Edvard Munch (1863-1944)


Nein, zu den lebenslustigen und fröhlichen Malern zählt er nicht. Dass die meisten seiner Bilder von Angst, Verzweiflung, Krankheit und Tod handeln, ist kein Zufall. Schon als fünfjähriges Kind musste er miterleben, wie seine Mutter an Tuberkulose starb. Und danach auch noch die ältere Schwester Sophie. Schwindsucht nannte man das damals. Seine jüngere Schwester war depressiv veranlagt und in ärztlicher Behandlung. Was für ein Umfeld.

 

1885 beginnt er mit einem richtungweisenden Bild – und arbeitet lange daran. Es heisst «Das kranke Kind» und ensteht unter dem Eindruck von Sophies Agonie und Tod. Die Kritiker finden es nicht gut, – was Munchs Lebensfreude nicht verbessert. Trotzdem macht er weiter, findet seinen eigenen Stil, hat 1889 seine erste Einzelausstellung in Oslo (das damals noch Christiania hiess).

 

Es folgt Paris, die logische Station der Künstler jener Zeit. Kaum dort angekommen, erreicht ihn die Nachricht vom Tod seines Vaters. Seine Bilder werden noch düsterer und melancholischer (Nacht in Saint-Cloud, 1890). In diese Zeit fallen auch die ersten Skizzen von «Der Schrei».

 

Nach der Jahrhundertwende präsentiert er seinen berühmten «Lebensfries»: Eine Serie von Bildern, die sich den Themen Keimen und Verglühen der Liebe, Lebensangst und, natürlich, dem Tod widmet – einmal mehr wenig Erbauliches. Er hat zwar in Berlin Erfolg mit seinen 22 Fries-Bildern (Ausstellung Berliner Sezession, 1902) und wird 1908 sogar zum Ritter des St.-Olav-Ordens ernannt, gerät aber persönlich mehr und mehr in Schwierigkeiten, läuft in ein Alkoholproblem. 1916 zieht er sich ganz nach Norwegen in seinen Hof Ekely bei Oslo zurück, lebt dort spartanisch, vereinsamt, in Isolation, nur von seinen Bildern umgeben. Die er heiss liebt – und nicht gerne verkauft. Er soll einmal gesagt haben: «Warum soll ich alle meine Bilder verkaufen, wenn ich von drei verkauften leben kann?». 1930 bekommt er Probleme mit seinen Augen, kann jahrelang nicht mehr arbeiten. 1942, in der Zeit der Nazi, werden 82 seiner Bilder als «entartet» deklariert und beschlagnahmt. 1944 stirbt er auf Ekely. 1963 bekommt er sein Museum in Oslo.

 

 

 

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Edvard Munch, Selbstporträt
in der Klinik, 1909.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Der Schrei, 1893-1910.

Sein berühmtestes Werk. Und weltweit so bekannt wie Leonardos Mona Lisa. Zwischen 1893 und 1910 hat Munch dieses Motiv dreimal verarbeitet. Zwei Gemälde hängen im Munch-Museum in Oslo, ein drittes (von 1895) befindet sich in Privatbesitz (und wurde 2013 im Museum of Modern Art in New York gezeigt). Lithografien davon gibt es in der Staatsgalerie Stuttgart und in der Hamburger Kunsthalle.

 

Berühmtes wird gerne gestohlen... 2004 klaut man aus dem Munch-Museum in Oslo die Version 1910. Die Täter konnten aber gefasst und der Schaden am Bild behoben werden. Und für die Version von 1895 zahlt 2012 ein New Yorker Geschäftsmann in einer Versteigerung bei Sotheby 120 Millionen Dollar.

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Das kranke Kind, 1885-86.

Eines seiner ersten Werke. Gemalt unter dem Eindruck der schleichenden Krankheit seiner älteren Schwester Sophie und deren Tod. Sie starb an Schwindsucht (Tuberkulose).

 

 

Nacht in Saint-Cloud, 1890.

Dieses melancholische und düstere Bild entsteht während Munchs Aufenthalt in Paris, nachdem er vom Tod seines Vaters erfahren hat. Es folgen noch weitere Werke in diesem Stil und das Bild mit dem Titel «Melancholie, 1892» (siehe Fotos, unten).

 

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Der Lebensfries, Berlin 1902

Eigentlich kein Fries, sondern eine Serie von 22 Bildern, die Munch an der 5. Ausstellung der Berliner Sezession von 1902 zeigt.

 

Sie sind den Themen «Keimen der Liebe», «Blühen und Vergehen der Liebe», «Lebensangst» und «Tod» gewidmet. Allein schon die Titel dieser Bilder sind furchterregend: Am Sterbebett, Tod im Krankenzimmer, Leichengeruch, Das Kind und der Tod...

 

Links von oben nach unten: Der Tanz des Lebens, 1899-1900. Madonna, 1894. Der Tod und das Kind, 1899.

 

Nur einmal konnte diese «Fries»-Sammlung komplett gezeigt werden, das war 1902 in Berlin. Danach wurde sie durch Verkäufe in alle Winde verstreut.

 

Fotoquellen: siehe Fotos/Diashow.
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Fotos/Diashow

   
   
   
   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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