Michelangelo (1475-1564)


Er soll mal gesagt haben, «nur Ungebildete und
dumme Weiber könnten sich an Gemälden erfreuen». Das dürfte eine Momentaufnahme gewesen sein. Tatsache ist aber, dass er sich viel mehr als Bildhauer sah denn als Maler. Weshalb er auch seine Briefe stets mit «Michelangelo, Scultore» unterzeichnete.

 

In die Bildhauerei wird er hineingeboren. Seine Amme ist die Frau eines Steinmetzes, und bei diesem muss er seine Begeisterung für den Stein entdeckt haben. Künstler will er schon als Kind werden, auch wenn sich sein Vater dagegen sträubt. Mit 13 setzt er seinen Willen durch und darf als zahlender Schüler in die Werkstatt von Domenico Ghirlandaio in Florenz eintreten. Bei diesem lernt er die Kunst des Freskos.

 

Aber noch vor Abschluss seiner Malerausbildung schert er aus und wendet sich der Bildhauerei zu. Tritt in die Kunstschule von «Lorenzo il Magnifico» ein – das ist ein kunstbegeisterter Bankier und Politiker aus der Familie der >Medici. Dieser fördert den jungen Michelangelo, behandelt ihn wie seinen Sohn. Aber zwei Jahre später stirbt er (1492), und in Florenz brechen politisch unruhige Zeiten an.

 

Michelangelo zieht nach Bologna, wo er für die Basilika San Domenico Heiligenfiguren und Engel herstellt. 1496, da ist er erst 21, gehts weiter nach Rom. Dort erhält er vom französischen Benediktinerabt von Saint Denis den Auftrag für ein Werk, das für den Künstler zu einem seiner Highlights werden sollte: die Pietà für den Petersdom im Vatikan.

 

Zurück in Florenz (1501) befasst sich Michelangelo mit seiner berühmtesten und meistbeachteten Skulptur der Welt: Die Statue des David. Sie zeigt den Helden und Besieger von Goliath mit einer Steinschleuder auf der Schulter, kurz vor seinem Kampf. Und ist einfach perfekt.

 

Bei seinem dritten Aufenthalt in Rom bekommt er von Papst Julius II den Auftrag, die Fresken in der Sixtinischen Kapelle auszführen. Von 1508 bis 1512 arbeitet er daran. Es ist körperliche Schwerstarbeit. Hoch oben an der Decke hängend, in einer höchst unbequemen Haltung. Er malt mehrere hundert Figuren. Eine Monsteraufgabe.

 

Von 1522 bis 1534 ist Michelangelo wieder in Florenz tätig. Von den Medici wird er als Architekt beauftragt, die Baupläne für die Biblioteca Laurenziana zu entwerfen. Aber es ist eine unruhige Zeit. Die Medici stehen in einem ständigen Kampf um ihre Herrschaft. Michelangelo wird zum leitenden Techniker für Befestigungen der Stadt berufen.

 

1534 verlässt er Florenz endgültig. In Rom – bereits 60-jährig – macht er sich im Auftrag von Papst Paul III wieder an der Sixtinischen Kapelle zu schaffen: am Fresko des «Jüngsten Gerichtes». Es wird eines der berühmtesten Werke der Welt.

 

In den letzten 20 Lebensjahren widmet er sich zunehmend der Architektur. 1547 wird ihm die Bauleitung der Peterskirche übertragen. Mit der legendären Kuppel des Doms setzt er sein letztes grosses Zeichen. Michelangelo stirbt am 18. Februar 1564 in Rom.

 

 

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Michelangelo Buonarroti um 1544.
Portrait von Daniele da Volterra
(1509-1566). Metropolitan Museum
of Art, New York.

 

 

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1490: Bei Lorenzo «il Magnifico» in Florenz.

Lorenzo de Medici ist um 1490 herum der Herrscher von Florenz. Ein Freund der Kunst. Er entdeckt das ungewöhnliche Talent des erst 15-jährigen Michelangelo und holt ihn zu sich in den Palast und in seine Kunstschule. Er betrachtet ihn fast als Sohn und ist sein grösster Förderer.

>mehr über die Medici

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1498: Die Pietà von Rom, das Meisterwerk.

Maria mit ihrem toten Sohn auf dem Schoss. Aus Carraramarmor, erstellt 1498-99. Was sofort auffällt: Das jugendliche Aussehen der Mutter. Sie hat das Gesicht eines Teenagers, dabei hält sie ihren erwachsenen toten Sohn im Arm. Michelangelo, auf das Alter seiner Maria angesprochen, soll geantwortet haben: «Weisst du nicht, dass keusche Frauen sich viel frischer erhalten als die, welche es nicht sind?».

 

Die Pietà ist die einzige von ihm signierte Statue. Ein Band über der Brust der Madonna enthält die Inschrift: «Michael Angelus. Bonarotus. Florent. Faciebat.» Als Michelangelo dieses Kunstwerk schafft, ist er noch keine 25 Jahre alt.

Petersdom, Rom.

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1501: David, das Highlight von Florenz.

Erstellt 1501 bis 1504. Michelangelo verwendet dafür einen Marmorblock, den der Bildhauer Agostino di Duccio vor 40 Jahren zu bearbeiten begonnen hat, aber ohne Erfolg. Michelangelo holt aus dem Block seinen unvergleichlichen David heraus. Das Kunstwerk wird auf der Terrasse des Palastes der Signoria aufgestellt. Dort bleibt es bis 1882, bevor es zu seinem Schutz in die Akademie der Künste überführt wird. Vor dem Palazzo Vecchio steht heute eine Kopie davon.

 

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Der perfekte Körperbau.

In der Akademie des Lorenzo de Medici studiert Michelangelo die antiken griechischen und römischen Skulpturen. Darüberhinaus erforscht er bei der Sezierung von Leichen Muskeln, Adern und Gliedmassen. Das Wissen um den Muskelaufbau ist eine Sache, das dann aber so perfekt in Marmor umzusetzen, eine andere. Michelangelo schafft es in Perfektion.

 

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1501-06: Die Brügger Madonna.

Es ist die einzige Skulptur Michelangelos, die zu seinen Lebzeiten Italien verlässt. Eigentlich ist die «Madonna mit Kind» für den Hochaltar der Domkirche in Siena bestimmt. Den Auftrag dazu bekommt Michelangelo von Kardinal Francisco Piccolomini (1439-1503).

>mehr über die Brügger Madonna

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1508: Die Fresken in der Sixtinischen Kapelle.

Die Kapelle in Rom ist nach Sixtus IV benannt, der von 1471-1484 Papst war. Erbaut wurde sie in den Jahren 1475-1483. In ihr wird das Konklave abgehalten. Die Deckengemälde stammen von Michelangelo (gemalt zwischen 1508 und 1512), die Wandgemälde sind von Botticelli, Perugino, Ghirlandaio, Rosselli, d'Antonio und Signorelli.

 

Schlüsselszenen aus dem Alten Testament.

Unfassbar, was Michelangelo hier im Auftrag von Papst Julius II erschafft. Auf über 500 m2 sind in der Decke mehr als 300 Figuren zu sehen. Auf dem Mittelgrat verarbeitet er Szenen aus dem Alten Testament und bündelt sie in drei Themen zu je drei Bildern: Von unten nach oben gelesen sind es die Schöpfung, Adam und Eva, Noahs Sintflut.

>Deckengemälde im Detail (PDF)

 

Das mit Abstand berühmteste Motiv in der Sixtinischen Kapelle ist das Gemälde «Die Erschaffung Adams». Gott – mit weissem Bart – streckt seinen Zeigefinger aus, um Adam zu erschaffen.

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1534-41: Das jüngste Gericht.

Ein weiteres Meisterwerk. Es zeigt das Ende der Welt und das darauf folgende jüngste Gericht. Es hängt zentral über dem Altar der Sixtinischen Kapelle. Viele der nackt dargestellten Figuren werden von seinem Schüler Danile da Volterra übermalt, aber bei den Restaurierungen im 20. Jahrhundert wird Michelangelos Originalfassung wieder hergestellt.

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Michelangelo und die Frauenbilder.

Mit Frauen hat es der grosse Meister nicht so. Sein Liebesleben spielt sich mehr mit Jünglingen ab. Diese weiss er in seinen Skulpturen meisterhaft darzustellen. Aber während er Männerkörper in Perfektion meisselt, wirken seine Frauen – die Madonnen mal ausgenommen – eher unförmig. Entweder propft er einem Männerkörper seltsam geformte Brustkugeln auf oder stellt die Frau gleich als muskelbepackten Mann dar. Wie hier am Beispiel der Babylonischen Priesterin Sibylle von Cumae im Deckengemälde der Sixtinischen Kapelle in Rom.


>Wer ist Sibylle von Cumae?

 

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1547: Die Kuppel des Petersdoms in Rom.

1547 erteilt man Michelangelo die Bauleitung am Petersdom. Seine Pläne orientieren sich am ersten Architekten des Doms, Donato Bramante, der von 1504 bis zu seinem Tod 1514 daran arbeitet. Michelangelo gestaltet die Fassaden des Westbaus und die monumentale Kuppel. Die Fertigstellung der Kuppel erlebt er nicht mehr, er stirbt 1564.

 

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