René Magritte (1898-1967)


Magritte spielt mit seinem Publikum. Man soll seine Werke nicht einfach betrachten, man soll dabei mit-denken. Oder besser noch: mit-philosophieren. Wenn er denn eine Pfeife malt und darunter schreibt: «Das ist keine Pfeife», gibt er uns einen Steilpass zur Frage, was ein Bild und was eine Pfeife ist. Klar: Sein Bild ist eben nur ein Bild, das eine Pfeife zeigt. Rauchen kann man sie nicht.

 

Er, der bedeutendste Surrealist Belgiens, führt ein ganz normales Leben. 1898 im wallonischen Teil Belgiens als Sohn «kunstloser» Eltern geboren – der Vater ist Schneider, die Mutter eine Hutmacherin – darf er ab 1916 an der Brüsseler Akademie der schönen Künste studieren. Anfänglich konzentriert er sich auf den impressionistischen Stil und kann 1927 seine erste Einzelausstellung in der Galerie «Le Centaure» in Brüssel ausrichten.

 

Im gleichen Jahr zieht er nach Paris um und kommt in Kontakt zu den Surrealisten. André Breton, Giorgio de Chirico, Joan Miro, Hans Arp. 1938 ist er mit einigen seiner Werke in Paris vertreten (Galerie des Beaux-Arts), 1947 stellt er in New York aus. 1956 gewinnt er den Guggenheim-Preis für Belgien.

 

Magritte gilt zwar als ein wichtiger Vertreter des Surrealismus. Aber sieht er das selbst auch so? Als er 1967 von einer Brüsseler Zeitung gebeten wird, in zehn Zeilen sein Leben zu erzählen, entgegnet er: «Zehn Zeilen sind viel zu viel». Man darf glauben, dass er das gesagt hat. Aber: Was hat er dabei gedacht? Vielleicht «mit zehn Zeilen fange ich gar nicht erst an»? oder «sollen die doch schreiben, was sie wollen»? Bei Magritte weiss man ja nie. Er ist immer für eine Überraschung gut. Und wie hat André Breton zur Frage nach dem Surrealismus geantwortet: «Surrealismus ist ein Kuckucksei, das unter Mitwissen von René Magritte ins Nest gelegt wird».

 

Den Surrealismus lebt Magritte allerdings nur in der Kunst aus – sein eigenes Leben bleibt normal und gutbürgerlich. Er stirbt am 15. August 1967 in seiner Brüsseler Wohnung an Krebs. An seinem ehemaligen Wohnort in Jette gibt es heute ein kleines Museum, wo ein paar Werke und seine Wohnungseinrichtung zu sehen sind. Die grösste Sammlung zeigt aber das
>Magritte-Museum in Brüssel.

 

 

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René Magritte vor seinem Bild
«Golconda», 1953.

 

Quelle:

>www.renemagritte.org

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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The Treachery of Images, 1929.

Sozusagen das Markenzeichen von Magritte: Die Pfeife mit dem Schriftzug «Ceci n'est pas une pipe». Das Sujet hat er unermüdlich gemalt, immer wieder. Bis es alle verstanden haben. Okay, es ist keine Pfeife, es ist nur ein Bild davon.

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The Son of Man, 1946.

Eigentlich ein Selbstportrait. Mit dem klassischen Bowler auf dem Kopf. Seine Mutter war ja Hutmacherin. Und er soll meist so elegant gekleidet unterwegs gewesen sein. Warum er mit dem Apfel sein Gesicht verdeckt, erklärt er so: «Alles, was wir sehen, verdeckt irgend etwas anderes». Immerhin blinzelt er mit dem linken Auge noch über den Apfel hinweg in die Welt hinaus.

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Le seize septembre, 1956.

Auch so eine Masche von Magritte. Er spielt mit dem Titel. Wurde das Bild am 16. September gemalt? Oder nennt er es einfach so? Jedenfalls irritiert es das Auge. Der Baum müsste eigentlich die Mondsichel verdecken. Der behauptet sich aber im Vordergrund. Obwohl er da nie und nimmer sein kann.

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Rape, 1945.

Eine Hommage an seine Mutter, so heisst es. Sie hatte sich 1912 in den Fluss Sambre gestürzt und sich das Leben genommen. Der 14-jährige Magritte war dabei, als man sie aus dem Wasser zog. Nackt, nur der Kopf mit ihrem Kleid bedeckt. Dreissig Jahre später ersetzt der Surrealist das Gesicht durch die Abbildung des nackten Körpers. Warum das Bild Rape heisst? Nur Magritte weiss es.

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Magrittes Schwäche für Särge.

«Le balcon de Manet» heisst dieses Werk aus dem Jahr 1950. Magritte «kopiert» Manet auf seine Weise. Er verpackt dessen Figuren in Särge. Wie das Original von Monet aussieht und mehr über Magrittes Schwäche für Särge gibt es >hier.

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Les grâces naturelles, 1964.

Dieses stimmungsvolle Werk hängt im Kunsthaus Zürich. Es zeigt eine Landschaft mit Pflanzenblättern, die sich zu Tauben entwickeln und so den Weg in die Freiheit eröffnen. Für einmal keine Friedens-, sondern Freiheitheitstauben.

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La reproduction interdite, 1937.

Das Bild zeigt den schottischen Poeten, Mäzen und Kunstsammler Edward James, der ein Fan des Surrealismus und ein Freund Salvador Dalis war. Im Bild Magrittes steht er vor einem Spiegel, aber er sieht sich darin von hinten... typisch Magritte.

 

Fotos: www.renemagritte.org.

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Fotos diverse Museen

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Fotos Magritte-Museum, Brüssel

>Magritte-Museum Brüssel

 

>Magrittes Sinn für Makabres

 

 

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