Warum hängt die «Goldene Adele» nicht (mehr) in Wien?

 

Alle sind sie Wiener: Der Künstler, das Modell, der Auftraggeber. Und gemalt wurde das Werk natürlich auch in Wien. Aber wer es sehen will, muss nach New York reisen. Wie konnte das bloss passieren?

 

Schuld an allem sind die Nazis. Und die Österreicher selbst. Wären sie 1938 nicht so begeistert Teil des «Drittes Reiches» geworden, würde die Goldene Adele (vielleicht) heute noch im Wiener Belvedere hängen.

 

Zumal die Besitzerin des Bildes, Adele Bloch-Bauer
(die dafür auch Modell stand), in ihrem Testament gewünscht hatte, dass das Bild nach dem Tod ihres Gatten der Österreichischen Staatsgalerie vermacht werden solle. Aber so weit kam es gar nicht, weil sich die Nazis die Bilder schon vorher unter den Nagel rissen. Sie beschlagnahmten im Rahmen ihrer Judengesetze das ganze Vermögen der Bloch-Bauer, zu denen auch die Kunstsammlung gehörte.

 

Nach Kriegsende 1945 weigerte sich die Republik Österreich über 60 Jahre lang, die Bilder an ihre rechtmässigen Besitzer zurückzugeben. Nach einem langjährigen Rechtsstreit zwischen den Erben und Österreich entschied aber 2006 ein Schiedsgericht, dass die Voraussetzungen für eine Rückführung der Gemälde erfüllt seien.

 

Die Goldene Adele musste in die USA auswandern und ist heute in Manhattan zu bestaunen, in der «Neuen Galerie» in New York, in der Werke deutscher und österreichischer Kunst des frühen 20. Jahrhunderts gezeigt werden. Neben Klimt sind auch Egon Schiele und Oskar Kokoschka vertreten, ebenso Ernst Ludwig Kirchner, Otto Dix, Wassily Kandinsky u.a. Vielleicht wäre das tatsächlich eine Reise in den Big Apple wert!

 

 

 

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Quelle: WikiCommons CCBY-SA3.0

 

Ciao Adele! Plakat in Wien aus dem Jahr 2006, nachdem die Schiedsgerichtsentscheidung

gefallen war, das Bild an die Erben

zurückzugeben.

 

 

 

 

 

 

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Adele Bloch-Bauer I

heisst das Gemälde von Gustav Klimt (1862-1918) eigentlich mit richtigem Namen, aber alle nennen es die «Goldene Adele». Gemalt hat sie Klimt 1907, und sie gehört neben >Judith I zu seinen weltweit bekanntesten Werken.

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Wer ist Adele Bloch-Bauer (1881-1925)?

Die Tochter eines Wiener Bankiers namens Bauer. Adele heiratet im zarten Alter von 18 den 35-jährigen jüdischen Zucker-Fabrikanten Ferdinand Bloch. Das Paar Bloch-Bauer gehört zur Wiener HighSociety, was automatisch Kontakte zu berühmten Künstlern mit sich bringt. Gustav Klimt ist einer davon.

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Wer erteilt Klimt den Auftrag?

Ferdinand Bloch (1864-1945), ein Gönner und Freund von Klimt. Er beauftragt ihn 1903, von seiner Frau ein Porträt anzufertigen. Klimt erstellt zuerst Zeichnungen und Skizzen, bis dann vier Jahre später, 1907, sein goldenes Werk «Adele Bloch-Bauer I» steht. Ausser den Hautflächen und den Haaren ist alles mit Gold ausgeschmückt.

Flucht vor
den Nazis in
die Schweiz

 

1938, nach dem Anschluss Österreiches an das «Dritte Reich», muss Ferdinand Bloch vor den Nazis in die Schweiz flüchten – unter Zurücklassung seines ganzen Vermögens, zu dem auch seine Kunstsammlung gehört. Alles wird von den Nazis beschlagnahmt, die «Goldene Adele» und weitere Werke kommen so schon vor Blochs Tod – und damit ohne seine Genehmigung – in den Besitz der österreichischen Galerie Belvedere.

Wie war das

mit dem Testament?

 

 

 

 

 

Adele Bloch-Bauer – das Modell – stirbt schon früh (1925) und bittet in ihrem Testament darum, ihr
Gatte möge das Gemälde nach seinem Tod der Österreichischen Staatsgalerie vermachen. Auf dieses Testament stützt sich später die Republik Österreich und sieht darin eine bindende Verfügung. Ferdinand Bloch sieht das anders: Die Bilder hätten nie Adele, sondern immer ihm gehört.

Wer waren
die Erben?

 

Ferdinand Bloch setzt vor seinem Tod (er stirbt 1945
in Zürich) in seinem Testament die Kinder seines Bruders Gustav Bloch als Erben ein.

Gesetz über

die Rückgabe

von Kunst

1998 beschliesst die Republik Österreich ein neues Bundesgesetz über die Rückgabe von (gestohlener) Kunst, steht aber auf dem Standpunkt, die «Goldene Adele» sei «sauber» in ihren Besitz gelangt. Die Erben (in erster Linie Maria Altmann, die in den USA lebt) verklagen daraufhin die Republik Österreich.

Schiedsgericht

entscheidet

Ein neutrales Schiedsgericht entscheidet den Rechtsstreit zugunsten der Erben. Es hält in seiner Entscheidung vom 15. Januar 2006 fest, dass die Voraussetzungen für eine Rückgabe an die Erben erfüllt seien.

Was geschah

mit dem Bild?

Am 14. Februar 2006 wird es nach Los Angeles überführt und dort zunächst im Los Angeles County Museum of Art gezeigt. Bereits im Juni 2006 wird die «Goldene Adele» verkauft – für 135 Mio Dollar. Käufer ist Ronald S. Lauder (Sohn von Estée-Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Präsident des Museum of Modern Art, New York). Seit 2006 ist das Bild nun in der von ihm mitbegründeten «Neuen Galerie» in New York der Öffentlichkeit zugänglich.

Der Spielfilm

 

2015 erscheint der Spielfilm «Woman in Gold» mit Helen Mirren in der Hauptrolle als Maria Altmann. Er ist spannend gemacht, weicht aber aus dramaturgischen Gründen an mehreren Stellen von den geschichtlichen Tatsachen ab. Trotzdem sehenswert.

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