Kaiser Franz Josef I (1830-1916).


Als er 1916 starb, war sein österreichisch-ungarisches Reich am Ende. Und mit ihm die Monarchie «von Gottes Gnaden». So hatte das der Kaiser sein ganzes Leben lang gesehen. Nie hätte er sich eine andere Regierungsform vorstellen können als die des absoluten Herrschers, eingesetzt von Gott.

 

Er war länger an der Macht als alle anderen: 68 Jahre.

Felsenfest war er davon überzeugt, dass einzig der Kaiser in der Lage war, für «sein Volk» das Richtige zu tun. Er machte sich das Regieren zur Pflichterfüllung, soll Tag und Nacht gearbeitet haben, heisst es. Er habe sich jeden Morgen um halbvier wecken lassen.

 

Sein persönlicher Lebensstil war sparsam bis geizig. Ausnahmen machte er nur gegenüber seiner Gattin Elisabeth – und seiner Geliebten Katharina Schratt. Stärke bewies er vor allem nach militärischen und politischen Niederlagen sowie bei Schicksalsschlägen, die er mit stoischer Ruhe ertragen haben soll. Wie die Exekution seines Bruders Maximilian (der als Kaiser von Mexiko exekutiert wurde); wie der Suizid seines einzigen Sohnes Rudolf; wie die Ermordung seiner geliebten Sisi durch einen Attentäter in Genf. Von seiner Umwelt wurde er wohl deswegen oft als gefühlskalt bezeichnet.

 

Erst 1867 – nach schweren militärischen Niederlagen gegen die Italiener und vor allem gegen Preussen – musste er sich widerwillig mit der Idee einer konstitutionellen Monarchie befassen. Dass es so weit kam, ist auch ein «Verdienst» seiner Gemahlin Sisi, die eine Versöhnung mit den Ungarn zustande brachte. Franz Josef wurde in der Folge König von Ungarn. Zum Preis der Rückstufung in den Rang eines Herrschers mit Klotz am Bein – in Form eines Parlamentes.

 

Aber so dramatisch war das für den Kaiser nicht. Denn anders als in der Britischen Monarchie war die Regierung weiterhin dem Kaiser verpflichtet und weniger dem Parlament. Die Minister waren in erster Linie Berater des Kaisers. Im Krisenfall blieb der Kaiser ermächtigt, das Reich ohne Parlament mittels Notparagrafen zu regieren. Davon machte er wiederholt Gebrauch.

 

Auch die Armee blieb ein Instrument der kaiserlichen Macht. Sie war ausserhalb der parlamentarischen Kontrolle und unterstand dem «Obersten Kriegsherrn», also ihm, dem Kaiser. Seine K&K-Armee war das staatstragende Element seiner Monarchie. Dank ihr schaffte er es immer wieder, liberale und föderalistische Tendenzen im Keim zu ersticken.

 

Zeitlebens sah er sich als Soldat. Sein einziges Hobby hatte auch mit Schiessen zu tun: die Jagd. Auf seinen Abschusslisten sind 55'000 Stück Wild erfasst.

 

Gegen Ende seines Lebens wurde Franz Josef zu einem Relikt einer längst vergangenen Epoche. Er hatte die Entwicklungen der modernen Gesellschaft verschlafen. So wurde er zur Symbolfigur einer Monarchie, die stur an ihren alten Grundsätzen festhielt und für Modernisierungen kein Verständnis zeigte. Damit trug der alternde Kaiser entscheidend zum Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie bei.

 

 

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Zeitlebens Soldat... Kaiser Franz Josef I,

um 1885. Foto Carl Pietzner.

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Franz Karl

 

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Sophie Friederike von Bayern

Der Vater: Erzherzog Franz Karl (1802-1878).

Als Erzherzog von Österreich könnte er als Nachfolger seines Vaters Franz II (1768-1835) Kaiser werden. 1848 verzichtet er aber darauf – zugunsten seines Sohnes Franz Josef.

 

Die Mutter: Sophie Friederike von Bayern.

(1802-1878). Franz Josef ist ihr erstes Kind. Die später (vor allem in den Sisi-Filmen) als «böse Schwiegermutter» dargestellte Frau verzichtet 1848 – wie ihr Gemahl – auf den Kaiserthron und setzt sich dafür ein, dass ihr 18-jähriger Sohn Kaiser wird. Sie ist ihm in seinen ersten Kaiserjahren eine wichtige Beraterin.

 

Ihr Lieblingssohn ist aber Maximilian, der als Kaiser von Mexiko 1867 exekutiert wird.

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Franz Josef als Zehnjähriger. Von Moritz Micheal Daffinger (1790-1849), 1840. Museo del Prado, Madrid

Knallharte Ausbildung zum Kaiser.

Bereits mit 7 Jahren beginnt seine Ausbildung in Staatskunde. Seine religiösen Berater vermitteln ihm die «Gewissheit», göttlicher Herkunft zu sein. Damit legen sie den Grundstein zu seiner künftigen Haltung: er wird die Mitwirkung eines Parlamentes in der Regierung für überflüssig halten. Seine schulische Ausbildung ist knallhart: Neben Politikwissenschaft büffelt er Mathematik, Physik, Geschichte und Geographie. Zudem erwartet man von ihm, dass er die wichtigsten Sprachen seiner Monarchie beherrscht: Ungarisch, Tschechisch, Italienisch, Polnisch. Und Französisch als Diplomatensprache sowieso, dazu Latein und Griechisch als Kultursprachen. Seine militärische Ausbildung erfährt 1843 einen ersten Höhepunkt: Im zarten Alter von 13 Jahren wird er Oberst eines Dragonerregiments.

 

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Franz Josef mit 21 Jahren. Gemälde von Johann Ranzi.

1848: Mit 18 Jahren auf den Kaiserthron.

Am 2. Dezember 1848 proklamiert man ihn in der fürstbischöflichen Residenz von Olmütz zum Kaiser von Österreich. Die liberalen Kräfte im Reich werden vom jungen Kaiser bald enttäuscht, weil die alten reaktionären Gene in ihm durchschlagen. Er unterdrückt die Revolution und verfolgt die führenden liberalen Köpfe, drängt sie ins Exil oder lässt sie hinrichten. Er vereitelt 1851 die Versuche der aufgeklärten Kräfte, eine Verfassung zu etablieren. Im Liberalismus sieht Franz Josef eine gefährliche Bedrohung seiner Macht. Er versteht sich als absoluter Monarch, nur Gott verantwortlich.

 

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Kaiserin «Sisi» Elisabeth, 1856. Von Anton Einsle (1801-1871).

 

 

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Franz Josef mit Elisabeth, Rudolf, Marie Valerie und Gisela um 1856.

 

 

1854: Die Hochzeit mit «Sisi» (1837-1898).

Franz Josefs Mutter Sophie sucht die geeignete Braut für ihn. Im Hause Wittelsbach wird sie fündig. Sie präsentiert ihm zwei Kandidatinnen: Helene und Elisabeth («Sisi»). Franz entscheidet sich für die 15-jährige Sisi. Die Hochzeit findet am 24. April 1854 in der Wiener Augustinerkirche statt.

 

Das Paar zeugt vier Kinder: Sophie Friederike (stirbt 2-jährig), Gisela (1856-1932), Kronprinz Rudolf (1858-1889) und Marie Valerie (1868-1924).

 

Das Leben der Eheleute ist problematisch. Sisi findet wenig Gefallen am strengen Hofzeremoniell und flieht in ausgedehnte Reisen. Zudem kämpft sie gegen ihre Schwiegermutter, die aus dem sensiblen Kronprinz Rudolf einen strammen Krieger formen will.

 

Sisis grösster Verdienst ist die Versöhnung mit Ungarn. Sie kämpft dafür, dass die Ungarn ihre Verfassung von 1848 zurück bekommen – gegen den Willen ihres Kaisergatten. 1867 ist es soweit, aber Kaiser Franz Josef wird in seiner Machtfülle zurückgestuft. Er ist jetzt nur noch konstitutioneller Monarch. Dafür neu auch noch König von Ungarn. Und Sisi wird zur >Königin von Ungarn gekrönt.

 

1898 ist das Schicksalsjahr für Sisi: Im Januar nimmt sich ihr Sohn Kronprinz Rudolf in Mayerling das Leben, am 10. September 1898 wird sie selbst in Genf von einem Attentäter ermordet.

 

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Kaiser Franz Josef I, 1865. Foto Josef Albert (1825-1886)

Militärische Niederlagen, K&K-Monarchie.

Als Kriegsherr ist Franz Josef wenig erfolgreich. Zuerst muss er in der Schlacht von Solferino 1859 eine schwere militärische Niederlage einstecken. Die Lombardei und Venetien gehen verloren. Dann kommt es zum Krieg mit Preussen. Die Österreicher unterliegen erneut, Königgrätz 1866. Preussen wird zur Grossmacht. In Ungarn muss Franz Josef 1867 seinen Widerstand gegen die Liberalen aufgeben und die Verfassung von 1848 wieder einführen. Dafür kann er, neu als König von Ungarn, sein Reich neu formieren: Es entsteht das Gebilde der berühmten >k. und k. Doppelmonarchie (kaiserlich-königliche Monarchie Österreich-Ungarn). Ein Dämpfer für den Kaiser: Er ist jetzt nur noch konstitutioneller Monarch.

 

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Kaiser Franz Josef I im Alter von 80 Jahren.
(Künstler unbekannt)

Die überschätzte militärische Macht .

Das Regieren der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn ist nicht problemfrei. Immer lauter wird in den nördlichen und westlichen Teilen des Reiches der Ruf nach Föderalimus. Franz Josef verweigert sich diesen Anliegen, der Nationalitätenkonflikt schwelt. Auch die Beziehung zu Russland verschlechtert sich in dem Masse, wie Österreichs Spannungen zum Balkan, vor allem zu Serbien, zunehmen. Franz Josef ist von der militärischen Überlegenheit seiner Armee überzeugt, glaubt sich zudem durch seinen Bündnispartner, das deutsche Kaiserreich, gestärkt.

 

Als am 28. Juni 1914 in Sarajevo der Thronfolger Franz Ferdinand von einem Attentäter erschossen wird, erklärt der Kaiser Serbien den Krieg. Es ist der Auslöser für den ersten Weltkrieg. Deutschland stellt sich an die Seite von Österreich-Ungarn; Serbien erhält Schützenhilfe aus Russland, Frankreich, England. Am Schluss stehen sich 40 Nationen gegenüber, die über 60 Millionen Soldaten stellen. Davon fallen in den Kriegsjahren 1914-1918 etwa 15 Millionen. Die zivilen Toten sind dabei nicht eingerechnet.

 

Franz Josef erlebt die verheerende Niederlage im ersten Weltkrieg nicht mehr. Er stirbt 1916 im Schloss Schönbrunn an einer Lungenentzündung. 68 Jahre lang war er an der Macht – länger als jeder andere. Mit ihm geht auch das österreichisch-ungarische Reich zu Ende – und eine grosse Ära des Hauses Habsburg.

   
   

 

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