Konkrete Kunst und Konstruktivismus

 

Was ist konkrete Kunst? Im Wesentlichen basiert sie auf geometrisch-mathematischen Grundlagen. Sie bildet nichts ab, was in der Natur vorkommt, sondern verarbeitet Formen, die dem Kopf entspringen, also vom Künstler konstruiert werden.

 

Konstruiert? also Konstruktivismus? Die Abgrenzung ist nicht so einfach. Es ist eher eine Frage der Definition der einzelnen Künstler. Piet Mondrian, der als bedeutendster Vertreter des Konstruktivismus gilt, malte ähnlich geometrische Bilder wie die Konkreten, nannte sie aber nicht konkret, sondern eben konstruktiv. Oder Richard Paul Lohse, der den «Zürcher Konkreten» angehört, auch er zog die Bezeichnung «konstruktive Kunst» vor.

 

Die folgende Definition fasst das Wesen der Konkreten Kunst und des Konstruktivismus ganz gut und nachvollziehbar zusammen:

 

«Die konkrete Kunst ist eine ungegenständliche Kunst in Malerei, Plastik oder Installation, die nicht die sichtbare Welt abbilden will».

 

 

 

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Richard Paul Lohse (1902-1988).
Reihenelemente, 1949-56.
Kunsthaus Zürich.

 

 

 

 

 

>Haus Konstruktiv Zürich

 

 

 

 

 

 

 

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Van Doesburg. ©Netherlands
Institute for Art, Den Haag.

 

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Theo van Doesburg, Vater der Konkreten.

Der Niederländer lebte von 1883 bis 1931. Von ihm stammt der eigentliche Begriff «Konkrete Kunst», den er 1924 einführte.

 

1929 war er Mitbegründer einer Pariser Künstlergruppe, die sich «Art concret» nannte. Die Gruppe folgte seinen Ideen einer rein geometrischen und – wie er es nannte – «vergeistigten Kunst». Die Gruppe gründete auch eine Zeitschrift mit dem Titel «Art concret», sie kam allerdings nur einmal heraus. Und auch die Künstlergruppe hatte nicht lange Bestand.

 

Ihr folgte eine Vereinigung, die sich «Abstraction-Création» nannte und etwas weiter gefasst war, also nicht in geometrischen Formen erstarren musste. Ihr gehörten Künstler wie Jean Arp, Robert Delaunay, Frantisek Kupka, Albert Gleizes und Georges Vantongerloo an.

Bild: Theo Van Doesburg (1883-1931). Peinture pure, 1920. Centre Pompidou, Paris.

 

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Piet Mondrian
(1872-1944).
Foto 1911. ©Verlag Dumont, WikiCommons.

 

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Piet Mondrian, Vertreter des Konstruktivismus.

Sein Name taucht vor allem im Zusammenhang mit der niederländischen Gruppe von Malern, Architekten und Designern auf, die 1917 unter dem Namen «De Stijl» gegründet wurde. Gründungsmitglieder waren Theo van Doesburg, Piet Mondrian und Georges Vantongerloo.

 

Piet Mondrian ist heute vor allem für seine konstruktive Kunst mit den geometrischen Mustern bekannt und hängt mit solchen Werken in allen wichtigen Museen der Welt. Dabei vergisst man fast, dass er auch impressionistische und kubistische Werke hinterlassen hat und eine zeitlang den >Fauvisten nahe stand.

 

1940 emigrierte Mondrian nach deutschen Bombenangriffen auf London in die USA. Er schloss sich in New York den Künstlern der abstrakten Kunst an, die sich in der 1936 gegründeten «American Abstract Artists» vereint hatten.

 

Bild: Piet Mondrian (1872-1944).
Composition en rouge, bleue et blanc II, 1937. Centre Pompidou, Paris.

 

 

Die «Zürcher Konkreten»

 

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Max Bill um 1970. Foto
©Marcel Vogt, ETH-Bibliothek Zürich.

 

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Max Bill (1908-1994).

In den 1930er-Jahren bildete sich die Gruppe der «Zürcher Konkreten». Sie ging von der Kunstgewerbeschule Zürich aus, die heute Zürcher Hochschule der Künste heisst.

 

Zu den «Zürcher Konkreten» zählt man:

Max Bill, Hans Coray, Camille Graeser, Johannes Itten, Leo Leuppi, Verena Loewensberg, Richard Paul Lohse, Anton Stankowski, Carlo Vivarelli und André Evard.

 

So definiert Max Bill die konkrete Kunst:

«Konkrete Malerei und Plastik ist die Gestaltung von optisch Wahrnehmbarem. Ihre Gestaltungsmittel sind die Farben, der Raum, das Llicht und die Bewegung.
Konkrete Kunst ist in ihrer letzten Konsequenz der reine Ausdruck von harmonischem Mass und Gesetz. Sie ordnet Systeme und gibt mit künstlerischen Mitteln diesen Ordnungen das Leben».

 

Bild: Max Bill (1908-1994). Kugelschale mit drei gleichen Ausschnitten, 1955-90. Albertina-Batliner, Wien.

 

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Richard Paul Lohse, 1982.
Foto ©Hans-Peter Siffert, Zürich.

 

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Richard Paul Lohse (1902-1988).

Er gründete 1937 zusammen mit Leo Leuppi eine avantgardistische Vereinigung moderner Schweizer Künstler unter dem Namen «Allianz».

 

In den 1940er-Jahren stiess er zur Konkreten Kunst und befasste sich in seinen Bildern mit der horizontal-vertikal-Gliederung von Farbfeldern. Die Module bestehen meistens aus Quadraten und/oder rechteckigen Elementen. Sie stehen in einer bestimmten Anordnung zueinander und sind nach mathematischen Regeln erschaffen. Aber nicht immer, es gibt in seinen Bildern auch Dreiecke, wie in diesem Bild hier:

 

Richard Paul Lohse (1902-1988). Konstruktion mit Dreiecken, 1942. Kunsthaus Zürich.

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