Bronzino (1503-1572)


Meinen ersten originalen Bronzino habe ich in der National Gallery in London gesehen. Zunächst stand ich einfach vor einem Bild, das meine Aufmerksamkeit fand. Ich dachte 'oh, das muss ein Raffael sein'. War es aber nicht. Sondern von einem gewissen Agnolo di Cosimo, genannt Bronzino.

 

Bronzino nennt man ihn vermutlich, weil er rötliche Haare hatte. Das ist aber nicht sicher, und es gibt kein Selbstporträt von ihm, das seine Haarfarbe erkennen lässt. Aber dafür ist er bekannt für seine überragende Fähigkeit, Porträts von anderen zu malen. Das erkennen auch die Medici und holen ihn an den Hof.

 

Bronzino kommt in Florenz zur Welt. Er wird ein Schüler von Andrea del Sarto und von Jacopo Pontorno. Mit letzterem arbeitet er von 1522 bis 1525 an den Fresken in der Kartause von Galluzzo bei Florenz, dann in der Villa Medici di Careggi und Castello. Zwei Jahre lang ist er am Hof des Herzogs von Urbino tätig und in einer Villa in Pesara, wo er allegorische und mythologische Fresken malt.

 

1533 wird er Hofmaler bei den Medici. Herzog Cosimo I holt ihn aber nicht nur wegen seiner Malkunst an den Hof, sondern auch als Literaten – beide lieben Gedichte.

 

Bei den Medici ist er nicht nur für Porträts zuständig, sondern auch für die Herstellung von Festdekorationen. Feste und Feierlichkeiten gibt es mehr als genug. 1539 wird es eine grossartige Hochzeit: Es geht um den feierlichen Einzug der Eleonora von Toledo, die der Herzog Cosimo I zu seiner Gemahlin macht. Im Palazzo Vecchio hat Eleonora ihre eigene Kapelle. Dort malt Bronzino Szenen aus der Genesis.

 

Viele religiöse Arbeiten Bronzinos fallen in die Zeit der Gegenreformation. Während im nördlichen Europa die Protestanten Bilder aus den Kirchen schleppen und verbrennen, gilt es jetzt, den Katholiken ihren Glauben mit den schönsten Geschichten aus der Bibel schmackhaft zu machen – um sie bei der Stange zu halten. Bronzino trägt mit seinen prächtigen und erzählerischen Werken stark dazu bei.

 

Er stirbt im Alter von 69 Jahren am 23. November 1572 in seiner Heimatstadt Florenz.

 

 

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Bronzino (1503-1572). Portrait

of a young man – selfportrait?

1530. Metropolitan Museum of Art,

New York. Foto: WikiCommons.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Allegorie der Liebe, 1540-45. Gemalt im Auftrag von Herzog Cosimo I als Geschenk an König François I. National Gallery, London.

Allegorie der Liebe, 1540.

Eines der berühmtesten Werke Bronzinos. Venus hält in ihrer Linken den goldenen Apfel, den ihr Paris als Preis für ihre einzigartige Schönheit überreicht hatte. Amor – von Bronzino als Jüngling mit knackigem Hintern dargestellt – spielt mit ihrer Brustwarze und küsst sie auf den Mund. Das Bild wäre zweifellos ein Schocker gewesen, wenn es das Publikum zu sehen bekommen hätte. Immerhin ist die schöne Venus ja Amors Mutter...

 

Der Kunsthistoriker >Vasari , ein Zeitgenosse Bronzinos, sah das aber neutral und unaufgeregt: «Ein Bild von einzigartiger Schönheit. Auf ihm ist eine nackte Venus mit Amor, der sie küsst. Auf der einen Seite des Bildes das Vergnügen sowie das Spiel, auf der anderen Seite die Tücke, die Eifersucht und andere Leidenschaften der Liebe».

 

Und die Leute sahen das Gemälde eh nicht – es ging als Geschenk von Herzog Cosimo I an den französischen König Franz I.

 

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Jacopo Pontormo (1494-1557). Kreuzabnahme, 1525-28. Capponi-Kapelle in Santa Felicità, Firenze.

Pontormo und Bronzino, die jungen Wilden.

Jacopo Potorno (1494-1557) ist Bronzinos Lehrer. Beide werden als Manieristen bezeichnet. Wieso das? Das Wort «maniera» steht für «Stil». >Vasari, der Kunsthistoriker, meinte mit «maniera» eigentlich den klassischen Stil der Renaissance. Als er Werke dieser jungen «Rebellen» sah, witterte er einen Angriff auf die «maniera»... und gab ihnen diesen Namen. Zum florentinischen Manierismus zählt man Werke, die nach 1520 (also nach dem Tod Raffaels) geschaffen wurden, bis etwa 1600. Und wie definiert man heute den Manierismus? Es sind sehr eigenwillige Darstellungen des menschlichen Körpers in anatomisch verdrehten, unnatürlich dramatischen Haltungen. «Gekünstelt» könnte man dem auch sagen. Und dann in Farben, die man zuvor nicht gesehen hatte. Lichtes Blau, viele Rottöne, strahlendes Gelb. Die Manieristen waren die jungen Wilden des 16. Jahrhunderts.

 

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Cosimo I

 

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Hofmaler bei den >Medici.

Das Porträt von Cosimo I, dem Grossherzog der Toscana, ist eines von vielen, die Bronzino für die Medici-Familie erstellt hat. Es stammt aus dem Jahr 1545. Der Künstler betreibt eine eigene Werkstatt, in der auch seine Schüler Porträts für die Medici produzieren. Darunter sein späterer Adoptivsohn, Alessandro Allori. Auch er macht sich später als Meister des Manierismus einen Namen und wird danach Aufseher der grossherzoglichen Teppichweberei in Florenz.

 

Bild links: Von Alessandro Allori (1535-1607), Entwaffnung des Cupid (Eros) durch Venus. Los Angeles County Museum of Art.

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Eleonora von Toledo, die Ehefrau von Cosimo I.

Meister der Porträtmalerei.

Für den Herzog Cosimo I und die ganze Medici-Familie malt Bronzino eine Reihe von grossartigen Porträts. Aber auch von anderen Florentiner Adligen, Dichtern, Schriftstellern und Musikern. Seine Werke sind so beeindruckend, dass zahlreiche Repliken davon entstehen, gemalt von seinen Schülern, aber auch von bestandenen Malern. Zum Glück, denn etliche der Originale von Bronzino sind verschollen. Bild: Eleonora von Toledo und Sohn Giovanni de Medici. Entstanden 1544-45. Galleria degli Uffizi, Florenz.

 

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Beweinung Christi. 1540-45. Musée des Beaux-Arts de Besançon.

Religiöse Meisterwerke.

Altarbilder und Fresken malt Bronzino während seines ganzen Lebens. Die meisten entstehen in den Kirchen von Florenz. In vielen ist der spezielle florentinische Manierismus zu erkennen: Die Brillanz der Farben, dramatische Darstellungen. Auffallend ist auch die häufige Verwendung von teuren Materialien wie der intensiv blaue Lapislazuli.

 

Bronzinos Werke beeindrucken aber nicht nur durch ihre Farbbrillanz, sondern auch und vor allem durch einen starken erzählerischen Wert, der den Menschen die Bibel näher bringt.

 

 

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