Hans Holbein d.J. (ca. 1497-1543)


Ganz schön gefährlich, so ein Leben als Hofmaler. Besonders dann, wenn der König Henry VIII und ein Psychopath ist. Diese Erfahrung dürfte der berühmteste der Holbein-Familie, Hans der Jüngere, in England gemacht haben.

 

Hans Holbein wird in Augsburg in eine Künstlerfamilie geboren. Sein Vater, auch ein Hans («Holbein der Ältere», 1465-1524) ist ein weit herum bekannter Maler. Er unterrichtet seine zwei Söhne. Hans und Ambrosius ziehen 1515 nach Basel, um dort Jobs als Illustratoren zu finden. Hans hat Glück, kommt bei einem Verlag unter, der gerade eine Neuauflage des Werkes von Erasmus von Rotterdam in Verarbeitung hat: «Lob der Torheit». Holbein liefert über 80 Zeichnungen dafür ab.

 

1519 heiratet er die Witwe eines Baslers Gerbers und findet so Zugang zu den Basler Zünften. Er tritt der Malerzunft bei und wird 1520 Bürger von Basel. Hier schafft er bedeutende Madonnenbilder und erhält den Auftrag zur Bemalung des Grossratssaales im Basler Rathaus. Er ist erfolgreich, verdient gut und kann sich in Basel zwei Häuser kaufen. Doch dann kommt ihm die Reformation in die Quere. Nach dem Bildersturm von 1529 sind Madonnenbilder kaum noch gefragt, die Aufträge bleiben aus.

 

1532 verlässt er Basel und zieht nach England. Dank guten Beziehungen – zu den beiden Humanisten Erasmus von Rotterdam und Thomas Morus – kommt er in Kontakt zu Henry VIII. Er darf Dekos für die Hochzeit des Königs mit Anne Boleyn entwerfen und Familienporträts malen. 1536 wird er Heinrichs Hofmaler. Und von diesem hoch verehrt...

 

...bis zu jenem unglücklichen Vorfall, als Holbein ein Bildnis einer Frau malen soll, die Heinrich zu ehelichen gedenkt. Oder besser gesagt, die er auf Wunsch seines Beraters Thomas Cromwell aus politischen Gründen heiraten soll: Anna von Kleve. Cromwell legt Holbein ans Herz, die Dame möglichst hübsch zu malen. Das tut er auch. Henry gefällt das Bildnis, er stimmt einer Heirat zu. Als er die Frau dann aber in natura sieht, ist er masslos enttäuscht. Und sauer auf den Maler. Der König lässt sich von Anna scheiden und Holbein darf nie wieder ein Mitglied der königlichen Familie porträtieren. Immerhin bleibt ihm noch der Posten als Hofmaler. Damit hat er Glück im Vergleich zu Cromwell. Der wird geköpft.

 

Lange muss der Künstler nicht mit des Königs
Ungnade leben, denn drei Jahre später, 1543, stirbt Hans Holbein an der Pest, die in London wütet.

 

 

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Hans Holbein der Jüngere, Selbstporträt
von 1542. Galleria degli Uffizi, Firenze.

 

Die anderen Holbeins sind:

Hans der Ältere (1465-1524), sein Vater.

Sigmund (1470-1540), sein Onkel.

Ambrosius (1494-1519), sein älterer Bruder.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Zeichnen für Erasmus von Rotterdam.

Von 1514 bis 1529 wirkt der niederländische Gelehrte, Theologe und Priester in Basel. Dort lässt er seine Schriften bei Johann Froben drucken. Sein Hauptwerk «Lob der Torheit» wird 1515 neu aufgelegt. Hans Holbein erhält den Auftrag, dafür 83 Illustrationen zu fertigen. Erasmus, obwohl katholischer Priester, wird nach seinem Tod 1536 im protestantischen Basler Münster beigesetzt.

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Schluss mit Madonnen nach dem Bildersturm.

In Basel malt Holbein eine ganze Reihe von religiösen Bildern wie dieses hier: «Die Darmstädter Madonna», 1526. Sie hängt heute in der Johanniterhalle in Schwäbisch Hall. Doch nach der protestantischen Reformation und insbesondere nach dem Bildersturm von 1529 werden die kirchlichen Aufträge rar.

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Die Gesandten am Hof von Henry VIII, 1532.

Dieses Doppelporträt (2 x 2 Meter) hängt in der National Gallery in London und ist eines der meist beachteten Meisterwerke Holbeins. Seine Liebe zu Details ist hier besonders ausgeprägt. Das Bild enthält mehrere Attribute der beiden Gesandten: Quadranten, Sonnenuhren, astronomische und mathematische Messinstrumente, ein theologisches Gesangsbuch mit Luther-Liedern, in dem man jede Zeile und jede Note erkennen kann.

 

Und wer waren die zwei Männer auf dem Bild? Fast 400 Jahre hat es gedauert, bis eine gewisse Mary Hervey um 1900 das herausfand: Jean de Dinteville und Georges de Selves.

 

Der Totenkopf – versteckt im Gemälde in der hellen diagonalen Fläche am Boden – ist eine Anamorphose. Die verzerrte Fläche löst sich erst auf, wenn man in einem Winkel von 27° vom rechten Bildrand her auf das Bild des Schädels herabschaut. Ist es ein Hinweis? Eine Anordnung?

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Henry VIII – der Holbein-Fan.

Der König von England muss ein echter Fan seines Hofmalers gewesen sein. Einem motzenden Lord soll er gesagt haben: «Wisset, dass ich aus sieben Bauern in einer Minute sieben Lords wie ihr es seid machen kann, dass ich aber aus sieben Lords von Eurem Schlage nicht einen einzigen Holbein machen kann.» Bild: Porträt von Henry VIII, 1537. Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid.

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Jane Seymour, Gemahlin von Henry VIII.

Henry braucht dringend einen männlichen Erben. Seine beiden ersten Frauen schaffen das nicht (Katharina von Aragon und Anne Boleyn). Jane Seymour bringt als einzige einen Sohn zur Welt, sie selbst stirbt aber bei der Geburt des Kindes.

 

Hans Holbein d.J. (1497-1543). Porträt der Jane Seymour. Kunsthistorisches Museum Wien.

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Edward VI – Nachfolger von Henry VIII.

Porträt des einzigen legitimen Sohnes von Henry VIII, gezeugt mit Jane Seymour. Das Bild zeigt ihn als Prince of Wales, es entstand 1538. Als Neunjähriger besteigt er den englischen Thron – als Nachfolger von Henry VIII.

 

National Gallery of Art, Washington.

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Cromwells fatale Kleve-Story.

Als Staatsmann und Vertrauter von Henry VIII hält Cromwell eine Heirat des Königs mit der Deutschen Anna von Kleve für nötig. Henry zögert. Um dem König die Frau schmackhaft zu machen, gibt Cromwell Holbein den Auftrag, sie zu malen – und zwar so hübsch wie möglich. Holbein erkennt, dass Anna keine Schönheit ist, sie hat eine grosse Nase. Also macht er das beste draus und malt sie frontal von vorne, was damals ziemlich unüblich war. Dem König gefällt das Bild, er unterschreibt den Heiratsvertrag. Als er die Frau dann aber sieht, ist er enttäuscht. Und fühlt sich getäuscht. Von seinem Hofmaler. Und von seinem Berater. Auf beide ist er wütend. Holbein kommt mit einem blauen Auge davon (er darf keine königlichen Porträts mehr malen), aber Cromwell trifft es in voller Schärfe. Henry wirft ihm Verrat vor und lässt ihn köpfen.

 

Portrait of Thomas Cromwell, 1532-1533.
Frick Collection New York.

Portrait of Anna von Kleve, 1539. Louvre Paris.

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