Paul Gauguin (1848-1903)

 

Was für ein Leben! Im Zeitraffer liest sich

das so: Flucht mit der Familie aus Paris nach Peru, Seemann auf einem Handelsschiff, mit der Kriegsmarine nach Indien und Südamerika, zurück nach Paris, Bankangestellter, Börsenmakler, Luxusleben, Börsenkrach, arbeitslos, Einstieg als Maler, Geldsorgen, Bretagne, Karibik, Bauarbeiter am Panamakanal (!), bei Van Gogh in Südfrankreich, dann ins vermeintliche Südseeparadies nach Tahiti, Leben in Armut, zurück nach Paris und wieder in die Südsee. Und dann das bittere Ende auf der Insel. Mit 54 Jahren.

 

 

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Paul Gauguin, Selbstportrait 1888.

Van Gogh Museum Amsterdam.

 

 

Gaugin kommt im Jahr der Februarrevolution 1848 zur Welt (die das Ende des Bürgerkönigs >Louis Philippe bringt und >Napoleon III an die Macht bringt). Sein Vater, ein liberaler Journalist, flieht mit der Familie nach Peru. So beginnt Pauls unglaubliche Reiserei, die sein ganzes Leben prägt. Er träumt vom Paradies, sucht es in der Südsee, findet es nicht, und am Ende wird sie sein Schicksal.

 

Gauguins Geschichte ist die des erfolglosen Künstlers, der zeitlebens bös unten durch muss und nach dem Tod andere mit seiner Kunst reich macht. Niemand will seine Bilder kaufen, solange er lebt. Nicht mal jene berühmten, die er in der Südsee malt. Zu Lebzeiten speist man ihn mit Brosamen ab – 150 Francs pro Bild – kaum ist er ein toter Künstler, explodieren die Preise um das zwanzigfache. Und steigen und steigen. Heute ist ein Gauguin Millionen wert. Den (vorläufigen) Rekord erzielte das Gemälde «Nafea faa ipoipo» von 1892. Es soll 2015 für über 300 Mio Dollar nach Katar verkauft worden sein. Es gehörte dem Enkel des Kunstsammlers Rudolf Staechelin (1881-1946) und hing vor dem Verkauf als Leihgabe im Kunstmuseum Basel.

 

 

 

Eigener, unverkennbarer Malstil.


Gauguin beginnt als Impressionist, entfernt sich davon aber nach und nach. Anstelle der verwischten Formen treten nun klar abgegrenzte Figuren. Entweder durch Farbkontraste oder durch dunkle Umrandungen (die man als Cloisonismus bezeichnet). Daran kann man Gauguins Werke gut erkennen. Warum man seinen Stil auch als Post-Impressionismus bezeichnet, ist dagegen weniger klar. Mit Impressionismus hat er jedenfalls nicht mehr viel gemein.

 

 

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Paul Gauguin, 1891.

Foto von Louis-Maurice Boutet de Monvel.
Quelle: Wiki Commons.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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1882: Vom Banker zum Maler.

Der Börsencrash setzt seinem Luxusleben als Banker ein Ende. Er gibt seine Bankgeschäfte auf. Fortan will er seinen Lebensunterhalt mit der Malerei bestreiten. Aber damit isst er hartes Brot. Seine impressionistischen Landschaftsbilder werden zwar gelobt, aber verkaufen kann er sie nicht. Geldsorgen begleiten ihn ständig. Bild: «An Orchard under the Church of Bihorel», 1884. Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid.

 

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1886-88: Bretagne, Panama, Südfrankreich.

Er sucht das einfache Künstlerleben in der Bretagne, findet aber sein Glück nicht. Schreibt an seine Frau: «Ich lebe auf Kredit, die Geldsorgen lassen mich gänzlich verzagen». Er reist mittellos in die Karibik nach Panama, muss sich dort als Bauarbeiter am >Panamakanal durchschlagen. Zieht nach Arles (Südfrankreich) zu Vincent Van Gogh, der dort sein Atelier hat. Die zwei Künstler verstehen sich aber nicht, es kommt zum berühmten Zwischenfall mit >VanGoghs abgeschnittenem Ohr. Gauguin kehrt nach Paris zurück. Bild oben: «Les Lavandières à Pont-Aven (Bretagne)», 1886. Musée d'Orsay Paris. Bild links: «Porträt des Vincent van Gogh, Sonnenblumen malend», 1888. Van Gogh Museum, Amsterdam.

 

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1891: Der Traum vom Paradies auf Tahiti.

An einer Gemälde-Versteigerung bringt er genügend Geld für die Reise nach Tahiti zusammen. Sein Traum vom exotischen Paradies stirbt aber bald. Nichts da vom glücklichen Leben in der Natur, – die Missionare haben dieses längst zerstört. Er lebt in einer Hütte im Dorf Mataiea. Seine Träume von Tahitis exotischer Schönheit lässt er in seine Gemälde einfliessen. Als Modell dient ihm die 13-jährige Tehura, die seine Lebensgefährtin wird. Schon 1892 erkrankt er schwer, will nach Hause. Für die Reisekosten kommt der französische Staat auf. Bild: «When will you marry? (Nafea faa ipoipo)», 1892. Private Collection. Foto Wiki Commons. PS: Das teuerste Gauguin-Bild ever soll 2015 für über 300 Mio Dollar nach Katar gegangen sein.

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1893: Nichts als Ärger zuhause in Paris.

Gauguin versucht, einige der 66 in Tahiti gemalten Bilder zu verkaufen. Seine Künstlerkollegen applaudieren, aber das Publikum verspottet die Werke, er kann nichts verkaufen. Eine Erbschaft ermöglicht ihm, sich ein neues Atelier zu leisten. Und eine Geliebte. Die ihm aber schon bald das Atelier ausräumt und verschwindet. Gauguin ist verbittert und entschliesst sich, wieder nach Tahiti zu reisen. Bild: «Eh-quoi! Tu es jaloux? Aha Oe Feii?», 1892. Pushkin Museum. Fotoquelle: The Yorck Project.

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1895: Zweiter Aufenthalt im Südpazifik.

In der Nähe von Papeete (Tahiti) baut er sich eine traditionelle Hütte an der Küste. Nimmt erneut ein junges Mädchen bei sich auf. Bekommt eine Tochter, die aber nicht überlebt. Seine finanzielle Situation ist dramatisch, er lebt von Wasser und Reis. Bild: «Les Cochons Noirs», 1891. Musée de Luxembourg Paris, Ausstellung 2016.

 

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1897: Woher kommen wir? Wer sind wir?

Gauguins Gesundheit verschlechtert sich. Er hat eine chronische Augenentzündung und erleidet gegen Ende Jahr einen Herzanfall. Er nimmt alle Kräfte zusammen und schafft ein fast 4 Meter grosses Gemälde «D'où venons-nous? Que sommes-nous? Où allons-nous?», 1897. Mit Anleihen an verschiedene Religionen. Es soll eine Art Testament sein. Museum of Fine Arts, Boston.

 

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1900: Endlich ein bisschen Geld!

Ein Vertrag mit dem berühmten Pariser Kunsthändler Ambroise Vollard sichert ihm endlich ein bescheidenes Einkommen. Zum ersten Mal kann er vom Verkauf seiner Gemälde leben. Bild: «Nevermore», 1897. Courtauld Gallery London.

 

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Hütte in Atuona (Nachbildung). Foto Remi Jouan, Wiki Commons.

1903: Tod in Atuona, Hiva Oa.

Im Herbst 1901 zieht er auf die Marquesa-Insel Hiva Oa, baut sich dort eine Hütte, lebt mit einer 14-jährigen Frau zusammen. Ihre Tochter Tahiatikaomata kommt zur Welt. Sein ständiger Kampf gegen die katholische Kirche und die Obrigkeit bringt ihn in Schwierigkeiten. Er wird zu einer hohen Geldstrafe verdonnert, die er nicht bezahlen kann. Inzwischen ist er schwerkrank und bettlägrig, nimmt Morphin. Am 8. Mai 1903 stirbt er auf Hiva Oa. Dort ist er auch begraben.

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