Johann Heinrich Füssli
1741-1825


Er war erst 22 und evangelischer Pfarrer, als er 1763 aus Zürich fliehen musste. Was war geschehen? Er hatte an einem Pamphlet mitgewirkt, das gegen den Landvogt von Grüningen, Felix Grebel, gerichtet war. Darin griff er (zusammen mit seinem Jugendfreund Johann Kaspar Lavater) Grebel wegen dessen schweren Verfehlungen als Landvogt an. Die Anschuldigungen erwiesen sich zwar als richtig, doch wurden Lavater/Füssli wegen ihres «respektlosen Verhaltens» gemassregelt. Aus Angst vor der Verfolgung floh Füssli aus Zürich und landete schliesslich in London, wo er als Henry Fuseli ein höchst angesehener Künstler wurde.

 

Füssli wuchs in Zürich auf. Sein Vater Johann Caspar Füssli (1707-1782) war selbst Maler und unterrichtete anfangs seinen Sohn in dieser Kunst. Eigentlich wollte er aber, dass Heinrich Theologie studierte. Dieser willigte ein und lernte auch die alten Sprachen. Durch seinen Lehrer Johann Jakob Bodmer erhielt er Zugang zu den Werken von Homer, Dante, Shakespeare und Milton.

 

1761 wurde Füssli evangelischer Pfarrer in Zürich – aber nur für zwei Jahre. Nach seiner Flucht aus der Schweiz war er in London zunächst als Übersetzer für verschiedene Verlage tätig, hörte aber nie ganz auf zu malen. 1770 fuhr er nach Rom und studierte dort vor allem die Kunst der Antike sowie die Werke von Michelangelo. Neun Jahre später hatte er sich bereits einen wohlklingenden Namen geschaffen und kehrte 1779 nach London zurück. Dort wurde er 1788 in die Royal Academy aufgenommen. Insgesamt 21 Jahre lang war er in England «Professor of Painting» und von 1804 bis zu seinem Tod «Keeper» der Royal Academy, von Georg III höchstpersönlich auf diesen Posten gesetzt.

 

Bis zu seinem Tod 1825 lebte er in London. Er ist in der St. Paul's Cathedral in London beerdigt.

 

 

fuessli

Johann Heinrich Füssli nach einem
Porträt von G.Herlowe, um 1880.

Foto Mstarz/WikiCommons.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

füssliraum

 

Das Kunsthaus Zürich
hat Heinrich Füssli einen
ganzen Raum gewidmet.

die_suende

Die Sünde,
vom Tode verfolgt, 1794-96.

 

Ein biblisches Thema, auf das sich hier Füssli stützt. Es geht zurück zu den Anfängen mit Adam und Eva, «die die Sünde in die Welt gebracht haben und damit auch den Tod». Denn «der Weg der Sünde zieht unwiderruflich den Tod nach sich», sagt die Bibel...

amor_und_psyche

Amor und Psyche, 1810.

 

Aus der griechischen Mythologie (Amor heisst griechisch Eros). Worum geht es? Psyche ist eine so schöne Prinzessin, dass die Leute begonnen haben, sie anstelle von Aphrodite anzubeten. Dabei ist Aphrodite immerhin die Göttin der Liebe und der Schönheit! Also schickt Aphrodite ihren Sohn Eros zu Psyche. Er soll sie dazu bringen, sich in eine hässliche Kreatur zu verlieben. Aber es kommt anders: Amor verliebt sich selbst in Psyche. Für ein Happyend sorgt Zeus: er akzeptiert die beiden Liebenden als Paar.

Ist Füssli ein Vorläufer des Surrealismus?


Einige sehen das so. In vielen seiner Bilder kommen ziemlich surreale Kreaturen vor (siehe Gemälde unten). Und wenn man bedenkt, dass die «richtigen» Surrealen – Dalì, Miro, Tanguy, Magritte usw – erst im 20. Jahrhundert auftauchten, dann war Füssli ein ziemlich «Frühreifer». Er thematisiert in seinen Werken immer wieder Visionen des Grauens. Dabei liess er sich auch von englischen Gespenstergeschichten inspirieren.

 

eselskopf

Titania liebkost Zettel mit dem

Eselskopf, 1793-94.

 

Das Thema stammt aus einer Komödie von William Shakespeare «Ein Sommernachtstraum» und handelt von einem Ehekrach zwischen dem Feenkönig Oberon und seiner Gemahlin Titania. Zettel ist als Handwerker an einer Hochzeit in Athen tätig. Oberon will Titania einen Streich spielen. Er lässt einen Liebeszaubersaft in ihre Augen tröpfeln...

oberon

Oberon träufelt Blumensaft in die Augen der schlafenden Titania,

1793-94.

 

...und so hält die Feenkönigin den inzwischen mit einem Eselskopf versehenen Zettel für einen Liebesgott. «Ich liebte einen Esel ohne Scham!», sagt Titania nach dem Erwachen.

 

 

 

 

 

bodmer

 

Bodmer und Füssli vor

der Büste Homers, 1778-1780.

 

Besprechung des Gemäldes in

«Kunst über Mittag» im Kunsthaus Zürich,
27. September 2016.

 

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