Oskar Kokoschka (1886-1980).


Zu Kokoschkas künstlerischer Zeit in Wien war der Jugendstil Trumpf – aber damit konnte er nichts anfangen. Seine Welt war der Expressionismus. Und den reizte er bis zum Exzess aus. Nicht verwunderlich, dass die Nazis von ihm sagten, er sei «der Entartetste unter den Entarteten».

 

Seine Gemälde irritieren. Seine Porträts zeigen die Menschen enstellt. Kokoschka vertrat den Standpunkt, dass man nicht die Äusserlichkeit porträtieren solle, sondern «die Summe des Lebewesens und den Zustand der Seele». Nicht alle haben das verstanden, und selbst in seiner Heimatstadt Wien wurde er heftig kritisiert.

 

Dort – oder genauer in Pöchlarn, 100 km westlich von Wien – kam er 1886 zur Welt. Ab 1904 studierte er an der Wiener Kunstgewerbeschule, 1908 debutierte er an der Wiener Kunstschau. Dann war er in Berlin tätig, als Mitarbeiter der Zeitschrift «Sturm». 1914 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst und wurde in der Ukraine schwer verwundet, überstand aber seine Kopfverletzungen.

 

1917 zog er nach Dresden, wo er als Professor an der Kunstakademie unterrichtete. Danach startete er seine internationale Karriere und reiste durch Europa und Nordafrika. Seine Werke wurden an der Ausstellung der Prager Secession gezeigt.


1931 kehrte er zunächst nach Wien zurück und zeigte dort seine Werke. Aber die politischen Ereignisse ab 1933 zwangen ihn zur Flucht. Er zog nach Prag. Dort lernte er seine spätere Frau Olda Palkovská kennen und wurde 1935 tschechoslowakischer Staatsbürger. Ein sicherer Hafen war das aber auch nicht. Weil die Nazis 1938 die Tschechoslowakei besetzten, musste er erneut flüchten: diesmal nach Grossbritannien. Die Nazis beschlagnahmten 417 seiner Gemälde.

 

In London heiratete er 1941 seine Olda – in einem Luftschutzkeller. Um den Angriffen der deutschen Bomber zu entkommen, zog das Paar nach Cornwall. 1946 wurde Kokoschka britischer Staatsbürger.

 

Nun folgten seine ersten grossen Ausstellungen, darunter in Zürich und Basel. 1953 übersiedelte er in die Schweiz. 1955 ehrten ihn erstmals die Österreicher: mit dem Grossen Staatspreis für Bildende Kunst.

 

1966 gewann er den Wettbewerb um das Auftragsporträt Konrad Adenauers für den deutschen Bundestag. 1976 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Salzburg. Und 1991 – elf Jahre nach seinem Tod – benannte man einen Asteroiden nach seinem Namen.

 

Oskar Kokoschka starb am 22. Februar 1980 in Montreux. Er wurde auf dem Friedhof in Clarens beigesetzt.

 

 

selfportrait

Oskar Kokoschka,

Selbstbildnis an der Staffelei, 1922.

Leopold Museum Wien.

 


 

Titel: Selbstbildnis, eine Hand ans

Gesicht gelegt, 1918-19.

Leopold Museum Wien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Bildnis Else Kupfer, 1911. Kunsthaus
Zürich.

1911: «Die Seele zeigen».

Man soll «nicht die Äusserlichkeit porträtieren, sondern die Summe des Lebens und der Seele», soll Kokoschka geäussert haben. Obwohl sein morbider Stil beim Publikum schlecht ankam, blieb er seinem Credo zeitlebens treu. Das Bild aus dem Jahr 1911 zeigt die Schauspielerin Else Kupfer im Alter von 23 Jahren (!). Sie lehnte das Gemälde zunächst ab und kam erst im Alter auf ihren Entscheid zurück. Mit über 60 liess sie Kokoschka wissen, dass er «ihr Inneres und ihre Seele gut getroffen habe».

 

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Die Windsbraut. 1913. Kunstmuseum Basel.

1913: Kokoschkas Affaire mit Alma Mahler.

1911 lernte er Wiens «femme fatale» kennen. Sie war die Witwe des Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler. Drei Jahre lebte er mit ihr zusammen, doch seine besitzergreifende Art und seine krankhafte Eifersucht war der Liebesbeziehung abträglich. Immerhin brachte diese Liaison einige bedeutende Kunstwerke hervor, darunter das Gemälde «Die Windsbraut», das Zeuge dieser leidvollen Phase ist.

 

>Wer war Alma Mahler?

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Leopold Museum Wien.

1918: Konsequent, auch bei Selbstporträts.

Mit Naturalismus oder Jugendstil – der zu seiner Zeit in Wien in war – hatte Kokoschka nichts am Hut. Seiner speziellen Form von Expressionismus blieb er sich zeitlebens treu, egal, was er malte, sogar bei Stillleben und Landschaften. Und nicht nur seine Mitmenschen stellte der Künstler verzerrt dar, sondern auch sich selbst. «Selbstbildnis 1918. Eine Hand ans Gesicht gelegt».

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Bildnis Adèle Astaire, 1926. Kunsthaus
Zürich.

 

1926: Adèle – «the very pretty girl».

In London traf Kokoschka backstage die Tänzerin Adèle Astaire. Er fragte sie, ob sie sich für ein Porträt zur Verfügung stellen wolle, und sie willigte ein. Der Künstler und sein Modell harmonierten aber schlecht. Und Adèle war vom künstlerischen Ergebnis wenig angetan. Man mag sie verstehen.

 

Als das Bild in der Zeitschrift TIME veröffentlicht wurde, schrieb Ihr Bruder, Superstar Fred Astaire, an den Redaktor: «Sir, with your permission, I’d like to give my opinion of the Kokoschka picture of my sister. I think it’s a hideous mess. As great an artist as this man may be today, he certainly goofed in 1926. My sister is a very pretty girl». Hideous steht für abscheulich, widerlich.

 

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Tigerlöwe, 1926. Belvedere Wien.

1926: Der Tigerlöwe.

Kokoschkas Tierporträts weichen von den verzerrten Menschendarstellungen kaum ab. Auch diese Kreatur eines «Tigerlöwen» (?) würde wahrscheinlich vor diesem Bild erschrecken.

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Adenauerhaus, 1966.

1966: Der unzufriedene Konrad Adenauer.

Drei Wochen lang sass der 90-jährige Adenauer dem 80-jährigen Künstler Modell. Der Umgang zwischen den beiden soll von freundschaftlicher Rücksicht geprägt gewesen sein. Kokoschka verzichtete sogar auf seine obligate Zigarette aus Respekt vor dem strikten Nichtraucher Adenauer. Vom künstlerischen Resultat war der Politiker allerdings nicht begeistert. Er soll Kokoschka sogar eine «zunehmende Sehschwäche» attestiert haben. >Quelle: adenauerhaus.de

 

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Selbstbildnis 1969.

1988: Gründung der Fondation Kokoschka.

Olda Kokoschka, die Witwe des Künstlers, gründete 1988 die «Fondation à la mémoire de Oskar Kokoschka» mit Sitz in Vevey. Sie stattete diese mit Bildwerken aus ihrem Besitz aus. In den folgenden Jahren ergänzte sie die Sammlung durch Schenkungen und Zukäufe. Gemälde von 1969: «Selbstporträt zwischen Teufel und Muse».
>Fondation Oskar Kokoschka, Vevey.

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