Museum Albertina, Wien.


«...birgt eine der weltweit grössten Grafiksammlungen und Drucke» sagt mein Reiseführer. Aber wer will sich schon eine Million Grafiken anschauen. Kein Wunder, steckte das Museum noch im Jahr 2000 tief in der Krise.

 

Um das Publikum anzulocken, brauchte man ein neues Konzept. Im Klartext: Grosse Namen. Picasso, Monet, Modigliani und so. Zunächst baute man um, erweiterte die Ausstellungsfläche. Und dann gelang 2007 der grosse Coup: Man holte die Kunstsammlung des Liechtensteiners Herbert Batliner an Bord. Dieser hatte mit seiner Frau Rita eine unvorstellbar wertvolle Kollektion an klassischen Modernen aufgebaut. Und da waren sie nun, die Picasso und Matisse, die Cézanne und Monet, die Munch, Kirchner, Malewitsch.

 

 

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500 Werke aus der Sammlung Batliner.

 

 

Dass man diese wunderbar mit den erlesenen Zeichnungen von Rubens und Michelangelo ergänzen kann, versteht sich. Da trifft man nun auf echte künstlerische Leckerbissen. Wie den Feldhasen von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1502, wahrscheinlich sein berühmtestes Bild überhaupt. Oder auf wunderschöne Zeichnungen von Leonardo, Brueghel, Bosch. Grossartig integriert in die alten Räume. Echt beeindruckend. Die Mischung macht die Albertina zum Hit. Und nun sind da noch die Klimt, Schiele, Kokoschka dazu gekommen, und erst noch eine eindrückliche Sammlung von Kontemporänen.

 

Ja, jetzt ist die Albertina in Form gekommen. In Topform. Eines der stärksten modernen Museen weltweit. Und die Leute strömen. So um die 800‘000 pro Jahr. (Zum Vergleich: Kunsthaus Zürich, 300‘000). Die Qualität der Gemälde begeistert, Präsentation und Information sind perfekt.

 

Und wer Lust hat, kann in diesem Palast auch noch
die alten Zeiten erkunden, in den Prunksälen des Palais von Erzherzog Albrecht schwelgen, der hoch zu Ross vor der Albertina thront.

 

 

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PS: Leicht verwirrlich. Das Denkmal zeigt

nicht den Kunstsammler Albert, sondern den Feldmarschall Erzherzog Albrecht von Österreich
(1817-1895). Im Hintergrund «sein» Palais.

 

 

 

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Die «neue» Albertina enthält seit 2007 auch
die Sammlung Batliner.

 

 

 

 

 

Titelbild:

Albrecht Dürer (1471-1528).
Zwei Engelsköpfe, 1506.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Herzog Albert von Sachsen-Teschen

Herzog Albert (1738-1822), der Sammler.

Zuerst ist er Statthalter von Ungarn in Bratislava (damals Pressburg), dann wird er Gouverneur der österreichischen Niederlande in Brüssel. Er heiratet 1766 Erzherzogin Maria Christina, eine Tochter von >Maria Theresia. In Brüssel beginnt er mit dem Aufbau seiner Kunstsammlung. Beim Umzug nach Wien geht ein Drittel seiner Sammlung verloren, weil eines der drei Transportschiffe im Sturm auf dem Ärmelkanal sinkt.

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Maria Christina

Maria Christina – Tochter von Maria Theresia.

Die Lieblingstochter der Maria Theresia ist die einzige, die eine «Liebesheirat» eingehen darf. Alle anderen werden politisch verheiratet. >mehr

Maria Christina ist die treibende Kraft beim Aufbau der Kunstsammlung ihres Gatten. Sie ist nicht nur kunstsinnig, sondern verfügt – als Erzherzogin – über den notwendigen finanziellen Hintergrund. Sie selbst soll auch eine talentierte Zeichnerin gewesen sein.

 

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Herbert Batliner als Ehrensenator der Universität Innsbruck, 1987. Gemälde von Max Weiler (1910-2001).

Wer ist der Sammler Herbert Batliner?

Er kommt 1928 in Vaduz zur Welt und wächst dort auf, macht die Matura in Schwyz. Er studiert in Bern, Innsbruck und Lyon, arbeitet als Rechtsanwalt. In Liechtenstein ist er Kommerzienrat. Er gilt als der «Erfinder» der Familienstiftungen, mit denen man die Steuern «optimieren» kann. Er betreut Grössen wie Agnelli, Rich und den König von Saudi-Arabien. 2002 wird sein Vermögen auf rund 200 Mio Franken geschätzt. Der Sixtinischen Kapelle im Vatikan stiftet er 2002 die Orgel und darf sich seither Kammerherr Seiner Heiligkeit nennen (Quelle: Wikipedia). In den 1960er-Jahren beginnt er, Kunst zu sammeln. Vor allem Klassische Moderne. Die Sammlung umfasst rund 500 Werke und wird seit 2007 in der Albertina als Dauerausstellung gezeigt.

 

Aus der Sammlung Batliner

modigliani

Amedeo Modigliani (1894-1920).

Wer einen echten Modigliani besitzt, spielt in der Ersten Liga. Viele grosse und renommierte Museen können keine dieser begehrten Modigliani-Nackedeien zeigen – die Albertina aber schon. Modigliani hat diese rothaarige Frau mehrfach gemalt. Wer Modell stand, ist unbekannt. Das Bild heisst «Weiblicher Halbakt», 1918.

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Henri de Toulouse-Lautrec (1864-1901).

«Der Schimmel Gazelle». Von Toulouse-Lautrec erwartet man eigentlich eher ein Plakat aus Montmartre. Allerdings malte er in seiner Frühzeit oft Pferde und Hunde. Das Bild entstand 1881 auf Schloss Le Bosc bei Albi, wo der damals 17-jährige Künstler seine Ferien verbrachte.

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Joan Mirò (1893-1983).

Metamorphose, Verwandlung, 1936. Man soll gar nicht erst versuchen, ein Mirò-Bild zu deuten oder zu erklären. Aus der Sicht eines Sammlers sollte man hingegen einen oder zwei Mirò in der Kollektion haben. Das muss auch Herbert Batliner ähnlich gesehen haben.

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Marc Chagall (1887-1985).

Mutterschaft, 1914. Geboren ist Chagall in Witebsk (heute Weissrussland). Als er dieses Bild malte, arbeitete er bereits in Paris, musste dann aber wegen des Krieges wieder zurück nach Russland. Dort gründete er 1918 seine eigene moderne Kunstschule. >mehr über Chagall

picasso

Pablo Picasso (1881-1973).

Frau mit grünem Hut, 1947. Mit Picasso zieht man das Kunstpublikum an. Die Batliner-Sammlung verfügt über mehrere Werke des berühmtesten Künstlers der Welt. Ist die Frau mit grünem Hut Françoise Gilot? Möglich. Mit ihr war er 1943 bis 1953 verheiratet. Vom Datum her würde es also passen. >mehr über Picassos Frauen

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Pierre-Auguste Renoir (1841-1919).

Mädchenbildnis, 1879. Elisabeth ist die Tochter von Renoirs Freund Edmond Maître, Kunstsammler. Porträts sind eine Spezialität von Renoir. Anfänglich bestritt er damit seinen Lebensunterhalt. Als er dieses malte, war er bereits ein Star unter den Porträtisten.

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Fotos/Diashow

Sammlung Batliner: Klassische Moderne

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Fotos/Diashow

Sammlung Batliner: Contemporary Art

 

Aus der Sammlung der «alten» Albertina

 

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Der Feldhase,
1502.

 

Albrecht Dürer (1471-1528).

Vermutlich Dürers berühmtestes Bild überhaupt. Es ist so kostbar, dass es in der Albertina nur alle fünf Jahre im Original gezeigt wird. Ich habe also bloss eine Kopie gesehen...

 

PS: In der «Langen Nacht der Museen» vom
1. Oktober 2016 wurde der Feldhase von 18.00 bis 01.00 Uhr für sieben Stunden gezeigt.

 

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Peter Paul Rubens (1577-1640).

Rubens' Zeichnungen gehören zu den Highlights der Albertina. Diese hier zeigt den Sohn des Künstlers, Nicolas Rubens. Sie stammt aus dem
Jahr 1619.

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Egon Schiele (1890-1918).

Auch die modernen Österreicher haben in der Albertina Einzug gefunden. Dazu gehören Egon Schiele und Gustav Klimt. Dieses Aquarell von Schiele heisst «Frauenakt mit grüner Haube» und wurde 1914 gemalt.

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Die neun Musen des Apollon.

Im ehemaligen Speisezimmer des Herzogs Albrecht stehen überlebensgrosse Skulpturen von Apollon und seinen neun Musen. In der griechischen Mythologie wird Apollon stets von neun Musen begleitet. So schön versammelt wie hier in der Albertina sieht man diese wohl nirgends.

>mehr über Apollons Musen

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Fotos/Diashow Sammlung Albertina

   
   

 

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