Eremitage St. Petersburg

 

Wer den Begriff «Museum» mit Musse, Stille und Kontemplation verbindet, der ist hier falsch am Platz. Die Eremitage ist ein Jahrmarkt. Ein Massenevent. Chinesische Gruppen, die hinter der Tafel ihres Reiseführers her stürmen. Menschentrauben, wo sich die Highlights der Sammlung befinden. Leonardo und so. Und dann entbrennt der Kampf um die beste Fotoposition.

 

Für Kunst bleibt keine Zeit. Es sei denn, man würde auf die Highlights verzichten und in ruhigere Räume ausweichen. Dieses Privileg war mir nicht vergönnt, denn auch ich war Teil einer dieser «Sturmgruppen» (keine chinesische). Auch ich musste hinter der Reiseführerin her hetzen, hopp-hopp. Eremitage in eineinhalb Stunden. Nicht die geringste Chance auf Kontemplation.

 

Da tut man halt, was möglich ist: Eindrücke auf die Schnelle, mit der Kamera eingefangen und dann zu Hause geschaut, was man «gesehen» hat. Und was habe ich gesehen? Mehr als ein Museum, – einen Palast. Einen Zarenpalast. Mit allem Pomp und Prunk, wie man es sich vorstellt. Gold. Gold. Gold. Versailles lässt grüssen.

 

Heute, da die Zaren vertrieben sind, ist aus dem einstigen Winterpalast ein Museum geworden. Aber ein Palast ist es immer noch. Einzigartig, eindrücklich. Kunst eingebettet in Prunk.

 

1920 fand die erste öffentliche Ausstellung statt – drei Jahre nach dem Sturz der Zaren. Sie war der ägyptischen Antike gewidmet. Und seit 1922 ist die Eremitage nun ganz fürs Publikum offen.

 

Die Eremitage soll heute das drittgrösste Museum der Welt sein (hinter der National Gallery in London und dem Louvre in Paris). Mit angeblich 3 Millionen Exponaten. Davon habe ich jetzt 30 gesehen. Macht immerhin 0.00001%. Den Rest nehme ich mir ein andermal vor.

 

 

 

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Die Paradetreppe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Zarin Katharina II «die Grosse» (1729-1796).

Als Gattin von Peter III putschte sie sich 1762 an die Macht und wurde zur Zarin von Russland gekrönt. Ihr Peter verstarb noch im gleichen Jahr unter ungeklärten Umständen. Zwei Jahre nach der Machtergreifung gründete sie die Kunstsammlung. Bis 1765 hatte sie über 1'200 Gemälde zusammengekauft, mit denen sie den Winterpalast schmückte. Dass das Volk davon nichts zu sehen bekam, versteht sich.

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Zaren-Winterpalast und Eremitage-Museum.

Der gewaltige Winterpalast, in dem die Eremitage untergebracht ist, wurde 1754 von der Zarin Elisabeth erstellt. Er war die Hauptresidenz der russischen Zaren in Sankt Petersburg bis zur Oktoberrevolution 1917.

 

Die Zeichnung zeigt die Lage des Winterpalais mit den diversen Anbauten, vom Fluss Newa aus gesehen. Die Siegessäule auf dem Schlossplatz ist Zar Alexander I gewidmet, der 1812 Napoleon besiegte.

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In Siegerpose: Zar Alexander I.

Als Sieger des «Grossen Vaterländischen Krieges» gegen Napoleon ist er Russlands Held – bis heute. Alexander I hat sogar für die Schweiz eine grosse Bedeutung. Am Wiener Kongress 1814 setzte er durch, dass die Schweizer Neutralität von den europäischen Mächten anerkannt wurde.

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Die Galerie der Sieger.

Eigentlich heisst sie «Galerie des Vaterländischen Krieges von 1812» und wurde 1826 eröffnet. An beiden Wänden hängen stattliche 332 Bilder von Generälen, die am Krieg teilnahmen.

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Der Tophit: Leonardo da Vinci (1452-1519).

Während in Paris im Louvre seine Mona Lisa bestürmt wird, gibt es hier die Madonna des grossen Italieners gleich im Doppelpack. Zweimal mit Jesuskind, und vor beiden bilden sich lange Menschenschlangen.

 

Das erste Gemälde heisst «Madonna Benois mit der Blume» und wurde 1478 gemalt. Aber wo ist die Blume? Wenn man ganz genau hinschaut: Ein Mini-Pflänzchen zwischen Daumen und Zeigefinger der glücklich strahlenden Mutter, und der Kleine guckt es neugierig an.

 

Das zweite Bild heisst «Madonna Litta» und zeigt ein Jesuskind, das mit wachen Augen auf den Betrachter blickt. Die Madonna selbst aber wirkt hier eher traurig und nachdenklich.

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Rogier van der Weyden (1400-1464).

Madonna zum dritten: Hier ist der Heilige Lukas dabei, die Jungfrau zu zeichnen, während sie ihr ziemlich dürres Jesuskind stillt. Und so richtig trinken mag es auch nicht.

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Peter Paul Rubens (1577-1640).

Bündnis der Erde mit dem Wasser, 1612-1615.

Die Göttin der Erde Cybele als Lobbyistin von Flandern: Sie sucht ein Bündnis mit Neptun, damit dieser den Flamen Zugang zum Meer verschaffe...

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Orazio Gentileschi (1563-1639).

Amor und Psyche, das immer wiederkehrende antike Thema. Psyche ist so unsagbar schön, dass alle aufhören, Venus zu verehren. Und Venus ist immerhin die Göttin der Liebe und der Schönheit...

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