Die schreckliche Medusa.


Sie ist eine der drei gorgonischen Schwestern, die jenseits des Meeres wohnen. Es sind schreckliche, geflügelte Gestalten mit Schlangenhaaren. Und jeder, der sie anblickt, erstarrt zu Stein. Ihre Namen lauten: Stheno, Euryale und Medusa.

 

Nach Homer – der um 850 v. Chr. gelebt haben soll und Schöpfer der Ilias und der Odyssee ist – gibt es allerdings nur eine Gorgo. Bei Hesiod (ca. 700 v. Chr.) hingegen sind es dann die drei gorgonischen Schwestern. Und Hesiod muss es ja wissen, denn er gilt als der Schöpfer der griechischen Mythologie.

 

Später (ca. 300 v. Chr.) kommt noch eine Version dazu. Die Gorgone soll eine Schwester Alexanders des Grossen sein. Nun ist sie aber keine Schreckgestalt mehr, sondern eine bildschöne Nixe, die im Wasser lebt. Bei jedem vorbeikommenden Schiff fragt sie, ob Alexander noch lebe. Antwortet man ihr mit nein, zieht sie das Schiff samt Besatzung zu sich hinab.

 

Bleiben wir bei der schlangenhaarigen Medusa. Sie ist als einzige der drei Gorgonenschwestern sterblich. Was ihr letztlich zum Verhängnis wird: Perseus, Sohn des Göttervaters Zeus und der Danae, enthauptet sie. Im Moment ihres Todes entspringt ihrem Körper das geflügelte Pferd Pegasus, mit dem sie schwanger war. Von Poseidon, dem Gott des Meeres...

 

 

medusa

So sieht Caravaggio (1571-1610) die Medusa.

Das Gemälde hängt in der Galleria degli Uffizi
in Florenz.

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt):

Peter Paul Rubens (1577-1640). Kopf der
Medusa, 1617-18. Kunsthistorisches
Museum Wien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Die Medusa in
einem Mosaik
aus dem 2. Jht.
Archäologisches
Museum Sousse,
Tunesien. Foto
© Ad Meskens,
WikiCommons.

 

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Rubens. Kopf
der Medusa, 1617.
Kunsthistorisches
Museum Wien.

 

Medusa – bildschön oder schreckeinflössend?

Ursprünglich ist Medusa eine wunderschöne Frau mit herrlichem Lockenhaar. Als aber Pallas Athene in einem ihrer Tempel Poseidon beim Liebesspiel mit Medusa erwischt, ist sie so erzürnt, dass sie sie in ein Ungeheuer mit Schlangenhaaren, bronzenen Armen, Schweinshauern, einem Schuppenpanzer und glühenden Augen verwandelt.

 

Eines der berühmtesten Gemälde der Medusa stammt von Peter Paul Rubens (1577-1640). Die extrem naturalistisch dargestellten Schlangen sollen vom flämischen Maler Frans Snyders
(1579-1657) gemalt worden sein.

 

Frans Snyders machte sich vor allem als Tiermaler einen grossen Namen. Rubens und Snyders arbeiteten oft zusammen. Snyders war ein Schüler von Pieter Brueghel (1564-1638).

perseo-mit_kopf-der-medusa

Benvenuto Cellini
(1500-1571).
Perseo con la
testa di Medusa,
1545-54. Loggia
d. Lanzi, Florenz.

 

 

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Antonio Canova
(1757-1822).
Perseus mit dem
Kopf der Medusa,
1800. Vatican
Museum Rom.

 

Perseus mit dem Haupt der Medusa.

Wer ist Perseus? Er ist der Sohn des Göttervaters Zeus und der Danae. >mehr


Und wie kommt er dazu, Medusa zu enthaupten? Wegen Polydektes, dem König von Seriphos. Dieser steht auf Perseus' Mutter Danae und stellt ihr nach. Perseus gefällt das nicht. Er opponiert. Polydektes denkt sich eine List aus, um Perseus aus dem Weg zu schaffen. Er verlangt von ihm, das Haupt der Medusa zu beschaffen – wohl wissend, dass die Medusa jeden versteinert, der sie erblickt.

 

Aber Perseus gelingt es mit Hilfe der Göttin Athene, die ihm gestellte Aufgabe zu erfüllen. Athene leiht ihm einen verspiegelten Schild und erklärt ihm, wie er Medusa töten kann, ohne ihr ins Gesicht blicken und deshalb zu Stein erstarren zu müssen.

 

Mit Hilfe einer Tarnkappe schleicht er sich an die schlafende Medusa heran – und schaut nicht direkt auf ihr Gesicht, sondern auf dessen Abbild, das sich in Athenes Schild spiegelt. So entgeht er der Versteinerung. Mit einem gezielten Schlag enthauptet er Medusa.

 

pegasus

Das geflügelte
Pferd Pegasus im Giebel des Bayrischen
Nationaltheaters München. Bild D.Fuchsberger,
WikiCommons.

 

Medusa – die Mutter des Pegasus.

 

Als sie noch ohne Schlangenhaare und bildschön ist, begehrt sie Poseidon, der Gott des Meeres (und Bruder von Göttervater Zeus). Er verwandelt sich kurz in ein Pferd und schwängert Medusa. Medusa steuert die Flügel bei. Aus der Verbindung entsteht das geflügelte Pferd Pegasus.

 

Zu Fleisch wird Pegasus in dem Moment, als Perseus die Medusa enthauptet. Das geflügelte Pferd soll aus Medusas Nacken geboren sein. In einer anderen Version heisst es, es sei jener Stelle entsprungen, auf die Medusas Blut getropft ist.

 

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Gustave Moreau
(1826-1898).
Hesiod und die
Muse, 1891.
Musée d'Orsay,
Paris.

Hesiod und die griechische Mythologie.

Der griechische Dichter, Ackerbauer und Viehzüchter lebte etwa um 700 v. Chr., vermutlich in Böotien (Mittelgriechenland). In seinem Hauptwerk «Theogonie» schildert er die Entstehung der Welt und der Götter. Es gilt heute als die Grundlage der griechischen Mythologie.

 

Die «Welt», wie Hesiod sie erlebte, umfasste den östlichen Mittelmeerraum und Kleinasien. Das westliche Mittelmeer war ihm nur schemenhaft bekannt. In seinen Schriften erwähnt er auch das Schwarze Meer, die Donau sowie die Alpen. Der Teil Europas, der sich nördlich der Alpen befindet, war Hesiod unbekannt.

 

Während bei Homer (ca. 850 v. Chr) nur eine Gorgone vorkommt, sind es bei Hesiod die drei Schwestern Stheno, Euryale und Medusa.

 

 

   
   

 

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