Raffael (1483-1520)


Ein Superstar der italienischen Hochrenaissance und unbestrittener Meistermaler von Madonnen. Die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind ist sein liebstes Motiv, er malt es in allen Variationen – und zeitlebens.

 

Das Grundhandwerk als Maler lernt er zuhause in Urbino. Bei seinem Vater Giovanni Santi, der eigentlich Goldschmied ist. Mit 8 Jahren verliert Raffaello seine Mutter, mit 11 den Vater. Er malt in dessen Werkstatt, erhält erste Aufträge aus der Gegend um Urbino. Dann zieht er nach Perugia zu seinem Lehrmeister: Pietro Vanucci (1445-1523), der schon damals als «Perugino» eine Berühmtheit ist. Perugino gilt als Raffaels wichtigster Lehrer. Schon während der Lehrzeit wird klar, dass das junge Talent seinen Meister übertrumpfen wird.

 

Raffael zieht es nach Florenz, wo die Superstars
>
Michelangelo und >Leonardo da Vinci tätig sind. Er findet dort eine Nische: Madonnenbilder. Sie werden seine Spezialität, er erhält Auftrag um Auftrag.

 

1508 ruft ihn Papst Julius II nach Rom. Hier soll Raffael seine Privatgemächer ausgestalten, die «Stanzen». Eigentlich hat der Papst mehrere Künstler für diesen Auftrag einbestellt, aber als das erste Werk fertig ist («Die Schule von Athen»), ist er so begeistert von Raffael, dass er ihm die folgenden Arbeiten auch anvertraut und die anderen Künstler entlässt.

 

In Rom führt er auch architektonische Aufträge aus. Nach seinen Entwürfen wird eine Kapelle in der Kirche Santa Maria del Popolo ausgeführt. Und nach dem Tod des Petersdom-Architekten Donato Bramante überträgt ihm Papst Leo X (ein >Medici) die Bauleitung am Sankt Peter.

 

Sein letztes eigenhändig gemaltes Altarbild ist die «Verklärung Christi». Es wäre eigentlich für die Kathedrale Saint Justes in Narbonne bestimmt – Auftraggeber ist Kardinal Giulio de Medici – aber der Tod des Künstlers kommt dazwischen. Eine Woche nach seinem Tod wird das Bild im Vatikan ausgestellt, Kardinal Giulio schickt eine Kopie davon nach Narbonne.

 

Gemäss >Giorgio Vasari, dem berühmten Künstler-Biographen (1511-1574), stirbt Raffael am 6. April 1520. An seinem 37. Geburtstag. Und erst noch an einem Karfreitag. Ob das stimmt? Bei Vasari liegen Geschichte und Dichtung manchmal nah beisammen (se non è vero, è ben trovato...). Und woran Raffael gestorben ist, weiss man auch nicht. Vasaris Version geht in Richtung unsittlichem Lebenswandel und Syphillis, Wissenschaftler schliessen dagegen die Pest nicht aus. Zumal das Beerdigungsritual stark abgekürzt wurde, um die Ansteckungsgefahr zu verringern.

 

Der damals wie heute hoch verehrte Künstler wird im Pantheon in Rom bestattet. Seinen antiken Sarkophag kann man dort besichtigen.

 

 

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Raffael, Selbstporträt um 1506.
Galleria degli Uffizi, Florenz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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1500-1504 in der Lehre bei Perugino.

Wann genau Raffael zu «Perugino» (eigentlich Pietro Vanucci, 1445-1523) in die Lehre kommt, ist nicht klar. Gesichert ist hingegen, dass der junge Raffael seinen Meister leicht zu kopieren in der Lage ist, dann aber seinen eigenen Stil findet und seinen Lehrmeister überflügelt.

 

Gut zu erkennen ist das am Gemälde von 1504
«Die Vermählung der Maria» (Lo Sposalizio). Beide, Meister und Schüler, nehmen sich zur gleichen Zeit des Themas an. Oben das Werk Raffaels, unten jenes von Perugino. Auffallend, wie viel mehr Details Raffael in das Bild packt, wie er die Zentralperspektive deutlich herausarbeitet, und wie viel dynamischer seine Figuren sind, vom Licht und der Farbe ganz zu schweigen.

 

Raffaels Werk von 1504 ist heute in der Pinacoteca di Brera in Mailand zu sehen.

madonna

 

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Madonnen, Raffaels Lieblingsthema.

Maria mit dem Jesuskind war das Motiv der Renaissance schlechthin, und fast alle Künstler der Epoche haben sich ihm angenommen. Von allen sticht Raffael heraus. Keiner malt die Madonnen so lieblich und so lebendig. Und so natürlich. Maria ist nicht nur die Heilige wie in den Gemälden früherer Künstler des Mittelalters, sie ist immer auch die liebende Mutter. Wie viele Madonnenbilder Raffael gemalt hat, ist nicht bekannt. Es müssen hunderte sein.

 

Oben: «Madonna del Prato», 1506. Kunsthistorisches Museum Wien. Links: L'Alba Madonna, 1510. National Gallery of Art Washington.

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1508-1514: Im Dienste von Päpsten in Rom.

Papst Julius II beauftragt ihn mit der Ausgestaltung seiner Privatgemächer. In der Stanza della Segnatura (Bibliothek und Studierzimmer) malt Raffael dieses Fresko. Es heisst «Die Schule von Athen». Darin verarbeitet er Plato und Aristoteles und antike Philosophen, aber auch zeitgenössische Personen wie den Architekten des Petersdoms, Donato Bramante. Und zudem am rechten Bildrand sein Selbstporträt. Dem Papst gefällt das Werk: Raffael darf weitere Stanzen ausgestalten. Und vom Papst ein Porträt anfertigen. Es zeigt «Gottes Stellvertreter» mit weissem Bart, schon fast gottähnlich. Das Bild hängt heute in der National Gallery in London.

 

In Rom entsteht auch die Sixtinische Madonna, 1513-14. Sowohl die Madonna als auch das Jesuskind wirken ungewohnt realistisch, fast wie eine Fotografie. Die Jungfrau wird flankiert von der heiligen Barbara und links von Papst Sixtus II.

 

Es ist eines der bekanntesten Madonnenbilder überhaupt, und die beiden Engel am unteren Bildrand haben inzwischen ein Eigenleben entwickelt und Kultstatus erreicht: Von ihnen sind schon Millionen von Postkarten und Kunstdrucken um die ganze Welt gegangen.

 

Die «Sixtinische Madonna», gemalt 1513-14, ist in der Gemäldegalerie Dresden zu sehen.

 

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1518: La Fornarina, seine Geliebte?

Übersetzt «die kleine Bäckerin». Modell ist sie ganz bestimmt – ihr Gesicht ist auch in einigen seiner Madonnenbilder zu erkennen. Wahrscheinlich ist sie auch seine Geliebte. Ein Indiz dafür: der Armreif am Oberarm mit der Inschrift «Raphael Urbinas», was als eine Art Hochzeitsring gedeutet wird. Das Gemälde ist in der Galleria Nazionale d'Arte Antica in Rom zu sehen.

 

Eine andere Version der Bäckerstochter hängt in der Galleria Palatina in Florenz: «La donna velata», die verschleierte Frau. Gemalt 1516. Übrigens findet man erst im 19. Jahrhundert heraus, wer die Frau ist: Margherita Luti aus Siena. Verheiratet ist Raffael nie. Eine zeitlang verlobt war er mit einer Nichte eines Kardinals.

 

 

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Sein letztes Werk: Die Verklärung Christi.

Bis zu seinem Tod 1520 arbeitet er an an seinem letzten Werk. Es heisst «Die Transfiguration» und stellt Szenen aus dem Neuen Testament dar. Die Verklärung Christi auf dem Berg Tabor, die Heilung des mondsüchtigen Knaben. Als Raffael am 6. April 1520 stirbt, ist das Gemälde bis auf ein paar kleine Stellen vollendet. Der Leichnam wird in seinem Haus im Borgo unter diesem Bild aufgebahrt, bevor man ihn im Pantheon bestattet.

 

Auf seinem Italienfeldzug von 1797 bemächtigt sich Napoleon des Bildes. 1801 wird es in der Grossen Galerie des Louvre zusammen mit 20 weiteren Werken Raffaels gezeigt. Nach dem Niedergang Napoleons und dem Wiener Kongress 1815 geht das Werk an den Vatikan zurück. Heute ist es in der Pinacoteca Vaticana zu sehen.

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Fotos / Diashow

 

   
   

 

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