Giotto di Bondone (1266-1337)


Er ist der Begründer der neuen westlichen Malerei, die die flache byzantinische Kunst ablöst. Giottos Verständnis für Räumlichkeit und Dreidimensionalität läutet die Renaissance ein. Dazu tragen auch seine Figuren bei, die erstmals Gefühle ausdrücken.

 

Wenn >Giorgio Vasari kein Märchenerzähler ist
– sondern ein seriöser Kunsthistoriker –, dann sieht Giottos Werdegang etwa so aus: Der 10-jährige Giotto hütet Schafe in den Hügeln um Florenz beim Dörfchen Vespignano. Da ihm langweilig wird, zeichnet er Schafe auf eine Steinplatte. Da kommt der berühmte Maler Giovanni Cimabue zufällig des Weges und staunt, wie gut der Junge zeichnen kann. O-Ton Vasari: «Er zeichnete das Schaf nach dem Leben, was ihn niemand gelehrt und was er nur von der Natur gelernt hatte». Cimabue bietet dem jungen Giotto an, ihn nach Florenz zu begleiten und dort in seiner Werkstatt eine Lehre als Maler zu machen.

 

Giotto lässt sich von >Cimabue anleiten, bleibt aber nicht beim Stil seines Meisters. Er beginnt nach der Natur zu malen und verlässt nach und nach den mittelalterlichen zweidimensionalen Malstil. Vasari: «Er wies den Weg, lebende Personen gut nach der Natur zu zeichnen, was mehr als zweihundert Jahre nicht geschehen war». In der Kapelle im Palast des Podestà (heute Bargello Museum) malt er ein Bildnis seines Zeitgenossen und Freundes Dante Alighieri (1265-1321).

 

Seinen künstlerischen Höhepunkt erreicht Giotto mit den Fresken zum Jüngsten Gericht in der Scrovegni-Kapelle zu Padua. Er schafft sie in einer Zeit, als noch kaum jemand lesen kann. Seine Bilder erläutern Geschichten aus der Bibel. Die verehrten Heiligen werden greifbar. Und seine Darstellungen aus der Hölle zeigen den Menschen, was mit ihnen passiert, wenn sie sündigen.

 

Giotto ist auch als Unternehmer erfolgreich. Er kauft auf dem Markt Schweinsborsten auf, mit denen er fabelhafte Pinsel herstellt und macht damit gutes Geld. In seiner Malerwerkstatt beschäftigt er Schüler und Gehilfen und kann so lukrative Aufträge an Land ziehen.

 

In Rom arbeitet er für Kardinal Jacopo Stefaneschi, in Neapel ist er für König Robert von Anjou tätig, wo er es 1332 zum Hofmaler schafft. Von seinen Werken in Neapel überleben nur wenige: ein Fragment der Beweinung Christi in der Kirche Santa Chiara und ein Fensterbild in der Kapelle Santa Barbara von Castel Nuovo, das aber heute eher seinen Schülern oder seiner Werkstatt zugeschrieben wird.

 

Drei Jahre vor seinem Tod wird er zum Chefarchitekten für die Kathedrale in Florenz ernannt. Hier beginnt er 1334 mit dem Bau des berühmten Campanile, der seinen Namen trägt. Die Vollendung des Turms darf er aber nicht mehr erleben. Er stirbt am 8. Januar 1337. Gemäss Vasari wird er in der Kirche Santa Maria del Fiore beerdigt. Die moderne Forschung bestätigt das allerdings nicht. Wo sein Leichnam liegt, ist deshalb umstritten.

 

 

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Giotto-Denkmal in der
Loggiato degli Uffizi, Firenze.

 

Foto >Hans Weingartz,
WikiCommons.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

areanakapelle

Anbetung der Könige

 

scrovegni-kapelle

Vertreibung des Joachim aus dem Tempel

1303: Die Scrovegni-Kapelle von Padua.

Für Enrico Scrovegni bemalt Giotto eine Kapelle (auch Arenakapelle genannt, weil sie auf dem Gelände einer alten römischen Arena steht). Die Kapelle geniesst heute Weltruhm. Scrovegni ist ein reicher Banker, der vor allem durch seine Wuchergeschäfte auffällt. Dante Alighieri setzt ihm in seiner «Göttlichen Komödie» ein Denkmal: Im siebten Höllenkreis trifft Dante auf die grössten Wucherer. Sie werden in der Hölle mit Feuer gequält. Die Familie Scrovegni zählt dazu – es sind dies Dantes berühmte «Geldsäcke». Um dem Höllenfeuer zu entgehen, spendet Enrico Scrovegni diese Kapelle. Giotto schmückt sie mit vierzig Darstellungen aus dem Leben von Maria und Jesus, des heiligen Joachim und der heiligen Anna. Bei mehreren der dargestellten Architekturelemente lassen sich bereits Ansätze einer perspektivischen Darstellung erkennen. Die Arenakapelle zählt zu Giottos künstlerischen Höhepunkten.

 

dante

Porträt des Dante Alighieri.

Das älteste bekannte Bildnis des grossen Dichters und Philosophen, gemalt von Giotto in der Kapelle des Bargello in Florenz. Dante (1265-1321) ist ein Zeitgenosse von Giotto, gemäss >Vasari sogar «ein lieber Freund» des Malers. Sein Hauptwerk ist die «Divina Commedia» (Göttliche Kommödie), die er erst kurz vor seinem Tod 1321 vollendet.

 

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Basilika San Francesco Assisi
(Foto >Berthold Werner)

 

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1309: Fresken Basilika San Francesco, Assisi.

Fresken sind eine Spezialität von Giotto. Als erster trägt er die Farbe auf den feuchten, noch frischen Gips auf (fresco). So bekommen die Farben mehr Leuchtkraft. Giottos Freskenzyklus in dieser Basilika spielt in der italienischen Kunstgeschichte eine bedeutende Rolle. Allerdings stammt nicht alles von ihm, auch Pietro Lorenzetti und Pietro Cavallini arbeiten daran. An jeder Seite des Langhauses finden sich 14 Szenen (14 ist die Symbolzahl des heiligen Franziskus, die Verdoppelung der Sieben, die für Christus steht).

 

Bild: Giotto (1266-1337). Legend of St Francis. Oberkirche des Heiligen >Franziskus, Assisi.

 

Einen Überblick über Giottos Werke gibt es hier:
>
http://www.giottodibondone.org.

 

navicella

La Navicella, 1298. Fabbrica di San Pietro, Roma.

1310-1313: Mosaiken Alte Peterskirche, Rom.

Hier arbeitet er an einem Mosaik für die Fassade der alten Basilika im Auftrag von Kardinal Jacopo Stefaneschi. Giottos berühmtestes Mosaik in Rom stammt aber aus 1298: «La Navicella» (Das Schifflein Petri). Das Original wurde 1606 in einem Unwetter zerstört und liess sich nicht mehr restaurieren. Die Kopie stammt von Orazio Manenti.

 

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1320: Freskenzyklus Santa Croce, Florenz.

Giottos Werke sind in zwei Kapellen zu sehen: In der Bardi- und in der Peruzzi-Kapelle. Beide Familien waren Banker in Florenz. Die Werke haben eine bewegte Geschichte hinter sich. In der Barockzeit werden sie übertüncht und erst 1852 wieder entdeckt. Bei der Restauration wird übertrieben – man ergänzt auch fehlende Stellen. 1958 entfernt man sie wieder. Mit dem Ergebnis, dass jetzt alles «wie nicht ganz fertig» aussieht. Bild: Himmelfahrt des Evangelisten Johannes.

 

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Der Campanile, Giottos letztes grosses Werk.

Giottos Glockenturm der Kathedrale von Florenz ist sein alles überragendes Markenzeichen. Er ist schon 68 Jahre alt, als er zum Chefarchitekten ernannt wird. Er entwirft einen Campanile, der 115 Meter hoch werden soll. Ein ehrgeiziges Ziel: Florenz will damit alle anderen Städte der Toscana überflügeln. Aber Giotto erlebt die Fertigstellung seines Glockenturms nicht mehr. Als er 1337 stirbt, ist erst das unterste Geschoss gebaut. Seine Nachfolger Andrea Pisano und Francesco Talenti halten sich dann nicht mehr an seine Pläne. Der Turm kann erst 22 Jahre nach Giottos Tod fertig gebaut werden und muss sich mit einer – immer noch imposanten – Höhe von 85 Metern begnügen. Foto Thermos, WikiCommons.

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Fotos / Diashow

 

Die komplette Sammlung von Giotto-Werken

>http://www.giottodibondone.org

   

 

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