Franz Gertsch (*1930)


Sein künstlerisches Schaffen ist einzigartig. Mit seinen realistischen Monumentalgemälden schlägt er einen ganz neuen Weg ein. Und noch eindrücklicher sind seine Holzschnitte. Unter Holzschnitten versteht man normalerweise flächige, schwarze Abbildungen. Aber bei Gertsch entstehen sie aus fotografischen Vorlagen, die in der Endfassung so detailreich wie Buchdrucke erscheinen. Aufgebaut auf tausenden, auf hunderttausenden von Punkten, die der Künstler in mühsamer Arbeit in die Druckplatte sticht. Punkt für Punkt, grosse, kleine, eng oder weit gesetzt, je nachdem, ob im Endprodukt helle oder dunkle Stellen zu erkennen sein sollen. Eine künstlerische und handwerkliche Arbeit ohne Vergleich. Sie hat ihm internationale Anerkennung gebracht.

 

Franz Gertsch kommt am 8. März 1930 in Mörigen im Kanton Bern zur Welt. Mit 17 beginnt er eine dreijährige Ausbildung in der Malschule bei Max von Mühlenen in Bern. Handwerkliche Studien bei Hans Schwarzenbach verschaffen ihm die Grundlage, um später in der Sparte Holzschnitt Grosses zu leisten. Gross im doppelten Sinn: Einerseits künstlerisch und anderseits was die Grösse der Werke angeht. Sie sind monumental. Mit seinen riesigen Holzschnitten geht er an die Grenze des Machbaren, sowohl was die Druckplatte betrifft als auch die Grösse der Papiere.

 

1969 realisiert er seine ersten «realistischen» Gemälde im Grossformat. 1972 zeigt er sie an der Documenta V in Kassel, 1978 an der Biennale in Venedig. Dort hat er 1999 auch seine erste Einzelpräsentation. Im Kunstmuseum Bern kann er 2005 seine Werke vorstellen, 2011 bietet ihm das Kunsthaus Zürich eine Retrospektive.

 

 

Museum Franz Gertsch in Burgdorf

 

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Museum Franz Gertsch, Burgdorf.

 

 

1998 trifft sich der Künstler mit dem Burgdorfer Industriellen Willy Michel. Dieser ist von seinen Arbeiten tief beeindruckt. Die beiden fassen den Entschluss, in Burgdorf auf dem zentral gelegenen Areal der ehemaligen Milka Käserei ein Museum für die Gertsch-Sammlung zu errichten. Die Architekten Jörg & Sturm werden mit dem Projekt beauftragt. Baubeginn ist im Sommer 2000, im Herbst 2002 kann das Museum eröffnet werden.

 

 

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Franz Gertsch und Willy Michel.

 

 

Den Grundstock der Sammlung bildet die 2001 gegründete Stiftung Willy Michel. Willy Michel bringt grossformatige Gemälde und ein Konvolut an Holzschnitten ein, Franz Gertsch steuert weitere Holzschnitte als Schenkung bei. Die Ausstellungsfläche beträgt fast 1000 m2 und bietet so auch Raum für Wechselausstellungen, die mehrmals jährlich stattfinden.

 

 

 

>Website Museum Franz Gertsch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

johanna

Der Fotorealismus in extremis.

Nein, das ist keine Fotografie. Es ist ein Gemälde. Johanna I heisst dieses Werk aus dem Jahr 1983. Und ja, es liegt ihm eine Fotografie zugrunde. Es ist in Acryl auf ungrundierte Baumwolle gemalt und misst beeindruckende 330 x 340 Zentimeter – Fotorealismus pur. Museum Franz Gertsch, Burgdorf (Dauerleihgabe aus Privatbesitz © Franz Gertsch).

 

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sommer

 

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Von der Foto zum Gemälde zum Holzschnitt.

Das Monumentalgemälde «Sommer» gehört zum Vierjahreszeitenzyklus, der zwischen 2007 und 2011 entstanden ist. Es misst 325 x 490 cm (!) und ist in Acryl auf ungrundierter Baumwolle gemalt. Als Ausgangsmaterial diente ein Diapositiv, das auf die Leinwand projiziert wurde. Sammlung Willy Michel © Franz Gertsch.

 

Vom gleichen Fotosujet ausgehend, erstellt Franz Gertsch 2017 den Holzschnitt aus zwei Platten im Format von 190 x 245 cm. Von diesem werden Handbabzüge in verschiedenen Farben erstellt, hier die Version schwarzgrün. Als Träger wird Japanpapier von Heizaburo Iwano verwendet.

 

 

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Silvia, Holzschnitt. 2001-02. 191 x 177 cm. Handabzug. Kollektion des Künstlers © Franz Gertsch.

 

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Der Holzschnitt besteht aus tausenden von einzelnen Punkten. Von der Druckplatte werden Abzüge auf japanischem Papier gezogen.

 

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Foto und Holzschnitt, ...wie geht denn das ?

Es ist die ganz grosse Kunst. Und braucht ein enormes handwerkliches Können – plus eine unendliche Geduld. Ein Video im Museum zeigt, wie die Holzschnittproduktion abläuft: Zuerst muss eine Druckplatte gefertigt werden. Sie wird aus Lindenholzbrettern zusammengebaut und erhält dann einen blauen Anstrich. Nun wird die Platte an die Wand gestellt. Der Diaprojektor wirft das Bild – in diesem Falle ist es das Porträt von Gertschs Tochter Silvia – auf die Holzplatte.

 

Nun beginnt der Künstler, mit einem Stichel den Konturen entlang Vertiefungen ins Holz zu schnitzen. Aber es sind keine Linien, sondern einzelne Punkte. Ein echtes Kunststück: Je enger die Punkte (also die Vertiefungen) gesetzt werden, desto grössere helle Stellen werden später im Druck auf dem Papier erscheinen. Sogar die Grösse der einzelnen Punkte muss variiert werden, zum Beispiel, um die Schattenwirkung zu steuern. Tausende von Punkten sticht der Künstler aus, oder sind es Millionen?

 

Wenn man ganz dicht vor dem über zwei Meter grossen Bildnis der Silvia steht, sieht man kein Bild mehr. Nur noch Punkte, ohne erkennbaren Zusammenhang. Aber aus der Distanz betrachtet, sieht man die Lichter und Schatten. Unfassbar für den Laien, wie diese Wirkung zustande kommt.

 

Bei dieser Detailaufnahme des Holzschnitts «Sommer» lassen sich die einzelnen Punkte gut erkennen: Jeder einzelne wurde vom Künstler in die Druckplatte gestochen. So präzis und so ausgefeilt, dass das Bild wie eine Fotografie wirkt.

 

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Werke Franz Gertsch

Sonderausstellungen im Museum Franz Gertsch, Burgdorf.

 

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2.9.2017 bis 4.3.2018

Varlin, Perspektiven.

Zum 40. Todestag des Zürcher Künstlers Willy Guggenheim (1900-1977) zeigt das Museum Franz Gertsch eine Sonderausstellung des Malers, der sich in Paris den Künstlernamen Varlin zugelegt hat. Seine eigenwilligen Werke lassen sich nur schwer einem bekannten Stil zuordnen, avantgardistisch sind sie allemal.

 

>mehr über Varlin

 

 

 

 

   
   

 

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