Frederic Leighton (1838-1896)


Doch, zu diesem Künstler habe ich eine besondere Beziehung. Das kam so: Als ich 2016 in der Hamburger Kunsthalle ein Bildnis eines jungen Mädchens sah, da war ich hin und weg. Biondina heisst sie, und ihr Bild ist so schön und so perfekt, dass ich mehr von diesem Künstler sehen wollte. Den Namen Leighton hatte ich noch nie gehört, und wie ich später feststellte, ist er hierzulande fast unbekannt. In England ist er dagegen ein Grosser. Auch die englische Queen Victoria muss von ihm begeistert gewesen sein: Als sie eines seiner Bilder an der Ausstellung von 1855 der Royal Academy of Arts sah, kaufte sie es auf der Stelle.

 

Frederic Leighton durfte schon als Elfjähriger in Rom Kunst studieren. Später besuchte er die Akademie in Berlin, danach in Florenz und Paris. Zunächst war er mit seiner Historienmalerei erfolgreich, mit Motiven aus der Antike und der Bibel, später machte er sich mit seinen realistischen Portraits einen Namen. Der Hauptgrund, warum er ein Leben lang erfolgreich war: Seine Gemälde passten perfekt in die viktorianische Epoche – es war die Zeit der Sehnsucht nach der «Goldenen Antike». Nostalgie war in. Mit seinen Motiven aus der griechischen und römischen Mythologie traf Frederic Leighton den Zeitgeist punktgenau.

 

Er war ständig auf Achse in Italien, Spanien, Ägypten (dort mit Ferdinand de Lesseps, dem Erbauer des Suezkanals, eröffnet 1869), und sammelte auf seinen Reisen in der Türkei, Syrien und Persien Fliesen, die er in seinem Londoner Haus verbauen liess. Dafür gestaltete er extra einen arabischen Saal.

 

1878 wurde er von Königin Victoria in den Ritterstand erhoben. Er war Präsident der Royal Academie, Offizier der Ehrenlegion, Mitglied der Académie des Beaux-Arts und Ritter Pour le Mérite. Seinen Höhepunkt als «Baron Leighton» konnte er nicht lange geniessen: Queen Victoria hatte ihm diesen Titel am 24. Januar 1896 verliehen, – aber nur einen Tag danach verstarb der Künstler im Alter von 66 Jahren.

 

 

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Frederic Leighton, 1895.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Das Leighton-House in London.

Der ehemalige Wohnsitz des Künstlers an der Holland Park Road ist heute ein Museum, das der Öffentlichkeit zugänglich ist. Es enthält nicht nur Bilder, sondern auch Sammelobjekte, die er auf seinen Reisen zusammengetragen hat.

 

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Cimabues gefeierte Madonna in Florenz, 1853.

Mit diesem monumentalen Historiengemälde schaffte er seinen künstlerischen Durchbruch. Mit ganzem Namen heisst es «Cimabue's Celebrated Madonna is carried in Procession through the Streets of Florence». Es misst 5.2 x 2.2 Meter und wurde 1855 in der Royal Academy of Arts ausgestellt. Schon am ersten Ausstellungstag kaufte es Königin Victoria auf Wunsch ihres Gatten Prinz Albert. Es hängt heute als Leihgabe der britischen Königin im Entrée der National Gallery in London.

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Orpheus and Eurydice, 1864.

Motive aus der griechischen Mythologie sind Leightons Markenzeichen. Orpheus ist Sänger und Dichter, die Nymphe Eurydike ist seine Ehefrau. Gemäss Vergil stirbt sie an einem Schlangenbiss. Orpheus steigt in die Unterwelt und bezirzt mit seinem Gesang den Gott Hades, damit ihm dieser Eurydike wieder zurück gibt.

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The Fisherman and the Syren, 1857.

In diesem Bild verarbeitet Leighton eine Ballade von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1779. Sie handelt von einem Fischer, der am Ufer angelt. Die Nixe will nicht, dass er Fische tötet. «Aus dem bewegten Wasser rauscht ein feuchtes Weib hervor... Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm, da wars um ihn geschehn, halb zog sie ihn, halb sank er hin, und ward nicht mehr gesehn...».

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Biondina, 1879.

Leightons Portraits von Mädchen und jungen Frauen gehören zu seinen bekanntesten Werken. Dieses Bild eines italienischen Mädchens hängt in der Kunsthalle Hamburg. Eine eindrückliche Arbeit – nahe am Fotorealismus. Einfach nur schön.

Flaming June, 1895.

Gilt heute als eines der Meisterwerke des Künstlers. Das war aber nicht immer so. Nach seinem Tod 1896 war das Bild zunächst verschollen. Es tauchte erst 1960 wieder auf dem Markt auf – und niemand wollte es kaufen. Weil damals die viktorianische Malerei gerade nicht mehr in war. Das Bild ging schliesslich für lächerliche 140 US Dollar ans Museo de Arte de Ponce in Puerto Rico, wo es noch immer hängt.

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