Apsley-House: Wellingtons Residenz in London.

 

Apsley und Wellesley, alles klar? Wohl eher nicht. Wenn wir aber die Schlagworte Wellington, Napoleon und Waterloo hinzufügen, dann kommen Konturen auf. Der Reihe nach: Baron Apsley ist der Mann, der obiges Haus beim Hyde Park Corner erbauen liess, das war 1770. Er hiess... nein lassen wir das, sonst wirds noch unübersichtlicher. Also: Wellesley, Arthur Wellesley, ist der berühmte Duke of Wellington, der in der Schlacht von Waterloo Napoleon besiegte.

 

Wellington, wie man ihn heute kurz und knackig nennt, war ein erklärter Fan von >Napoleon. Aber auch sein schlimmster Feind. Die beiden sind im gleichen Jahr geboren, 1769, der eine in Dublin, der andere auf Korsika. Beides geniale Kriegsstrategen. Napoleon brachte es bis zum Kaiser, Wellington bis zum Feldmarschall und zum Premierminister. Bis heute zählt er in England zu den berühmtesten (und beliebtesten) Persönlichkeiten aller Zeiten.

 

Im belgischen Waterloo standen sich 1815 die beiden in der alles entscheidenden Schlacht gegenüber. Der Ausgang ist bekannt. Wellington siegte, Napoleon wurde ins Exil geschickt, auf eine winzige Insel im Südatlantik, auf St. Helena. Wo er 1821 starb. Wellington lebte noch bis 1852 und liess sich drei Jahrzehnte lang für seinen grössten Sieg feiern. Dass der Erfolg in Waterloo erst nach dem Eingreifen der preussischen Truppen unter General Blücher zustande kam, ist für die heutigen Engländer höchstens noch eine Randnotiz wert.

 

Für die anhaltenden Siegesfeiern kam Wellington seine Londoner Residenz im Apsley House gerade recht. Er hatte sie 1817 erworben und grosszügig ausgebaut. Aussen mit korinthischen Säulen, innen mit prunkvollen Sälen, aus denen (natürlich!) die Waterloo-Gallery heraussticht. Und direkt neben dem Apsley House liess sich der grosse Sieger 1826 den «Wellington Arch» errichten. Ganz nach seinem Vorbild Napoleon. Der hatte ja schliesslich seinen Arc de Triomphe an der Champs-Elysées.

 

 

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Arthur Wellesley (1769-1852), Erster Duke
of Wellington um 1815. Gemalt von

Thomas Lawrence (1769-1830).

Apsley House, London.

 

 

 

 

 

 

 

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Arthur Wellesley alias Wellington (1769-1852).

Das Apsley House beherbergt auch eine Gemälde-Sammlung. Von Velazquez, van Dyck und Francisco de Goya. Goya war ein erklärter Freund Wellingtons. Er war ihm dankbar, dass er dazu beigetragen hatte, die verhassten Franzosen aus Spanien zu vertreiben. Das Gemälde stammt aus dem Jahr 1812.

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Der Wellington-Arch beim Hyde Park Corner.

Ein gewaltiges Monument von Decimus Burton, erbaut in den 1820er-Jahren zu Ehren des Duke. Auf dem Bogen steht eine Bronze-Quadriga, die allerdings erst 1912 dort hin kam, vorher stand dort eine über 8 Meter grosse Statue des Duke of Wellington.

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Wellington mit seinem Lieblingspferd.

Steht neben dem Wellington-Arch. Und verewigt nicht nur den Duke, sondern auch sein Lieblingspferd «Copenhagen», auf dem er in der Schlacht von Waterloo 16 Stunden lang geritten sein soll. Nach dem Tod des Pferdes wurde dieses mit militärischen Ehren beigesetzt.

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Wellington als Achilles.

Diese 6 Meter hohe Achilles-Statue von Richard Westmacott steht im Hyde Park und verehrt den siegreichen Duke. Sie soll aus dem Material von französischen Kanonen gegossen sein.

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Die Waterloo Gallery im Apsley House.

In diesem prunkvollen Saal wurden die grossen Feste und Siegesfeiern ausgetragen. Das Gemälde «The Waterloo Banquet» von William Salter stammt aus dem Jahr 1836 und zeigt den Duke of Wellington bei einer Rede vor den versammelten Offizieren. Im Hintergrund die wartenden Damen, die bei den Reden keinen Zutritt hatten und nur zum Bankett zugelassen waren.

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Kaiserin Josephines Ägypten-Service.

Napoleon wollte seiner Kaiserin dieses Service zur Scheidung schenken, aber sie weigerte sich und gab es dem Hersteller zurück. Schliesslich landeten die kostbaren Stücke bei Louis XVIII, der sie Wellington schenkte, zum Dank für die Wiedereinsetzung der Bourbonen-Monarchie. Ein Teil des Services ist heute im Apsley House ausgestellt.

 

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Wellington, der totale Napoleon-Fan.

Dass sich Wellington nach dem Vorbild Napoleons einen eigenen Triumpfbogen leistete, wird man verstehen. Spannend aber wird es hier: Ein Jahr nach dem Sieg von 1815 über die Franzosen kaufte die britische Regierung dem Pariser Louvre eine über drei Meter hohe Marmorskulptur ab. Zum Preis von 66'000 Francs. Sie zeigt einen nackten Napoleon als Mars und stammt vom italienischen Künstler Antonio Canova. Es war ein Geschenk der Regierung an den Duke of Wellington, Besieger Napoleons. Wellington nahm das Geschenk dankend an und stellte das schwere Stück im Apsley House in den Flur an die grosse Treppe. Nicht aber, ohne vorher den Boden verstärken zu lassen.

 

Antonio Canova (1757-1822) hatte die Skulptur schon 1806 geschaffen und Napoleon 1811 präsentiert, als dieser noch Empéreur war. Da war der Kaiser aber schon 42 Jahre alt und befand, dass die Statue «etwas gar athletisch» geraten sei. Er verfügte daraufhin, dass man sie im Louvre unter Verschluss halten und der Öffentlichkeit nicht zeigen solle.

 

Wellington muss wirklich ein Napoleon-Fan gewesen sein. Man stelle sich nur mal vor, Joseph Stalin hätte 1945 nach dem Sieg über Nazideutschland einen nackten Hitler in sein Büro gestellt. Eine heitere Geschichte!

 

 

 

 

 

 

 

 

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