Gustav Klimt
und seine Judith


Man glaubt es zu wissen: Er ging mit allen seinen Modellen ins Bett. Mit allen? Es muss Ausnahmen gegeben haben. Eine davon heisst Judith. Sie hat er sicher nicht persönlich zu Gesicht bekommen, denn sie lebte in biblischer Zeit. Und in des Künstlers Fantasie. Für die Erschaffung des realen Gemäldes wählte Klimt seine Muse Adele Bloch-Bauer als Modell. Aber von der biblischen Judith muss er fasziniert gewesen sein. Er malte sie gleich zweimal. Als Judith I und Judith II «Salome». Das war 1901.

 

Aber nicht nur Gustav Klimt stand in ihrem Bann. Alles was in der Malerei Rang und Namen hat, hat sich schon mit Judith befasst: Von Caravaggio bis Tizian, von Michelangelo bis Rubens.

Doch keiner malte sie so schön wie Gustav Klimt.

 

Die Künstler vor ihm haben die grausige Tat der Judith höher gewichtet als ihre sagenhafte Schönheit. Klimt dagegen – typisch für ihn – hat vor allem die Frau in ihr gesehen. Man dankt es ihm.

 

 

 

 

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Judith I hängt in meinem Schlafzimmer (klar, das
Original ;-)). Aber nie habe

ich mich gefragt, wer denn diese

Judith ist! Bis jetzt. Und dass sie den abgetrennten Kopf des

Holofernes unter ihrem Arm trägt

(dunkel am Bildrand rechts), habe ich erst später realisiert.

 

 

judith2

 

Judith II «Salome».

Die weniger bekannte Variante

aus Klimts Schaffen. Hier kann

man den abgetrennten Kopf des

Holofernes deutlich besser

erkennen als bei Judith I.

(Foto: WikiCommonsi / by Josh)

 

...und wer ist
eigentlich Judith?


Sie enstammt dem Buch Judit aus dem Alten Testament. Dort heisst es: «Sie hatte eine schöne Gestalt und ein blühendes Aussehen».

 

Sie war aber auch gottesfürchtig und tat alles für ihr Volk der Israeliten, das gerade mal wieder von den Assyrern attackiert wurde. Deren General hiess Holofernes. Also schlich sich die schöne Judith in sein Heerlager, verführte ihn und schlug ihm (danach?) den Kopf ab, – mit seinem eigenen Schwert. Was für eine Frau!

 

Kein Wunder, haben sich während Jahrhunderten viele der grossen Künstler auf diese biblische Schönheit gestürzt. Sex and Crime zog schon immer. Hier ein paar Beispiele:

 

 

boticelliBotticelli, 1497.

 

michelangeloMichelangelo, 1509.

 

cranachCranach, 1530.

 

tizianTizian, 1570.

 

caravaggioCaravaggio, 1598.

 

RubensRubens, 1616.

 

(Fotos: Wiki Commons)

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