Paula Modersohn-Becker

(1876-1907)


«Nicht auszudenken», sinnierte Ehemann Otto nach ihrem Tod, «was alles noch entstanden wäre, hätte sie länger gelebt». Sie verstarb bei der Geburt ihrer Tochter Mathilde 31 Jahre jung.

 

Paula Becker wuchs in der Nähe von Bremen zu einer Zeit auf, wo Frauen in einer Kunstakademie nichts zu suchen hatten. Die Ablehnung beeindruckte sie wenig. In London erhielt sie mit 16 ihren ersten Kunstunterricht und belegte später (1896) einen Zeichen- und Malkurs im Verein der Berliner Künstlerinnen.

 

Von Anfang an lehnte sie es ab, «exakt nach der Natur» zu malen, wie es damals verlangt wurde, und bevorzugte rudimentäre Formen mit satten Farben. Ihre Art zu malen wurde als «Schmiererei» beschimpft. Sie hielt aber daran fest. Umso mehr, als sie ein paar Jahre später in Paris Werke von Paul Cézanne kennen lernte (der damals allerdings noch keinen klingenden Namen besass). Paula erkannte das aufkommende Genie und mochte dessen neuen, richtungweisenden Stil. Vermutlich hat sie in ihren drei Pariser Aufenthalten zwischen 1899 und 1905 auch Paul Gauguins Arbeiten studiert – einige ihrer Werke deuten darauf hin.

 

1901 heiratete sie in Worpswede bei Bremen den Maler Otto Modersohn. In ihm fand sie einen Mann, der an sie glaubte und sie gegen ihre ärgsten Kritiker verteidigte. Er war auch ihr Sponsor, damit sie in ihrem Pariser Atelier frei arbeiten konnte. Die Ehe mochte er aber nicht vollziehen. So suchte die lebenslustige Paula ihr Privatleben ausser Haus – meist in Paris. Nach fünf Jahren verlangte sie die Trennung. Das lehnte er ab und reiste ihr nach Paris nach. Dort kam das Noch-Ehepaar wieder zusammen und kehrte gemeinsam nach Deutschland zurück. Zuhause in Worpswede bei Bremen wurde sie endlich schwanger und brachte 1907 eine Tochter zur Welt. Doch bei der Geburt gab es Komplikationen und Paula starb an den Folgen einer Embolie.

 

 

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Paula Modersohn-Becker,
Selbstbildnis 1905.

Foto: The Yorck Project.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kinderkopf mit weissem Tuch, 1900.

Paula Modersohn-Becker gilt als erste bekannte Expressionistin Deutschlands. Sie schuf in ihrem kurzen Leben über 700 Gemälde, konnte von ihrer Kunst aber nicht leben und war auf die finanzielle Unterstützung ihres Ehemannes Otto Modersohn angewiesen. Foto: The York Project.

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Alte Armenhäuslerin im Garten, 1907.

Dieses in ihrem Todesjahr entstandene Ölgemälde lässt vermuten, dass Paula Modersohn-Becker auch von Paul Gauguin inspiriert war. Das Werk hängt heute im Paula Modersohn-Becker-Museum in Bremen. Foto: The York Project.

ehepaar Modersohn

Paula und Otto Modersohn-Becker

Otto Modersohn (1865-1943) war Mitbegründer der Bremer Künstlergruppe Worpswede. Das Paar lernte sich an der Pariser Weltausstellung von 1900 kennen und heiratete 1901. Otto konnte zwar von der Malerei leben, seine Werke sind aber heute im Gegensatz zu Paulas weltweit nur in wenigen Museen zu sehen. Zum Beispiel im >Castello Ascona und natürlich im Otto Modersohn Museum Tecklenburg. Ottos Arbeiten werden heute auf dem Kunstmarkt geringer bewertet als die seiner Frau.

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Portrait Clara Rilke-Westhoff, 1905.

Eine enge Freundschaft verband Paula mit Clara Westhoff, die Bildhauerin werden wollte. Um 1900 lernten die beiden Frauen Rainer Maria Rilke kennen. Rilke heiratete Westhoff; mit Paula war er lange befreundet. Foto: The Yorck Project.

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Portrait Rainer Maria Rilke, 1906.

Die Bekanntschaft mit Rilke trug Paula wertvolle Kontakte ein. So brachte Rilke sie unter anderem mit Auguste Rodin zusammen, der Paula sein Pariser Atelier zeigte und sie nach Meudon einlud. Foto: The Yorck Project.

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Selbstportrait, 1906.

Ziemlich nahe an den «Südseebildern» von Paul Gauguin..., wenn auch der Hintergrund nicht eben tropisch wirkt. Das Gemälde stammt aus der Sammlung Ludwig Roselius, Bremen. Foto: The Yorck Project.

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Kinderakt mit Goldfischglas, 1906/1907.

Auch dieses Werk könnte von Gauguins Stil beeinflusst sein. Aber es ist eine echte Paula Modersohn-Becker-Produktion. Öltempera auf einer ziemlich grossen Leinwand: Über einen Meter hoch. Das Gemälde ist in der Pinakothek der Moderne in München zu sehen. Foto: The Yorck Project.

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Paula – der Spielfilm, 2016.

«Mein Leben soll ein kurzes, rauschendes Fest sein», hatte sich Paula gewünscht. Nach diesem Motto hat Regisseur Christian Schwochow seinen Spielfilm aufgebaut, den er als Bio-Pic präsentiert. Er zeigt Paula Modersohn-Becker als lebenslustige und exzentrische junge Frau, die ihren Kopf gegen alle Widerstände durchsetzt und schliesslich das wird, was sie sein will: Malerin. Der Film kam im Herbst 2016 in die Kinos. In den Hauptrollen Carla Juri als Paula, Albrecht Schuch als Otto und Joel Basmann als Rainer Maria Rilke. >Filmtrailer auf Youtube

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