Tizian (1490-1576)


Kaiser Karl V ist sein grösster Fan. Weil Tizian nicht nur malen kann, sondern auch schönen. Hässliche Gesichter in schöne verwandeln. Und >Karl V ist nun wirklich hässlich mit seinem extrem vorstehenden Kinn. Aber auf den Gemälden von Tizian kommt er ganz passabel daher. Der Kaiser ist so begeistert, dass er den Künstler zum «Ritter vom Goldenen Sporn» schlägt. Normalerweise darf sowas nur der Papst. Aber als Kaiser... Notabene: auch Wolfgang Amadeus Mozart ist so ein Ritter. Und Benito Mussolini auch.

 

Wann Tizian zur Welt kommt, weiss heute niemand mehr. Im Sterberegister von Venedig steht: «Er starb im Alter von 103 Jahren». Geburtsjahr wäre also 1473. Zeitzeugen wie der Kunsthistoriker >Giorgio Vasari berichten dagegen, er habe Tizian 1566 getroffen, da sei er 76 gewesen. Dann wäre er 1490 geboren und 86 geworden. Schon realistischer.

 

Tiziano Vecellio ist der berühmteste Künstler Venedigs und zählt zum Kreis der bedeutendsten Vertreter der Hochrenaissance, zusammen mit Raffael, Leonardo und Michelangelo. Sein Markenzeichen sind die strahlenden Farben. Mit seinem Stil beeinflusst er ganze Maler-Generationen – weit über Italien hinaus. Rubens und Rembrandt, Poussin und Delacroix, sie alle sind seine Jünger.

 

Er selbst ist ein Schüler des Veneziers Giovanni Bellini (1437 bis 1516). Von Anfang an drückt er sich mit starken Farben aus und verleiht seinen Figuren einen lebendigen Ausdruck. Als sein Lehrer 1516 stirbt, übernimmt er in Venedig die Position als führender Künstler. Für 60 Jahre.

 

Papst Paul III bemüht sich, Tizian nach Rom zu holen. Im Vatikan arbeitet er zwar, erreicht aber sein Ziel nicht, ein päpstliches Lehen für seinen Sohn Pomponio zu erhalten. Trotzdem geht es ihm gut in Rom, er wird zum Ehrenbürger ernannt und künstlerisch defacto der Nachfolger von Michelangelo.

 

In seinen letzten 20 Jahren – nach der Machtübergabe Karls V an Philipp II im Jahr 1555 – arbeitet er hauptsächlich für den neuen spanischen König und als Porträtist. Der Tod seines Mäzens Kaiser Karl V im Jahr 1558 schwächt seine Lebensfreude und verändert seinen Malstil. Mit seinem persönlichen Älterwerden verlieren sich Farben und Leichtigkeit der früheren Jahre.

 

Tizian stirbt am 27. August 1576 in Venedig an der Pest. Er ruht in der Kirche Santa Maria Gloriosa dei Frari in Venedig. 

 

 

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Tizian, Selbstporträt, 1562.

Museo del Prado, Madrid.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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1507: Im Wettstreit mit Giorgione.

Tizian und Giorgione sind Schüler von Giovanni Bellini. Giorgione (1478-1510) malt, ohne vorher Zeichnungen anzufertigen. Tizian übernimmt diese Methode. Beherrscht sie so gut, dass man die beiden Künstler kaum auseinanderhalten kann (das ist bis heute so, Zuordnungen sind immer noch schwierig). 1510 stirbt Giorgione. 1516 auch Bellini. Nun ist Tizian der gefragte Mann in Venedig.

 

In der Kirche Santa Maria Gloriosa dei Frari malt er die >Mariä Himmelfahrt mit zwölf Aposteln. Das Bild sorgt für Begeisterung. 1517 erhält er von Venedig den Auftrag, Bellinis Bilder im Grossen Ratsaal fertig zu stellen. Zudem nimmt man ihn unter Vertrag: Er soll künftig alle Dogen porträtieren – zum Preis von 8 Kronen pro Stück.

 

Oben: «Heilige und weltliche Liebe», 1512. Galleria Borghese, Rom. Links: Maria Himmelfahrt. Hochaltar Santa Maria Gloriosa dei Frari, Venedig. 1516-18.

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1532: Hofmaler von Kaiser Karl V.

Er lernt den Kaiser in Bologna kennen und porträtiert ihn so «gut» (zu schön...), dass ihn der Kaiser zum Hofmaler ernennt und zum Ritter schlägt. Sogar seine Kinder werden geadelt. Dafür ist man in Venedig sauer auf den Künstler: er vernachlässige die Arbeiten im Dogen-Palast. Man entzieht ihm das Patent und vergibt dieses an Pordenone, doch dieser stirbt schon 1539, Tizian ist wieder im Rennen. Bild: Reiterporträt Karl V, 1548. Museo del Prado, Madrid. >mehr über Karl V

venus von urbino

1538: Venus von Urbino.

Interpretationen gibt es zu hauf. Ist es die Ehefrau Guidobaldos della Rovere? Oder die Göttin Venus? Oder eine Kurtisane? Auf jeden Fall trägt das Gemälde zu Tizians Berühmtheit bei. Galleria degli Uffizi, Florenz.

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1540: Erfolgreich und wohlhabend.

Tizian hat inzwischen eine Stellung erreicht, die nur noch mit Raffael, Michelangelo oder Rubens zu vergleichen ist. Er bekommt jährliche Zuwendungen vom Marquis del Vasto und von Kaiser Karl V. In Venedig bewohnt er eine Villa auf dem noblen Col di Manza. Bild: Papst Paul III, 1543. Galleria degli Uffizi, Florenz.

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1553: Danae empfängt den Goldregen.

Die griechische Mythologie gehört natürlich zu Tizians Palette. Hier geht es um Danae, die Tochter des Akrisios. Göttervater Zeus begehrt sie und findet durch das Hausdach Zugang zu ihr, indem er sich in einen Goldregen verwandelt. Aus der Verbindung entsteht der Sohn Perseus. Museo del Prado, Madrid.

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1576: Sein letztes Gemälde?

Die «Pietà» ist wahrscheinlich das letzte Werk Tizians. Es widerspiegelt die trübe Laune des Künstlers in seinen letzten Lebensjahren. Und möglicherweise auch die Stimmung in Venedig, während dort die Pest wütet, an der er selbst stirbt. Das Gemälde ist heute in der Galleria dell'Accademia in Venedig zu sehen.

 

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Wie Giorgio Vasari* Tizian beschreibt.

«Als Tizian die Art Giorgiones kennenlernte, suchte er sich von der des Gian Bellino frei zu machen. Er ahmte die Arbeiten Giorgiones in kurzer Zeit so gut nach, dass seine Bilder zuweilen irrig für Werke jenes Meisters gehalten wurden. Reifer an Jahren, Übung und Einsicht, führte Tizian eine Menge Bilder in Fresko aus, die man nicht der Reihe nach aufzählen kann, weil sie an verschiedenen Orten verstreut sind. Es genügt, dass viele verständige Leute urteilten, es werde ihm in der Kunst der Malerei Herrliches gelingen, wie es ja dann später auch wirklich geschehen ist.»

 

* Giorgio Vasari ist der erste Kunsthistoriker der Geschichte. Er verfasste Biographien über alle italienischen Malergrössen der Renaissance.

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