Ausstellung vom 2.9.17 - 4.3.2018
im Museum Franz Gertsch, Burgdorf.

Varlin (1900-1977)


Eigentlich heisst er ja Willy Guggenheim und kommt als Sohn eines Lithografen in Zürich zur Welt. Sein Vater stirbt früh, und so zieht die Restfamilie nach St. Gallen. Dort beginnt Willy eine Litografenlehre, bricht diese aber ab. Das Geschäft seines Vaters mag er nicht weiterführen – er will Künstler werden. Da passt ihm die Kunstgewerbeschule St. Gallen schon besser. Als er volljährig ist, lockt Berlin. Dort studiert er an der Staatlichen Kunstgewerbeschule.

 

1923 zieht es ihn nach Paris. Er verkehrt in den Kreisen der Avantgardisten, studiert aber auch an der Académie André Lhote. Ein paar Jahre später lernt er den polnischen Kunsthändler Léopold Zborowski kennen. Dieser nimmt ihn unter Vertrag. Allerdings hält Zborowski den jüdischen Namen Guggenheim nicht für verkaufsfördernd, da dieser schon «besetzt» ist von einer gewissen superreichen amerikanischen Industriellenfamilie, die zufällig auch noch im Kunstbusiness tätig ist... Er schlägt Willy vor, sich künftig «Varlin» zu nennen. Warum Varlin? Darüber gibt auch die Autobiographie von 1967 keinen Aufschluss, die der Künstler für eine Ausstellung in der Basler Kunsthalle schrieb. Sie liest sich ganz amüsant. Hier der >Link zur Autobiographie.

 

 

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Willy Guggenheim alias «Varlin».

 

 

1932 stirbt sein Pariser Kunsthändler Zborowski.
1933 kommt Hitler an die Macht. Zeit für Varlin, in die sichere Schweiz zurückzukehren. Er lebt die nächsten dreissig Jahre mit seiner Mutter in Zürich-Wollishofen. Finanziell geht es endlich aufwärts, er kann immerhin soviel seiner Arbeiten verkaufen, dass es auch für Reisen nach Italien, Frankreich, England und Spanien reicht.

1960 vertritt Varlin die Schweiz an der Biennale in Venedig und wird im gleichen Jahr mit dem «Guggenheim International Award» geehrt. Eine im Guggenheim Museum New York geplante Ausstellung platzt, dafür zeigt das Kunsthaus Zürich seine Werke.

 

1963 heiratet er Franca Giovanoli, die aus Bondo GR stammt. Bondo wird auch Varlins neue Heimat, er baut sich dort ein grosses Atelier auf. 1966 kommt seine Tochter Patricia zur Welt. Die letzte grosse Ausstellung erhält Varlin mit einer Retrospektive von 1976 in Mailand.

Er stirbt am 30. Oktober 1977 in Bondo GR.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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1927: Portrait du peintre Elias Kohn.

Es ist das einzige gezeigte Frühwerk in der Burdorfer Ausstellung. Und auch das einzige, das der Künstler mit seinem richtigen Namen signiert: Willy Guggenheim. Während seiner ganzen Schaffenszeit liebt er es, Porträts von mehr oder weniger berühmten Menschen zu malen, aber auch von unbekannten auf der Strasse. Das Werk gehört einer Privatsammlung.

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1944: Clochard Wolz.

Strassenszenen und Randfiguren gehören zu Varlins Standardrepertoire. Der bärtige Clochard Wolz ist oft in seinem Atelier – ein dankbares Motiv. Privatsammlung.

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1962: Portraits von Friedrich Dürrenmatt.

Auch der berühmte Schweizer Schriftsteller gehört zu seinen Modellen. Er soll einmal zu ihm gesagt haben «Du bist ja gar nicht so dick, wie ich dich gemalt habe». Dürrenmatt hält diese Bemerkung in einem Essay fest und meint: «Ich hatte vor seiner Kunst nicht bestanden!». Das Gemälde gehört dem Centre Dürrenmatt, Neuchâtel.

 

Dürrenmatt kauft Varlin über die Zeit hinweg mehrere Bild ab und wird so zu einem seiner Förderer. Er hält ihm auch die Stange, als ihn viele Zeitgenossen wegen seiner figurativen Art für zu wenig modern halten.

 

Von Dürrenmatt malt Varlin 1974 noch eine Version: Sie zeigt den Schriftsteller im Bett liegend.

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1961: Der Leichenwagen.

Seine Eperimentierfreudigkeit beweist er mit diesem Gemälde, das er mit originalen Kordeln ausstattet. Privatsammlung.

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1963: Die Heilsarmee.

Dieses über fünf Meter breite Monumentalwerk auf Holz erstellt Varlin für die Landesausstellung in Lausanne. Er verwendet dafür Öl, Kohle, Acryl, Metall und Stoff. Es gehörte Dürrenmatts Sammlung und kam später als sein Legat ins Kunsthaus Zürich.

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1975: Selfportrait.

In diesem expressiven Werk stellt sich Varlin als alten Mann dar – die Frisur wie teuflische Hörner gestylt. Ungewöhnlich sind auch die verwendeten Materialien: Öl, Kohle, Stroh, Metall und sogar Haare. Als Leinwand diente Jute. Im Besitz des Kunsthauses Zürich.

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1975-76: Gente del mio paese.

Eine Hommage an seine zweite Heimat Bondo im Bündnerland. Auf dem über 8 Meter breiten Bild stellt er 14 Figuren aus seinem Dorf dar. Der Bauer Pasini, die Krankenschwester Heidi, der Arzt Bruno, der Bergführer Adolfo, der Wildhüter Flavio, der Lehrer Arnoldo, seine Frau Franca... alle ziemlich karikiert. Dieses Monumentalwerk stellt er rund ein Jahr vor seinem Tod fertig. Museo Ciäsa Granda, Stampa.

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Fotos / Diashow

 

   
   

 

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