Kunst über Mittag


So heisst der Kurs, der von der Migros Klubschule angeboten wird. Eine interessante Formel! Einmal pro Woche trifft man sich über Mittag zwischen zwölf und ein Uhr im Kunsthaus Zürich, und wechselnde Referenten erläutern den Teilnehmern die Finessen eines einzelnen Werkes.

 

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Der Kurs findet zweimal jährlich während 12 Wochen statt, März bis Juni und Sepember bis Dezember.

Hier das «Protokoll» der besprochenen Werke in Kurzform.

 

 

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12. Juni 2018, Referentin Andrea Sterczer

Pieter Coecke van Aelst (1502-1550).

Der Künstler, seine Frau und ihre Kinder, um 1545.


Auf den ersten Blick ist es ein Selfie als Doppelporträt, obwohl der Titel eine Familie verspricht. Die Kinder sind ganz klein über den Köpfen des Paars gesetzt, in einer Art Balustrade. Sie lassen spielend ein Blatt Papier nach unten fallen. In beiden oberen Ecken sind Beine und Füsse zu erkennen, gemalt in antiker Form – ein Verweis auf die humanistische Bildung des Künstlers? Die Dame ist seine zweite Ehefrau, Mayken Verhulst, von Beruf Lehrerin.

 

Pieter Coecke van Aelst war nicht nur der Lehrer des berühmten
Pieter Brueghel d.Ä. (1525-1569), sondern auch dessen Schwiegervater: Brueghel heiratete 1563 Coeckes Tochter Maria. Welche der drei Kinderfiguren im Gemälde Maria sein könnte, ist nicht bekannt. Im Ölgemälde auf Eichenholz legt der Künstler seine Hand auf einen Totenkopf. Das Sujet Totenkopf kommt in jener Epoche in der Kunst oft vor. Interpretationsansatz: Jeder Mensch ist sterblich, aber die Kunst überlebt alles.

 

Pieter Coecke van Aelst kommt 1502 in Aalst zur Welt (in der Nähe von Brüssel) und tritt mit 25 als Meister der St.Lukas-Gilde in Antwerpen bei. Er ist aber nicht nur Maler, sondern auch Schriftsteller, Übersetzer, Architekt, Designer und Tappissier. Seine Wandteppiche finden in ganz Europa Absatz, und grosse Herrscher wie der englische >Henry VIII, der französische König François I oder der erste Herzog der Toscana, Cosimo I de >Medici, gehören zu seinen Kunden. Er ist eine zeitlang auch Hofmaler des Habsburger Kaisers >Karl V, der etwa zur gleichen Zeit lebt (1500-1558). Ab 1506 ist Karl Herzog der burgundischen (katholischen) Niederlande und wird 1520 zum Kaiser des hl. römischen Reiches gewählt. Van Aelst stirbt 1550 in Brüssel.

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5. Juni 2018, Referentin Rebecca Gericke

Jacob van Ruisdael (1628-1682).

Die Bleichen von Haarlem, 1670-75.


Auf den ersten Blick ist es ein Landschaftsgemälde, aber bei näherer Betrachtung wandelt es sich zum Genre-Bild. Es zeigt nämlich ein Gewerbe: das Textil-Bleichen. Haarlem ist in dieser Epoche bekannt für diese Arbeit und das Weben und Bleichen von Tüchern ist eine wichtige Erwerbsquelle. Der Bleichvorgang mit Wasser und Buttersäure dauerte sieben Monate. Im Gemälde, das in einem extrem feinen Duktus erstellt ist (Duktus= Pinselstrich), sind die im Feld zum Bleichen an der Sonne ausgelegten Tücher gut zu erkennen. Die Niederlande waren zu dieser Zeit in einen reformierten und einen katholischen Teil aufgeteilt, im Norden (Holland) die Anhänger Calvins, im Süden (Belgien) die Katholiken, die noch von den Spaniern kontrolliert wurden. Weil bei den Reformierten keine Aufträge für die Kirchenkunst mehr hereinkamen, arbeiteten viele Künstler «auf Vorrat» – also ohne konkreten Auftrag – und verkauften dann ihre Werke an Bürgerliche. Falls es doch noch Aufträge gab, kamen diese meist vom Gewerbe. Hier könnte es sich also um einen Auftrag der Gilde der Bleicher gehandelt haben. In der Malerei dieser Zeit gab es eine Hierarchie in der Bedeutung der Werke. Zuoberst stand die Historienmalerei, gefolgt von Porträts. An dritter Stelle stand die Genre-Malerei (Beruf, Alltag), an vierter die Landschaftsmalerei und an unterster Stufe das Stilleben.

 

Jacob van Ruisdael wurde 1628/29 in Haarlem als Sohn eines Landschaftsmalers geboren. Er lernte das Handwerk bei seinem Vater Isaak van Ruisdael und bei seinem Onkel Jacob Salomonsz van Ruysdael. Mit 20 war er bereits Mitglied der Malergilde von Haarlem, acht Jahre später zog er nach Amsterdam, wo er 1682 starb und begraben ist.

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29. Mai 2018, Referentin Maya Karacsony

Hans «Jean» Arp (1887-1966).

Concrétion humaine, 1933. Französischer Kalkstein.


Eigentlich heisst Arps Credo, die «Kunst von der Natur zu entfernen», doch in dieser Skulptur wird er sich selbst untreu. Nicht nur sein Titel verrät die «forme humaine», auch jeder Betrachter (und jede Betrachterin) wird unschwer die Rundungen einer Frau erkennen. Sonst stellen die meisten seiner Plastiken mit fliessend-organischen Linien «nichts» dar, es sind keine Nachahmungen aus der Natur – schliesslich ist Arp ja ein Surrealist, der die Natur abstrakt abbilden will. Bei der Verarbeitung seiner Skulpturen wendet Arp die «direkte Methode» an, also ohne vorher Zeichnungen anzufertigen.

 

Hans Arp kommt 1887 in Strassburg zur Welt, das zu dieser Zeit noch zum deutschen Reich gehört. Sein Vater ist ein Zigarrenfabrikant, der seine Fabrik 1907 ins luzernische Weggis verlegt. Auch Hans Arp lebt ab 1909 dort. 1915 werden seine abstrakten Werke erstmals in Zürich ausgestellt. 1916 ist er ein Mitbegründer des Dadaismus. 1922 heiratet er Sophie Taeuber. 1923 nimmt er in Paris an einer Ausstellung von Surrealisten teil. Dort hat er ab 1925 auch ein Atelier und wird Mitglied in der Künstlerbewegung «Abstraction-Création». 1926 zieht er mit seiner Frau nach Strassburg.

 

Im Zweiten Weltkrieg werden seine Werke von den Nazi als «entartete Kunst» eingestuft. 1942 fliehen die Arps nach Südfrankreich und später in die Schweiz. Nach dem Krieg nimmt er 1954 an der Biennale von Venedig teil und erhält dort den Grossen Preis für Skulpturen. 1958 hat er in New York im Museum of Modern Art eine Retrospektive. Er stirbt 1966 im Alter von 79 Jahren in Basel. Sein Grab ist in Locarno auf dem Friedhof Santa Maria in Selva. In Locarno befindet sich auch das «Museo Comunale Casa Rusca» mit seinem Nachlass, gestiftet von seiner zweiten Frau, Marguerite Hagenbach, die er 1959 geheiratet hat.

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22. Mai 2018, Referentin Maya Karacsony

Sophie Taeuber-Arp (1889-1943).

Coquilles et fleurs, 1938.


Das Holzrelief besteht aus vier Schichten, es ist weiss mit Ölfarbe bemalt. Es gibt davon vier Versionen, eine weist gelb bemalte Stirnseiten der Muster auf. Reliefs sind ein Mittelding zwischen Malerei und Skulptur. Die Künstlerin ist auf dem Sektor der Holzreliefs keine Pionierin – sie wurde vielmehr durch ihren Gatten Jean Arp dazu inspiriert.

 

Sophie Taeuber-Arp kommt 1889 in Davos zur Welt, als Tochter eines preussischen Apothekers und einer Appenzellerin. Sie wächst in Trogen auf, studiert in St. Gallen Kunst und Gestaltung, dann ab 1910 in München und Hamburg. Ab 1916 leitet sie an der Kunstgewerbeschule in Zürich die Textilklasse. 1915 lernt sie Hans (Jean) Arp kennen. Die zwei suchen nach neuen Kunstformen und neuen Materialien. Arp führt sie in den Kreis der Dadaisten ein, sie tritt als Ausdruckstänzerin im Cabaret Voltaire auf. 1922 heiraten die zwei im Tessin, 1926 ziehen sie nach Strassbourg, erhalten die französische Staatsbürgerschaft.

 

Ab 1929 ist Sophie Taeuber-Arp als freie Künstlerin tätig. Sie ist extrem vielseitig und experimentierfreudig, arbeitet als Malerin, Bildhauerin, Textilgestalterin, als Tänzerin der Avantgarde, als Dada- und Marionettenkünstlerin. Möglich, dass ihre Vielseitigkeit der Grund dafür ist, dass sie bis heute nicht die Reputation erhält, die ihr eigentlich zustünde – auch nicht in der Schweiz. Zeitlebens wird sie vor allem als «Gattin von Jean Arp» wahrgenommen. Sie stirbt 1943 in Zürich-Höngg in der Wohnung von Max Bill an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung durch einen defekten Ofen.

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15. Mai 2018, Referentin Susanne Huber

Pablo Picasso (1881-1973).

Guitare, verre et compotier avec fruits, 1924.


Picasso kommt es bei seinen Stillleben nicht auf die Dinge an, – diese sind austauschbar. Und haben auch keine symbolische Bedeutung wie früher bei den barocken Malern. Das Bild ist ein gutes Beispiel für den synthetischen Kubismus, der etwa 10 Jahre vor diesem Werk seinen Höhepunkt hatte. Synthetisch=zusammengesetzt, hier Zusammenfügung von farbigen Flächen. Beim Kubismus wird die Zentralperspektive aufgegeben, die Darstellung erfolgt aus verschiedenen Blickwinkeln, und das gleichzeitig. Die Realität wird auseinandergebrochen. Die schweren dunklen Schatten haben einen Hintergrund: Picasso malte seine Stillleben vorzugsweise nachts. Die Schatten schaffen eine Anbindung zu den Dingen, indem sie mit ihren Formen auf andere hinweisen. Zum Beispiel der Schatten der Gitarre, der mit einem «Pfeil» auf die Zeitung hinweist. Oder die Spitzen des Bildrahmen-Schattens, auf die Gitarre verweisend. Picasso hat immer Wert darauf gelegt, dass seine Werke in einem labilen Gleichgewicht für Spannung sorgen. >mehr über Picasso

van de cappelle

 

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8. Mai 2018, Referentin Andrea Sterczer

Jan van de Cappelle (1626-1679).

Boote in der Schelde-Mündung, 1651.


Van de Cappelle lebt in Amsterdam von Geburt bis zum Tod. Er gehört zu den privilegierten Malern, die aus wohlhabendem Haus stammen und es nicht nötig haben, Bilder zu verkaufen. Im Gegenteil, er kann sogar für seine eigene Kunstsammlung Werke von Rembrandt kaufen. Er selbst malt rund 150 Gemälde, meist Marinebilder oder Winterlandschaften.

 

Im vorgestellten Werk «Boote in der Schelde-Mündung» hält er sich an die in niederländischen Werken oft vorkommende Aufteilung 1/3 Meer, 2/3 Himmel. Das Meer ist bei allen seinen Werken ruhig. Das ermöglicht ihm, mit Spiegelungen im Wasser zu arbeiten, gut zu erkennen auf der Detailaufnahme. Durch das ruhige Meer und die dramatische Wolkenbildung schafft der Künstler eine bewusst herbeigeführte Spannung.

 

Die Schelde ist ein Strom, der in Frankreich entspringt und das Meer bei Antwerpen erreicht. Zur Zeit der Entstehung des Gemäldes (1651) gehörten das heutige Belgien und die Niederlande noch zusammen.

 

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Matthias Stom,
Befreiung Christi

 

 

 

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Sebastiano Ricci,
Nessus entführt
Deianeira.

 

 

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Detail

 

 

24. April 2018, Referent Reto Bonifazi

Matthias Stom (ca. 1600-1652)

Befreiung Petri, 1632.

 

Sebastiano Ricci (1659 - 1734)
Nessus entführt Deianeira, um 1700.

 

Der Bildvergleich zeigt die unterschiedlichen Malweisen im Barock.

 

Matthias Stom war ein niederländischer Maler des Frühbarocks, der
den grössten Teil seines künstlerischen Lebens in Italien verbrachte.
Erkennbar ist der Einfluss von Caravaggio. Die Befreiung Petri zeigt eine biblische Szene, die in der Apostelgeschichte 12, 4-11, beschrieben ist. Ein Engel befreit den schwer bewachten Petrus aus der Gefangenschaft des Herodes. Spontan hat das Bild eine fast «zeichnerische» Wirkung auf den Betrachter. Licht und Schatten sind die zentralen Elemente für die Gestaltung. Das Licht, das vom Engel ausgeht, kulminiert sich auf dem Gesicht von Petrus. Im Gegensatz zu den frühen Bildern der Verkündigung weicht Petrus nicht zurück.

 

Sebastiano Ricci war ein wichtiger venezianischer Males des

Hochbarocks. Die Szene stammt aus der griechischen Mythologie. Herkules muss mit seiner Gattin Deianeira einen Fluss überqueren, der Hochwasser führt. Der Kentaur Nessus anerbietet sich, die Frau auf seinem Rücken über den Fluss zu tragen. Das Bild zeigt drei Zeitabschnitte: Der Pfeil von Amor trifft den Kentaur, der von Liebe entbrannt, die Gattin entführt. Der vom Schmerz getroffene Herkules spannt seinen Bogen, um den Kentaur zu töten. Die Darstellung von Deianeira und Nessus zeigt eine gewaltige, vielschichtige, erotische Kraft. Die Maltechnik ist gut erkennbar am Bein des Kentaurs. Die «vibrierende Lockerheit des Pinselwerks» (Zitat aus 'Die Meisterwerke', Kunsthaus Zürich) zeigt das Spiel der Haare im Wind. In ähnlicher Weise ist der Fuss von Deianeira gemalt. Diese Technik führt zu einer Leichtigkeit, ohne dass die Genauigkeit verloren geht. (Text Ueli Kummer).

 

matisse

17. April 2018, Referentin Susanne Huber

Henri Matisse (1869-1954)

Margot, 1906.


Henri Matisse war ein bedeutender Künstler der Klassischen Moderne. Aus der Zusammenarbeit mehrerer Maler entstand um 1900 eine neue Stilrichtung, die als >Fauvismus in die Kunstgeschichte einging.

Modell für das Werk Margot war seine 1894 geborene Tochter Marguerite.
Die tiefe Beziehung zwischen Vater und Tochter führte dazu, dass sie zu einer Kennerin seines Werkes wurde und zu einer Informationsquelle für die Kunstwelt.

 

Das Bild eignet sich gut, um die Merkmale der Arbeit von Matisse zu studieren: Die Farbflächen dienen als wichtigste Gestaltungsmittel. Jede Farbe steht in Beziehung zu einer anderen. Verzicht auf Tiefenwirkung. Räumlichkeit entsteht durch Farbklänge. Zur Komposition gehören auch die Rhythmen der Formen. Wegen des starken Windes hält Margot den Schleier fest. Das Hutband bildet eine Diagonale, die eine Fortsetzung in der Hand und im Arm findet. Matisse wählte seine Farben intuitiv. Seine Gedanken dazu hielt er fest in «Notizen eines Malers». Zentrales Anliegen des Künstlers: Er will neben der Schönheit das Wesen des Menschen darstellen, bei Marguerite also ihre Sensibilität, ihre Begabung und ihre Lebenskraft.

 

Aus der Biographie von Marguerite: Luftröhrenschnitt im Jugendalter, tragende Rolle im Hause Matisse (die Gattin des Maler führte ein Modegeschäft), Entwicklung zur Expertin für das Werk ihres Vaters, Deportation und Flucht im zweiten Weltkrieg. (Text Ueli Kummer).

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10. April 2018, Referentin Andrea Sterczer

Moyses van Uyttenbroeck (1595-1647).

Landschaft mit Io und Inachos, 1626.


Der in Den Haag geborene Künstler vermischt in diesem Gemälde eine Szenerie der Lebensfreude mit griechischer Mythologie. Das Bild gehört in die Kategorie der «visionären Sachlichkeit» (>mehr). Im Zentrum steht Io, die Tochter des Flussgottes Inachos. Das ist aber nicht die nackte Dame, sondern die hübsche weisse Kuh mit Locken. Zeus hat Io nämlich in eine Kuh verwandelt, weil er sie vor seiner Gattin Hera verstecken muss. Hier die ganze Geschichte der >Io (griechische Mythologie).

 

Interessant an diesem Werk ist vor allem die Fantasie des Künstlers. Er bildet weder eine griechische noch eine niederländische Landschaft ab, sondern baut sie aus mehreren Elementen zusammen. Im Zentrum die Mythologie (Io und Inachos), im Hintergrund eine holländische Landschaft und links eine lebensfrohe Badeszene an einem alpinen (?) Wasserfall. Wie van Uyttenbroeck um 1626 herum auf diese Idee kam, ist ein Rätsel. Weder gibt es in den Niederlanden Wasserfälle, noch badeten die Menschen von damals so ausgelassen – und schon gar nicht nackt. Eine solche Szenerie könnte allenfalls in die heutige moderne Welt mit ihrem Freizeitaktivismus passen, aber vor 400 Jahren? Der Künstler muss zweifellos über eine sehr lebendige Fantasie mit geradezu visionärem Charakter verfügt haben.

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Annette, 1951.

 

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Buste d'homme,
Chiavenna I, 1964.

3. April 2018, Referent Daniel Näf

Alberto Giacometti (1901-1966).

Annette, 1951. / Buste d'homme, Chiavenna I, 1964.


Alberto ist der Sohn des Post-Impressionisten Giovanni Giacometti (1868-1933) und der Annetta, geborene Stampa (1871-1964). Das Bild «Annette» von 1951 zeigt aber nicht seine Mutter, sondern seine Ehefrau Annette Arm, die er 1943 in Genf kennenlernte. Sie war zunächst sein Modell. 1949 heirateten die beiden. Die Grundlage zu diesem Gemälde war Giacomettis Ziel, das «perfekte Bild» zu schaffen. Perfekt in dem Sinne, dass die Abbildung das verkörpern sollte, was das Auge sieht, genauer: sein Auge.

 

Im Zentrum steht dabei die Eigenschaft des menschlichen Auges, die Scharfstellung nur auf einen Punkt richten zu können – die «Umgebung» sieht man immer unscharf. Der Künstler legt die Schärfe auf den Kopf seines Modells. Das selbe Prinzip kommt auch bei seiner «Buste d'homme» zum Tragen: Nur der Kopf ist «scharf», das heisst fein ausgearbeitet, währenddem der Körper eine verschwommene Masse bleibt. Zurück zum Gemälde: Warum Giacomettis Auge den Kopf grau und nicht farbig sieht, lässt sich nicht schlüssig beantworten. Man müsste den Künstler fragen können. >mehr über Alberto Giacometti

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Herbert Esche

 

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Hanni Esche

 

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Erdmute und Hans-Herbert

27. März 2018, Referentin Gabriela Lutz

Edvard Munch (1863-1944).

Bildnisse der Familie Esche. Herbert, Hanni, Kinder, 1905.


Edvard Munch ist für seine Landschaften und emotionsgeladenen Werke («Der Schrei») weltberühmt. Er hat aber auch auf dem Gebiete der Bildnisse eine bedeutende Rolle gespielt. Anfänglich malte er vor allem Porträts in seinem engeren Umfeld, konnte damit jedoch kaum Geld verdienen. Durch die Vermittlung seiner Händler und Agenten erhielt er später lukrative Aufträge, besonders in Deutschland.

 

Der Kontakt zur Chemnitzer Unternehmerfamilie Esche, die Strumpfwaren herstellte, kam über den belgischen Architekten Henry van de Velde zustande. Dieser baute für Herbert Esche eine Villa und war auch für die gesamte Inneneinrichtung zuständig, vom Mobiliar bis zum Besteck. 1905 lud Herbert Esche Edvard Munch nach Chemnitz ein, um von ihm seine Familie porträtieren zu lassen. Es entstanden acht Bildnisse, von denen heute fünf im Kunsthaus Zürich zu sehen sind: Zwei Porträts von Herbert Esche, eines von Gattin Hanni, ein Einzelporträt von Tochter Erdmute sowie ein Doppelporträt der Kinder Erdmute und Hans-Herbert. In letzterem zeigt Munch eindrücklich, wie die Kinder bereits in frühen Jahren auf ihre künftigen Rollen eingestimmt waren: Der ernst blickende und seine Schwester beschützende Hans-Herbert als kommender Chef des Unternehmens Esche; das Töchterchen, fein herausgeputzt, in ihrer künftigen Rolle als Repräsentantin der Familie.

 

Herbert Esche verliess Chemnitz 1945 und zog zu seiner Tochter nach Küsnacht, wo er 1962 verstarb. >mehr über Edvard Munch

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La révolte des colombes, 1917. Kunstmuseum Basel.

20. März 2018, Referentin Maya Karacsony

Max Ernst (1891-1976).

Vier bemalte Steine, 1935.


Insgesamt 14 Steine gehören zu diesem Werk. Sie stammen vom Haus Giacometti im Bergell. Geformt wurden sie in Jahrtausenden durch Eis und Wasser, und Max Ernst bemalt sie 1935 in kindlicher Freude – als eine Art Poesie an die Natur. Hätte man den Surrealisten gefragt, was er damit ausdrücken wollte, es wäre eine vergebene Liebesmühe. Sie sind einfach entstanden.

 

Maximilian Maria Ernst kommt 1891 im Rheinland (Brühl) zur Welt. Er wird Bildhauer, Maler und Grafiker. Einen grossen Namen macht er sich als Surrealist, vor allem in Paris, wo er sich 1922 der Gruppe um André Breton anschliesst. Den Ersten Weltkrieg (1914-1918) überlebt er als Soldat. 1919 gründet er, «angeekelt von diesem blödsinnigen Krieg», mit Hans Arp die Kölner Dadagruppe «minimax dadamax». Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wird er 1939 mehrfach in Frankreich interniert. Er kann mit Peggy Guggenheim (die seine dritte Ehefrau wird) 1941 in die USA fliehen. In seinen Gemälden und Skulpturen schafft er – ganz Surrealist – bizarre Bildkompositionen von Landschaften und Vögeln.

 

An der 27. Biennale von Venedig wird er 1954 mit dem grossen Preis für Malerei geehrt. Damit geht seine Mitgliedschaft in der Surrealistengruppe zu Ende. Max Ernst gilt als Begründer von diversen neuen automatischen Maltechniken wie das Drip Painting, mit dem sich Jackson Pollock später einen berühmten Namen als abstrakter Expressionist macht. Seine letzten Jahre verbringt Ernst in Paris und in Südfrankreich. Mit 84 reist er 1975 ein letztes Mal nach New York: zur Eröffnung der Max-Ernst-Retrospektive im Solomon R. Guggenheim Museum.

 

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