Franz Marc (1880-1916).


Seine Tierbilder sind legendär. Er malt blaue Pferde und gelbe Kühe, stellt sie in Landschaften, die keine sind, nur farbige Flächen, weit entfernt von den Farben der Natur. Ein Expressionist der Extraklasse.

 

Aber was für ein Mensch ist er? Er gibt ungelöste Rätsel auf. Als Sohn einer französischen Mutter spricht er auch Französisch, liebt Paris und die Franzosen – aber als dann 1914 der deutsche Kaiser Frankreich den Krieg erklärt, zieht er mit Begeisterung in die Schlacht. Er ist Feuer und Flamme für diesen «notwendigen Vernichtungskrieg, der eine heilsame Reinigung des kranken Europas bringen wird...», lässt sich zum Offizier ausbilden. Seine Künstlerkollegen wie Wassily Kandinsky verstehen Marc nicht. Diesen Naturburschen, der sich auf der einsamen Alp mit Tieren so wohl fühlt. Wie passt das zusammen?

 

Und wie kann er dieses Abschlachten von Millionen von Soldaten gut finden? Zwar erkennt er nach und nach den Irrsinn dieses Krieges, aber aufhören mag er nicht. Auch nicht, als sein Künstlerkollege und Freund August Macke im Feld fällt. Und selbst dann nicht, als es seiner Ehefrau Maria 1916 gelingt, ihn auf die «Liste der bedeutendsten deutschen Künstler» zu setzen, was eine Freistellung vom Dienst bedeutet hätte. Er stemmt sich dagegen. Tut alles, um seine Freistellung zu verhindern. Ist er so verwirrt? Hat ihm der Krieg den Verstand geraubt?

 

Auch in seinen letzten Stunden vor seinem Tod gibt er Rätsel auf. Über seine Todessehnsucht hat er mehrfach geschrieben. Ist es eine Art Freitod, den er nun wählt? Dokumentiert ist: Am 4. März 1916 begibt er sich als Leutnant auf einen Erkundungsritt in der Nähe von Verdun. Allein. Reitet in einem durch den Feind gut einsehbaren Feld. Bleibt mit seinem Pferd immer wieder stehen. Wie eine Zielscheibe. Was geht in seinem Kopf vor? Niemand weiss es. Dann wird er von einem Granatsplitter tödlich getroffen.

 

Sein Leichnam wird zunächst unter einem einfachen Gedenkstein im Park des Schlosses Gussainville bei Braquis beigesetzt. 1917, während der Krieg noch immer tobt, lässt ihn seine Witwe nach Oberbayern überführen, nach Kochel am See.

 

 

 

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Porträt Franz Marc, 1910.

Von August Macke (1887-1914).

Neue Nationalgalerie Berlin.

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt):

Franz Marc (1880-1916).

Zwei Katzen, 1913.
Postkarte an Lilly Klee.

©Ahlers Collection.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Moorhütten im Dachauer Moos,
1902. Franz Marc
Museum. Quelle:
images.zeno.org
WikiCommons.

 

 

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Mädchenkopf
(Maria Franck), 1906. Grafische Sammlung München. Quelle:
www.zeno.org
WikiCommons.

 

Künstler statt Pfarrer.

Franz Marc kommt 1880 in München zur Welt. Sein Vater ist Landschaftsmaler. Die Mutter stammt aus dem Elsass, ist streng gläubige Calvinistin, erzieht ihre beiden Söhne zweisprachig. Franz spielt mit dem Gedanken, Theologie zu studieren. Sein Talent fürs Zeichnen gibt dann aber den Ausschlag für ein Kunststudium. 1900 tritt er in die Münchner Kunstakademie ein. Seine ersten Arbeiten zeigen deshalb noch traditionelle Züge. Sommerferien verbringt der junge Marc gerne in Oberbayern auf der Alm, wo er seine Liebe zu Tieren entdeckt.

 

In Paris besucht er Museen und kommt mit neuen Malstilen in Kontakt, ist begeistert von Gauguins und van Goghs Werken. Nun ist er sich ganz sicher, dass er die akademische Malerei verlassen muss. Und sich auf die Suche nach seinem eigenen Stil machen muss. Als er dann 1910 August Macke kennen lernt, schliesst sich der Kreis. Die beiden sind sich einig: Ziel muss es sein, sich auf die Grundfarben zu beschränken. Marc setzt das kompromisslos um, übt sich nun in Abbildungen von Pferden und Landschaften, die aus reinem Zinnober, Cadmium und Kobaltblau bestehen.

 

1909 nimmt Marc mit der N.K.V.M. (Neue Künstler-Vereinigung München) Kontakt auf, wird 1911 zum dritten Vorsitzenden. Noch im gleichen Jahr kommt es aber zu Spannungen. Wassily Kandinsky, Franz Marc und Gabriele Münter treten aus der Vereinigung aus.

 

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Umschlag des Almanachs «Der blaue Reiter». Von Wassily
Kandinsky.
@Goesseln,
WikiCommons.

 

Gründung des «Blauen Reiters», 1911.

Zusammen mit Wassily Kandinsky gründet er diese Künstler-Vereinigung, die eigentlich keine sein will. Zumindest nicht im klassischen Sinn, denn es soll keine bestimmte Stilrichtung propagiert werden. Vielmehr sollen die Mitglieder frei entscheiden, was und wie sie malen. Künstler wie August Macke, Gabriele Münter, Marianne von Werefkin, Paul Klee und Alexej von Jawlensky sind mit von der Partie.

 

1912 geben Marc und Kandinsky den Almanach «Der blaue Reiter» heraus. Dieser dient der Vorbereitung von Ausstellungen in München und der Publikation von kunsttheoretischem Wissen.

 

>mehr über den blauen Reiter

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Blaues Pferd I, 1911. Lenbachhaus München.

 

Marc findet seinen eigenen Stil.

Wie er es August Macke angekündigt hat, malt er nun seine Bilder in Farben, die nichts mehr mit der Natur zu tun haben. Ein Pferd in Blau, die Landschaft in Fantasiefarben. In den Jahren vor dem Krieg – 1910 bis 1914 – ist er besonders produktiv und erschafft einen Grossteil seiner heute berühmten Werke. Die einfachen Formen und die leuchtenden Farben – wie im Beispiel des «blauen Pferdes» – begeistern die Museumsbesucher bis heute.

 

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Wie sieht ein Pferd die Landschaft?

Und in welchen Farben? Diese Frage stellt sich Marc. Und beantwortet sie mit diesem bunten Pferd, das eine ebenso bunte Landschaft zu betrachten scheint. Das Bild heisst «Landschaft» und entstand 1910. Museum Folkwang, Essen.

 

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Die gelbe Kuh, 1911.

Wenn Pferde schon blau sein können, darf eine Kuh auch gelb leuchten. Um dieses Werk im Original zu sehen, muss man schon ziemlich weit reisen: Nach New York ins Solomon R.Guggenheim Museum.

 

 

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Der Turm der blauen Pferde, 1913.

Eines seiner berühmtesten Werke ist heute nicht mehr im Original zu bewundern. Es kommt in den Kriegswirren des Zweiten Weltkriegs unter die Räder und gilt seit 1945 als verschollen.
Quelle: The Yorck Project.

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Schöpfungs-
geschichte, 1913.
British Museum,
London.

 

Die illustrierte Bibel, 1913.

Im Frühjahr 1913 plant Marc zusammen mit Kandinsky die Herausgabe einer illustrierten Bibel. Auch Paul Klee, Erich Heckel und Oskar Kokoschka sollen dabei mitmachen. Für das Titelbild wählt Marc ein Kapitel aus der Genesis (1. Buch Mose). Das Werk hätte im Piper Verlag erscheinen sollen, aber der Ausbruch des Ersten Weltkrieges lässt das Projekt scheitern.

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Rehe im Walde, 1914.

Schon fast kubistische Züge weist dieses Werk aus. Zwar sind die Tiere noch zu erkennen, aber der Wald ist in kubische Elemente aufgesplittet. Typisch für Franz Marc bleiben die knalligen und naturunabhängigen Farben. Staatliche Kunsthalle Karlsruhe.

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Fotos / Diashow

 

>Sammlung «Der Blaue Reiter» im Lenbachhaus München

 

   

 

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