Giorgio Vasari (1511-1574)


Ja, er ist auch Maler. Sogar Hofmaler der Medici. Und dazu ein hochgeachteter Architekt, Erbauer der Uffizien in Florenz. Und auf der Ponte Vecchio konstruiert er für die Medici einen Korridor, der den Palazzo Pitti mit dem Palazzo Vecchio verbindet. Dieser trägt sogar seinen Namen: der Vasarikorridor. Und dennoch, in der heutigen Wahrnehmung ist er vor allem eines: Künstler-Biograph. Der erste Kunsthistoriker überhaupt.

 

Sein bekanntestes Buch «Künstler der Renaissance» beschreibt Grössen wie Michelangelo, Leonardo, Raffael, Botticello und Co. Bis heute ist es die wichtigste Quelle für moderne Kunsthistoriker.

 

Vasari wird 1511 in Arezzo geboren. Er entstammt einer Töpferfamilie und erlernt die Glasmalerei. Dank guter Beziehungen kann ihm sein Papa die beste humanistische Ausbildung verschaffen, die man zu dieser Zeit kriegen konnte: am Hof der Medici. Er wird in allen wichtigen Wissenszweigen unterrichtet und entwickelt so auch sein Interesse an der Literatur. Seine malerisch-künstlerischen Fähigkeiten erweitert er in den Werkstätten von Baccio Bandinelli und Andrea del Sarto.

 

1529 reist er erstmals nach Rom. Dort studiert er die Werke Raffaels und dessen Zeitgenossen. Nach seiner Rückkehr findet er in Florenz eine Anstellung als Hofmaler bei den >Medici.

 

Seine malerischen Werke werden zwar in seiner Zeit geschätzt, doch aus heutiger Sicht sind sie eher unbedeutend. Umso wichtiger sind dafür seine Künstlerbiographien. Sein Hauptwerk «Le Vite dei più eccellenti pittori, scultori, ed architettori» gilt als erste kunsthistorische Schrift überhaupt. Die Erstausgabe erscheint 1550 in Florenz. Darin stellt er die wichtigsten Künstler Italiens vor. Er ist auch der Schöpfer der heute gängigen Begriffe wie «Gotik», «Renaissance», und «Manierismus».

 

1563 überzeugt Vasari den ersten Herzog der Toscana, Cosimo I de Medici, eine Kunstakademie zu gründen. Sie heisst «Accademia del disegno» und ist die erste in Europa.

 

Vasari stirbt am 27. Juni 1574 in Florenz im Alter
von 63 Jahren.

 

 

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Giorgio Vasari, Selbstportrait
im Alter von ca. 60 Jahren.
Galleria degli Uffizi,
Firenze.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Vasari –erster Kunsthistoriker der Geschichte.

Sein Standardwerk «Le vite dei più eccellenti pittori, scultori ed architetti italiani» erscheint 1550. Es ist eine umfassende Biographie über mehr als 100 italienische Künstler und Architekten, beginnend im 13. Jahrhundert mit Cimabue. Vasari benennt bereits Kunststile und unterteilt diese in Epochen. Er ist der Begründer von Begriffen wie Gotik, Manierismus und Renaissance.

 

Eine Künstlerbiographie um 1550 – das ist in jener Zeit eine Sensation. Bisher wurden höchstens Heilige, Kirchenfürsten, Könige und Feldherren in Viten gewürdigt, sicher aber keine Künstler.

 

Vasari durchsetzt seine Biographien auch mit Anekdoten, die kaum noch überprüfbar sind. Moderne Kunsthistoriker bezweifeln zwar die eine oder andere Stelle, aber im Wesentlichen orientiert man sich bis heute an Vasaris Aufzeichnungen.

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Alessandro

Humanistische Bildung am Hof der Medici.

Bei den Medici holt sich Giorgio Vasari seine Basisbildung und die Kenntnisse in Kunst und Literatur. Er wird zusammen mit den Medici-Söhnen Ippolito und Alessandro ausgebildet. Alessandro ist ein Sohn von Papst Clemens VII und einer schwarzen Dienerin am Hof der Medici. Deshalb hat er eine dunkle Hautfarbe und wird «il Moro» genannt. Mehr über die >Medici.

 

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Apotheosis

Malerische Ausbildung. Hofmaler der Medici.

Seine malerische Ausbildung erhält Vasari in den Werkstätten von Andrea del Sarto und Baccio Bandinelli.

 

Ab 1531 arbeitet Vasari im Auftrag der Medici. Nach der Ermordung Alessandros im Januar 1537 wird er Maler des Ordens der Olivetaner (ein Zweig des Benediktinerordens). In dieser Funktion sammelt er auf seinen Reisen Informationen, die er in seine Künstlerbiographien einfliessen lässt.

 

Oben: Giorgio Vasari. Die Muse Calliope, 1555-58. Links: Apotheosis (Vergöttlichung) des Cosimo I, 1563-65. Beide Palazzo Vecchio, Florenz.

 

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Uffizien

 

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Vasarikorridor

 

Architektur in Praxis und Theorie.

Vasari arbeitet auch als Stadtplaner und Baumeister. Sein bekanntestes Werk sind die Uffizien in Florenz, die er zusammen mit Bernardo Buontalenti und Alfonso Parigi dem Jüngeren plant und erstellt. Mit dem Vasarikorridor auf der Ponte Vecchio, der den Palazzo Pitti mit dem Palazzo Vecchio verbindet, schafft er sich ein persönliches Denkmal.

 

In seinen Schriften zur Architektur befasst er sich u.a. mit der Gotik. Sein Urteil: «Monströs und barbarisch. Diese Werke lassen jegliche Ordnung vermissen...». Dafür lobt er – als fundierter Humanist – die Antike und die Renaissance, vor allem Brunelleschi und Bramante.

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Cosimo I

Gründung der «Accademia del disegno».

Cosimo I de Medici (1519-1574, erster Grossherzog der Toscana) ist Vasaris Zeitgenosse. Die beiden haben sogar das gleiche Sterbejahr: 1574. Mit ihm zusammen gründet Vasari 1563 die erste Kunstakademie Europas, die «Accademia del disegno». Sie ist nicht nur die Schule für Malerei, sondern auch eine Art Künstlergilde, der neben Vasari auch Michelangelo, Bronzino, Cellini und andere Grössen angehören.

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Gemälde von Giorgio Vasari

 

   
   

 

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