Henri Matisse (1869-1954)


«Haltet euch an die Natur!», predigen seine Lehrer an der Ecole des Beaux-Arts in Paris. Das passt ihm gar nicht. «In meiner ganzen Laufbahn habe ich mich gegen diesen Leitsatz aufgelehnt», erklärt Henri Matisse 1951, drei Jahre vor seinem Lebensende. Seine Auflehnung hat zur Folge, dass er auf der ständigen Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten ist. Und weil diese Suche nie endet, weist seine Karriere als Künstler eine ganze Reihe von Richtungswendungen auf.

 

1899 verlässt er die die Ecole des Beaux-Arts und arbeitet nach seinen Vorstellungen. 1905 lernt er André Derain und Maurice de Vlaminck kennen. Mit diesen zwei entwickelt er jenen Stil, der sich «Fauvismus» nennt (mehr im Kasten rechts). 1908 gründet er seine eigene Schule, die «Académie Matisse».

 

Am Ersten Weltkrieg schrammt er gerade noch vorbei: Er meldet sich 1914 zwar freiwillig zum Dienst, wird aber – sein Glück!– abgelehnt.

 

1918 bekommt er seine erste grosse Ausstellung in Paris, – zusammen mit Pablo Picasso. Schon damals werden die zwei als die führenden Meister der zeitgenössischen Kunst betrachtet.

 

1931 dann der «Ritterschlag» durch das Museum of Modern Art (MoMA) in New York, das ihm eine Einzelausstellung widmet.

 

Noch während des Zweiten Weltkrieges (1943 – da ist er bereits 74) beginnt Matisse mit seinen berühmten Scherenschnitten und Klebekompositionen, die er für diverse Bücher fertigt. 1945 werden seine Werke im Salon d'Automne in Paris und im Victoria & Albert Museum in London gezeigt.

 

Matisse stirbt 1954 an einem Herzanfall und wird auf dem höchsten Punkt des Friedhofs von Cimiez (Nizza) beerdigt. In Nizza steht seit 1963 auch das Musée Matisse; ein weiteres hat er 1952 in Le Cateau im Norden Frankreichs selbst gegründet: das «Musée Départemental Henri Matisse».

 

Die umfangreichste Matisse-Sammlung führt das Baltimore Museum of Art, Baltimore/USA.

 

 

matisse

Henri Matisse

(Foto Carl van Vechten/Wiki)

 

 

collioure

Wo der Fauvismus «erfunden»
wurde: Collioure, Südfrankreich.

 

 

 

 

>Fotogalerie Collioure

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

nature_morte

1899: Nature morte, buffet et table.

Dieses Werk hängt im Kunsthaus Zürich. Es stammt aus Matisse' früher Phase und ist im Stil des Divisionismus gemalt, bei dem die Farben als Punkte aufgetragen werden. Der Pointillismus ist eine Form des Divisionismus.

 

barbizon

Henri Matisse (1869-1954). Barbizon, 1908.
Kunsthaus
Zürich.

1908: Barbizon.

Man glaubt im Hintergrund einen Wald zu erkennen. Die Farben sind frei erfunden. Ob wohl die türkisfarbige Fläche für einen Weiher oder für einen Weg steht? Nicht verwunderlich, dass die Zeitgenossen solche Werke zunächst schräg anschauten.

 

«Barbizon» ist auch der Name einer Schule, die von einer Gruppe französischer Landschaftsmaler Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet wurde. Die Künstler hielten sich in dem Dorf Barbizon am Wald von Fontainebleau auf. «Schule» bedeutet hier: Die Künstler setzten sich für die Ablehnung der alten akademischen Lehre (klassisch-idealistisch) ein, zugunsten einer realistischen Naturdarstellung, die sie aber nicht strikte definierten.

 

matisse

1925: Figure décorative sur fond ornamental.

Jetzt sind wieder Figuren und gegenständliche Elemente des Hintergrunds auszumachen und zu erkennen.

 

Das Gemälde hängt in Paris: im

>Centre Pompidou.

maquette

Henri Matisse, maquette pour une couverture pour «verve iv», No 13, 1943.

1943: Scherenschnitte.

Im Alter von 74 Jahren beginnt Matisse mit seinen Scherenschnitten. Es heisst, sein nachlassendes Augenlicht sei der Grund dafür gewesen. Aus mit Gouache bemalten Papieren schneidet er grobe Formen aus und klebt sie auf farbigen Grund. Seinen Kritiker finden das «inakzeptabel» und nicht matissewürdig. Wer heute solche Matisse besitzt, motzt nicht mehr. >Museum Berggruen, Berlin.

 

Matisse und der «Fauvismus».

 

Den Sommer 1905 verbringt Matisse mit André Derain und
Maurice de Vlaminck in einem kleinen Fischerdorf am Mittelmeer,
in >Collioure. Dort entwickeln die drei einen Stil, der als Fauvismus in die Kunstgeschichte eingeht. Allerdings geben sich die drei Künstler diesen Namen nicht selbst. Im Gegenteil, sie halten die Bezeichnung für eine Beleidigung. Sie stammt nämlich vom Wort «fauve» ab, was in etwa «wilde Bestie» heisst.

 

Wieder einmal ist ein Kritiker dafür verantwortlich. Louis Vauxelles heisst der Mann. Er sieht im Pariser Salon d'Automne von 1905 eine florentinische Büste von Albert Marque und rundherum die Bilder von Matisse, Derain und de Vlaminck. Empört schreibt er: «Seht her, Donatello inmitten von wilden Bestien!» (au milieu des fauves). Aus dem Schimpfnamen wird ein Stil, der zunächst verschmäht, dann berühmt und schliesslich begehrt wird. Was sich in gestiegenen Verkaufspreisen ausdrückt.

 

Die Wurzeln des Fauvismus liegen im Impressionismus, den Matisse aber zu fad findet. Er will seinen malerischen Aussagen mehr Farbe und mehr Fläche verleihen. Typisch für den Fauvismus sind leuchtende, kräftige Farben. Lange hält der Trend nicht an. Bald schon wird er vom >Kubismus verdrängt.

 

 

collioure_matisse
Henri Matisse (1869-1954). Vue sur Collioure, 1905.
Hermitage, St. Petersburg.

 

 

>mehr über das Fischerdörfchen Collioure

 

>La naissance du fauvisme (YouTube-Film, 3 Minuten)

 

 

 

Weitere «Fauvisten»

 

derain

 

André Derain (1880-1954).

«Le port de Londres» stammt aus dem Jahr 1905 und trägt die Züge des Fauvismus, was die fröhlich leuchtenden Farben und das flächige Auftragen des Materials angeht.

 

deVlaminck

Maurice de Vlaminck (1876-1958).

«Die Brücke von Chatou». Gemalt 1907. Ein wenig Divisionismus, ein bisschen Fauvismus. Ein sehr ausdruckstarkes Werk.

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