Francis Picabia
1879-1953


Die Sonderausstellung im Kunsthaus Zürich enstand in Zusammenarbeit mit dem Museum of Modern Art (MoMA) New York, wo sie im Anschluss zu sehen sein wird (20.11.16 bis 19.3.17).

 

Von Francis Picabia stammt die Aussage
«Unser Kopf ist rund, damit das

Denken die Richtung wechseln kann».

So wechselhaft hat er auch gemalt. Und so verlief auch sein Leben. Picabia ist ein Zeitgenosse von Picasso, erreichte aber nie dessen Berühmtheit.

 

1879 als Sohn eines adligen Kubaners und einer Französin in Paris geboren, besuchte er die Ecole des Arts Décoratifs und verschrieb sich zunächst dem impressionistischen Stil. 1903 stellte er erstmals im Salon d’Automne und im Salon des Indépendants aus. Seine erste Einzelausstellung hatte er in der Galerie Haussmann in Paris im Jahr 1905.

 

Seine Kontakte zu Künstlern wie Fernand Léger, Albert Gleizes, Marcel Duchamp, Juan Gris, Joan Mirò blieben nicht ohne Folge – Picabia liess sich von allen inspirieren und versuchte sich in allen Stilen. Er gilt deshalb als exzentrischer Künstler, der sich keinen Vorgaben unterordnen wollte, weder künstlerischen noch politischen.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte er angeklagt werden, mit den Deutschen kollaboriert zu haben (weil er während des Vichy-Regimes der Résistance nicht beigetreten war). Zum Prozess kam es indessen nie, weil er kurz zuvor einen Schlaganfall erlitt. 1951 folgte ein zweiter, der zu Lähmungserscheinungen führte.
Zwei Jahre später starb er, 74-jährig. Er
ruht auf dem Cimetière de Montmartre.

 

 

 

picabia

Francis Picabia um 1909-1915.

Quelle: WikiCommons/George Grantham
Bain collection at the Library of Congress.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonderausstellung im Kunsthaus Zürich 3.6. – 25.9.16

 

Der Alleskönner

Ein «Picabia-Stil» ist kaum erkennbar. Mit seinen Werken könnte man leicht ein eigenes Museum errichten. Und dieses wäre dann ideal für Schulklassen, denen man die verschiedenen Stilrichtungen vor Ort erklären könnte. «So malte Monet. So die Kubisten. So Signac, der den Pointillismus erfand», und so weiter...

 

 

impressionismus

 

pointillismus

Der Impressionist.

Mit dem Verkauf solcher Bilder sichert er sich den finanziellen Erfolg. Dabei braucht er die Natur nicht immer und malt auch gerne ab Fotografien. Er kopiert geschickt die berühmten Impressionisten und wendet die Technik von Alfred Sisley ebenso an wie Paul Signacs Pointillismus und Henri de Toulouse-Lautrecs Postimpressionismus. Oder André Derains und Henri Matisses Fauvismus. Man sagt ihm nach, dass er ein genialer Kopist war. Er soll sogar die Gemäldesammlung seines Vaters Stück für Stück kopiert und als Originale verkauft haben.

kubismus

Der Kubist.

Dieses kubistische Bild aus dem Jahr 1912 heisst «Die Prozession von Sevilla». Bei der Betrachtung dieses Werkes glaubt man, echte Personen zu erkennen, obwohl keine Gesichter vorhanden sind. Und die Bewegung des Umzugs ist förmlich zu greifen.

dadismus

Der Dadaist.

1919 begegnet er in Zürich den Dada-Grössen Tristan Tzara, Hans Arp und weiteren. Picabia gründet die Zeitschrift «391». Für ihn und seine Dada-Kollegen ist die Zeitschrift das ideale Medium, weil man mit ihr ein grosses Netzwerk pflegen kann, und weil sie kein kostspielieges Atelier, sondern bloss eine Druckerei erfordert. In Zürich ist es jene des Kommunisten Julius Heuberger.

collagen

Die Collagen.

1925 zieht Picabia an die Côte d’Azur und wendet sich wieder der Malerei zu, die sich in farbigen Motiven äussert und sich mit dekorativen Streifen, Linien, Konfetti und Papierschlangen von allem Bisherigen abhebt. Die Bilder stehen möglicherweise für den hedonistischen Lebensstil jener Epoche, für die sinnfreien Feste und Feiern, an den auch Picabia gerne teilnimmt.

transparencies

Die Transparencies.

Bei den Gemälden aus dieser Serie werden mehrere Ebenen von durchscheinenden (transparenten) Fragmenten übereinander geschichtet und mit linearen Mustern verwoben. Bild: Sphinx, 1929. Centre Pompidou, Paris.

realismus

 

realismus

Der Realismus.

Dieses Bild entstand 1941/42 und ist erstaunlich mutig für die damalige Zeit, als Jagd auf entartete Kunst gemacht wurde. Und noch mutiger aufgrund seines politischen Inhaltes. Es heisst «L’Adoration du veau» (Die Anbetung des Kalbes) – das Kalb sind die Diktatoren Hitler und Mussolini. Hommage an die Fotomontage des jüdischen Fotografen und Dadaisten Erwin Blumenfeld, die 1938 im «Paris Magazine» erschien. Centre Pompidou, Paris.

 

«Femme au bull-dog», 1941. Das Ölgemälde kombiniert drei fotografische Bildquellen: Die nackte Frau entstammt der Zeitschrift «Mon Paris» aus dem Jahre 1937, die Frau im Hintergrund aus «Paris Sex Appeal» von 1936, und die Bulldogge ist einer Abbildung nachempfunden, die auf einem Beipackzettel der Zigarettenmarke «Senior service» zu finden war, im Rahmen einer Serie von 48 Hunde-Beschreibungen. Auch dieses Werk hängt normalerweise im Centre Pompidou, Paris.

abstraktionen

Der Abstrakte.

Nach Picabias Realismus der 40er-Jahre sind die abstrakten Werke an der Reihe. Eine Mischung aus geometrischen und sinnlichen Formen, oft mit sexuellen Symbolen angereichert – oder was immer man in ihnen erkennen kann oder will. Er verwendet dabei satte Farben und lebendige Oberflächen. «Danger de la Force» heisst dieses Werk aus den Jahren 1947-50. Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam.

points

Les Points.

In Picabias Werken kommen Kreise und Punkte immer wieder vor. Warum dieses Bild wohl «Egoisme» heisst? Man müsste den Künstler fragen können. Es stammt aus den Jahren 1947-48 (Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam). Und was bedeuten die Punkte? Kunstwissenschaftler setzen sie in den Kontext zum dadaistischen Geist. Aber es muss ja nicht für alles eine Erklärung geben. In der Kunst schon gar nicht.

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Fotos / Diashow.

   
   

 

 

 

 

 

 

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