Museo del Prado, Madrid

 

Prado heisst Wiese. Wieso bloss nennt man ein Museum Wiese? Der Hintergrund: Das heutige Museum ist in jenen Gebäuden untergebracht, die ab 1785 die königlichen Naturwissenschaften beherbergten. Und die hiessen «Prado de San Jéronimo», also Wiese des Heiligen Hieronymus.

 

1815 war Spanien gerade die französischen Besatzer los geworden. Napoléon war Geschichte. Und König Fernando VII schielte nun nach Paris. So ein Kunstmuseum wie den Louvre, so was wollte er auch. Oder besser gesagt: Seine Gemahlin María Isabel de Braganza wollte das. Jedenfalls liess er die palastähnlichen Gebäude des «Gabinete de Ciencias Naturales» in ein Museum umbauen. 1819 konnte er sein «Museo del Prado» einweihen. Die erste Präsentation umfasste gerade mal 311 Gemälde, aber die nachfolgenden Könige bauten die Sammlung ständig aus. 1872 kamen noch die Werke des «Museo de la Trinidad» dazu. Heute sind im Prado tausende von Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen zu sehen.

 

Der Pariser Louvre blieb grosses Vorbild. Als dieser 1989 spektakulär umgebaut wurde – mit der genialen Pyramide – da wollte man auch im Prado Neues schaffen. Es enstand dann zwar nichts Spektakuläres, aber immerhin ein Erweiterungsbau mit unterirdischer Verbindung zum alten Museum. Damit konnte die Ausstellungsfläche um mehr als die Hälfte vergrössert werden.

 

Gross genug ist das Museum ja! Und so umfangreich, dass es Tage dauert (dauern würde), um alle Werke gebührend zu würdigen. Für die jährlich rund drei Millionen Besucher besteht der Reiz wohl eher darin, die «Top 50» zu suchen... und zu finden. Gar nicht so leicht, denn die Werke verteilen sich auf drei Etagen. Ziemlich nützlich ist der «Besichtigungs-Leitfaden», den man im Museumsshop («La Tienda») für ein paar Euros erstehen kann.

 

Der Schwerpunkt liegt naturgemäss auf den spanischen Künstlern. Auf dem alles überragenden Superstar >Francisco de Goya. Auf Velazquez, Murillo, Ribera, Zurbaran. Aber auch viele berühmte «Ausländer» sind vertreten: Bosch, Botticelli, Brueghel, Caravaggio, Dürer, Poussin, Raffael, Rembrandt, Rubens, Tizian, Tintoretto, Veronese und und und.

 

 

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Museo del Prado, Madrid.

 

 

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Superstar Francisco de Goya.

 

 

 

 

 

 

 

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Francisco de Goya (1746-1828).

Seine «nackte Maja» kennt jeder. Es gibt die Maja aber auch bekleidet. Diese Version hat Goya sicher als zweite gemalt. Die «Nackte» hat ihm viel Ärger eingebracht, er wurde sogar von der spanischen Inquisition verhört und er verlor den Titel eines Hofmalers... >mehr

velazquez

Diego Velazquez (1599-1660).

«Las Meninas oder Die Familie von Felipe IV», 1656. Das bekannteste Gemälde des Museums und das berühmteste des Künstlers, in dem er sich neben der Staffelei gleich selber mit ins Spiel bringt. Das hübsche Mädchen ist die Infantin Margarita.

murillo

Bartolomé Esteban Murillo

«Die hl. Familie mit dem Vögelchen», 1650. Murillo versteht es, mit Licht umzugehen. Seine heilige Familie zeigt er in einer Alltagsszene ohne jeden frommen Hintergrund. Maria am Spinnrad, Josef mit dem Jesuskind, das einen Spatz in der Hand hält.

ribera

Jusepe de Ribera (1591-1652).

«Die hl. Maria Magdalena», 1641. Eine bildschöne junge Frau in prächtigem Tuch. Es ist Maria Magdalena, die sich «nach einem Leben in Sünde» zurückgezogen hat, um zu büssen und zu beten. Die Idealvorstellung der Katholiken des 17. Jahrhunderts.

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Raffael (1483-1520).

«Der Kardinal», 1510-11. Keiner zu seiner Zeit malte so schöne Porträts wie Raffael. Es hiess damals, er male Personen «realer, als sie sind». Raffael liess sich 1508 in Rom nieder und konnte sich dort vor Aufträgen für Porträts kaum retten. Man sieht, warum.

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Tizian (1489-1576).

«Danae empfängt den Goldregen», 1553. Tizian malte dieses Werk für Felipe II. Es zeigt den Moment, wo sich der in Danae verliebte Zeus in einen Goldregen verwandelt, um Danae zu bezirzen. Aus der Vereinigung der beiden ging Perseus hervor.

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Domenico Tintoretto (1560-1635).

«Frau mit entblösster Brust», 1580. Warum sie das tut, ist nicht bekannt (wahrscheinlich wollte der Künstler das einfach so...). Es soll sich bei der Schönen um eine bekannte venezianische Kurtisane namens Veronica Franco handeln. Der Prado zeigt sechs Versionen mit unterschiedlichen Stufen von Nacktheit.

caravaggio

Caravaggio (1571-1610).

«David und Goliath», 1600. Das Gemälde zeigt einen Handlungsmoment zwischen David und Goliath, der so in der Bibel nicht vorkommt: David schnürt die Haare Goliaths, damit er seine «Trophäe» den israelitischen Truppen vorführen kann.

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Hieronymus Bosch (1450-1516).

«Der Garten der Lüste», 1500-1505. Vom Paradies zur Hölle und zurück. Fleischeslust und Moral. Das Werk enthält hunderte von Figuren und Details – und im Museum stauen sich die Leute davor. Ein Gemälde, auf dem man die Augen stundenlang wandern lassen könnte.

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Peter Paul Rubens (1577-1640).

«Die drei Grazien», 1635. Die drei Jungfrauen Aglaia, Euphrosyne und Thalia lebten bei den Göttern und nahmen an deren Banketten teil. Sie standen im Dienste der Liebesgöttin Aphrodite und waren auf ewig vor der Langeweile gefeit... heisst es in der griechischen Mythologie.

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Plan des Prado-Museums

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