenden Namen auf: Botticelli, Perugino, Ghirlandaio, Rosselli, Signorelli und weitere. Auf jeder der Längsseiten sind sechs grossformatige Bilder angebracht.

 

Die Nordwand erzählt Geschichten aus dem Leben Jesu: Die Taufe, die Versuchung, die Apostel, die Bergpredigt, die Schlüsselübergabe und das letzte Abendmahl. >mehr

 

Die Südwand berichtet aus dem Leben Mose: seine Wanderung, Durchzug durch das Rote Meer, die Gesetzestafeln, die Bestrafung von Korach, das Testament und der Tod Mose. >mehr

 

Zwei Fresken an der Ostwand. Die Auferstehung Christi wurde ursprünglich von Ghirlandaio gemalt, sie wurde aber 1522 zerstört und ca. 1580 von Hendrick van den Broeck neu gemalt. Das zweite Bild stammt von Perez d'Aleccio (Der Streit um den Leichnam von Mose). Ursprünglich von Signorelli, zerstört 1522 und von d'Aleccio um 1580 erneuert. >mehr

 

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Das alte Testament. Michelangelo (1475-1564).

 

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Adam und Gott.

 

1508-12: Das Deckenfresko des Michelangelo.

Das berühmteste Werk der Sixtinischen Kapelle sind Michelangelos Deckenfresken. Sie entstehen erst zwanzig Jahre später und zeigen in dramatischen Bildern die Genesis. Der Künstler arbeitet vier Jahre lang daran. Auf dem zentralen Grat stellt er das Alte Testament dar. >mehr

 

Den Auftrag zu diesem Werk erhält Michelangelo von Papst >Julius II della Rovere (auch Auftraggeber für den Petersom). Michelangelos grossartiges Deckenfresko darf der Papst noch erleben: Er stirbt 1513, also ein Jahr nach der Fertigstellung.

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Das jüngste Gericht. Michelangelo (1475-1564).

 

 

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Detail aus dem
Jüngsten Gericht.

1536-41: Das Jüngste Gericht.

Weitere zwanzig Jahre später erhält Michelangelo – inzwischen ist er schon über 60 – den Auftrag von Papst >Clemens VII de Medici zur Ausführung der Altarwand (Westwand). Zwar gibt es auf dieser Wand schon Bilder von Perugino, aber diese werden jetzt von Michelangelo mit einem gewaltigen Fresko von 13x12 Metern übermalt: «Das jüngste Gericht». >mehr

 

Die vielen nackten Figuren sorgen für Ärger. Noch vor dem Tod Michelangelos 1564 gibt es einen Erlass zur Übermalung der unsittlichen Stellen. Der Auftrag dazu geht an Daniele da Volterra. Ein ganz Eifriger, denn er übermalt nicht nur, sondern zerstört die betreffenden Stellen und legt frischen Putz drauf. Vor allem bei den Heiligen. Als dann im 20. Jahrhundert das Werk restauriert wird – gesponsort von einem japanischen Konzern – kann man nur noch den Urzustand der wenigen «Nicht-Heiligen» wieder herstellen.

 

>mehr über Michelangelo

 

 

 

>Museen Rom im Überblick

 

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