Alexandre Calame (1810-1864)


Einer der grossen Meister der Schweizer Romantik. Berge und Natur sind seine Leidenschaft. Alpenlandschaften bildet er mit einer Virtuosität ab, die an Dynamik nicht zu überbieten ist.

 

 

calame_portrait

Alexandre Calame um 1850.

Foto Ernest Hébert, WikiCommons.

 

 

Alexandre Calame kommt in Vevey zur Welt. Mit zehn Jahren verliert er beim Spiel mit anderen Buben ein Auge. Die Familie zieht 1824 nach Genf. Alexandres Vater, ein Steinhauer, stirbt 1826 bei einem Berufsunfall. Er hinterlässt seinem Sohn Schulden. Der junge Alexandre verkauft farbige Drucke an Touristen, um die Schulden zu tilgen. Dann beginnt er eine Banklehre bei Diodati-de Morsier. Dieser erkennt Calames künstlerisches Talent und offeriert ihm Unterricht beim bekannten Genfer Landschaftsmaler François Diday (1802-1877). Der ist von Alexandre überzeugt und meint: «Si celui-ci ne réussit pas, personne ne réussira». Drei Jahre lang geht er bei Diday in die Schule.

 

1835 unternimmt Calame seine erste Reise ins Berner Oberland und ist davon so begeistert, dass diese Motive seine künstlerische Zukunft begründen. Im Handeck oberhalb Guttannen fertigt er Studien für die irische Lady Isabella Osborne an. Er verbringt viel Zeit in den Berner Alpen, später auch im Wallis.

 

1837 stellt er seine Arbeiten in Leipzig und Paris aus, nimmt erfolgreich am >Salon de Paris teil. Und kommt so in Kontakt mit der zeitgenössischen französischen Schule. Er beginnt, Lithografien für den Pariser Händler Jean Durand-Ruel anzufertigen. In seiner neuen Genfer Werkstatt empfängt er wohlhabende Kunden aus halb Europa. Alpenansichten liegen im Trend.

 

1838 reist er nach Holland und studiert Werke und Maltechniken van Ruisdaels und Hobbemas. 1840 stellt er in London aus.

 

Die Reise von 1844, die er in Begleitung von acht Schülern nach Italien unternimmt – über Florenz bis in den tiefen Süden – steht unter keinem guten Stern. Er kränkelt, leidet an der Ruhr. Mit einer angeschlagenen Gesundheit reist er nach Genf zurück. Aber auch seinen geliebten Alpen muss er schon bald entsagen, seine schwachen Lungen vertragen die dünne Höhenluft nicht mehr.

 

Ab 1850 zieht er nach London, Köln, Düsseldorf, Antwerpen, Brüssel und wieder nach Paris. Dort veröffentlicht er seine inzwischen berühmten Lithografien und kann an der Weltausstellung 1855 eines seiner Werke des Vierwaldstättersees verkaufen. An keinen Geringeren als Kaiser Napoleon III.

 

Calame ist nun schon so berühmt, dass ihm aus ganz Europa Ehrungen, Preise und Auszeichnungen zufliegen. Er wird Mitglied in den Akademien von Sankt Petersburg, Amsterdam, Brüssel, Mailand, Genf.

 

Der Erfolg als Künstler ist da, aber mit der Gesundheit hapert es. Auf Anraten des Arztes zieht er 1862 in den Süden Frankreichs. Er ist aber schon so erschöpft und geschwächt, dass er nicht mehr malen kann. 1864 stirbt Calame in Menton.

 

 

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

Alexandre Calame (1810-1864).

Orage à la Handeck, 1839.

Musee d'Art et d'Histoire, Genève.

 

 

 

 

 

 

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Alexandre Calame (1810-1864). L'éboulement (Nach dem Sturm), 1841. Kunsthaus Zürich.

 

 

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Detail.

 

 

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Alexandre Calame (1810-1864). Vue d'une partie du Wetterhorn à Rosenlaui, 1842. Musée d'Art et d'Histoire, Neuchâtel.

 

 

 

1841: Der fiktive Bergsturz.

Eine sehr realistische, naturalistische Darstellung von herabgestürzten Felsbrocken nach einem höllischen Unwetter. In allen Details. Nur: Wo soll dieser Bergsturz stattgefunden haben?


Im Kopf des Künstlers
. Es ist eine Komposition. Calame unternimmt unzählige Touren in den Alpen und bringt jeweils Skizzen davon nach Hause. Von Felsen, Bächen, Bäumen, Bergstürzen und Tälern. In seinem Atelier in Genf komponiert er die Teile dann zu «realistischen» Gemälden von eindrücklicher Stimmung.

 

Menschen kommen in seinen Bildern selten vor, sie sind im Vergleich mit der Natur ein Nichts. Erst in diesem Detailbild erkennt man, dass es sich um Vater und Tochter handelt, die entsetzt auf die Felsbrocken starren, die ihre Behausung zerstört haben.

 

 

1842: Düstere Stimmung am Wetterhorn.

Auch dieses Gemälde ist charakteristisch für Calames Schaffen. Ganz der Romantiker, geht es ihm in erster Linie um Stimmung. Mit dramatischen Wolkengebilden verstärkt er die Dynamik des zu Tal schiessenden Baches, den er in gleissendem Licht darstellt. Die Berghänge zeigt er dagegen in düsteren, ablehnenden Tönen.

 

Solche dramatischen Szenen malt er noch und noch, zum Teil wiederholen sie sich auch. Das hat damit zu tun, dass viele dieser Werke auf Bestellung angefertigt werden.

 

Calame hat sich im Laufe der Zeit eine beträchtliche internationale Kundschaft erarbeitet – und Alpendarstellungen verkaufen sich gut.

 

 

   

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Alexandre Calame (1810-1864). Mediterrane Küstenlandschaft. Foto SIK-ISEA, Zürich.

 

1844-45: Kränkelnd im Süden Italiens.

Mit seinen Alpengemälden ist er so erfolgreich, dass er sich nun auch ausgedehnte Reisen leisten kann. 1844-45 macht er sich mit acht seiner Schüler nach Italien auf, reist von Florenz bis Neapel und tief in den Süden.

 

Die Reise ist für Calame eine einzige Strapaze. Er ist ständig krank, leidet an Ruhr. Trotzdem zeichnet und malt er, wenn auch weniger als ihm lieb wäre. Geschwächt kommt er nach Genf zurück. Immerhin hat er eine Reihe von italienischen Studien und Skizzen im Gepäck. Diese verarbeitet er zuhause nach und nach zu Gemälden.


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Alexandre Calame (1810-1864). Effet de soleil sur les Hautes Alpes du Valais en face de la chaine du Mont Rose, 1844. Musée d'Art et d'Histoire, Neuchâtel.

Probleme mit der dünnen Höhenluft.

Nach der strapaziösen Italienreise verbringt er wieder viel Zeit im Berner Oberland (Isenfluh, Handeck). Er liebt seine Berge. Doch nun muss er feststellen, dass ihm seine schwachen Lungen Probleme bereiten. Die dünne Bergluft bekommt ihm nicht mehr.

 

Auf dem Aaregletscher erleidet er eine heftige Fieberattacke. Er begibt sich in verschiedene Badekuren, die aber keine Verbesserung bringen. Schliesslich muss er den Bergen endgültig entsagen.

 

Ab 1850 ist er deshalb vermehrt im Flachland unterwegs: in England, Deutschland, in den Niederlanden und dann wieder in Paris.

 

vierwaldstättersee

Alexandre Calame (1810-1864). Am Urnersee, 1849. Kunstmuseum Basel.

1855: Ein Gemälde für den Kaiser.

Alpenlandschaften malt er aber trotzdem noch, wohl basierend auf Skizzen und Zeichnungen, die er auf früheren Bergtouren angefertigt hat – und wohl auch aus dem Gedächtnis heraus.

 

Auch Seelandschaften haben es ihm angetan. Den Vierwaldstättersee malt er in zahllosen Varianten. Eine davon kann er an der Weltausstellung von Paris 1855 dem Kaiser der Franzosen verkaufen, an Napoleon III, – für 15'000 Goldfranken.

 

Dass sich der Kaiser für dieses Gemälde interessiert, ist nicht weiter verwunderlich, denn er hat ja ein Faible für die Schweiz... >warum?

 

palmen

Alexandre Calame (1810-1864). Palmen an der Riviera, 1858. Kunst Museum Winterthur Reinhart.

1862: Die letzten Jahre an der Riviera.

Mehrere Kuraufenthalte können seine kranken Lungen nicht heilen. Im Bad von Divonne holt er sich auch noch eine Lungenentzündung.

 

Der Arzt rät ihm, ins mildere Klima an die französische Riviera zu zügeln. Nur: Auch dort ist es im Winter kalt und nass. Das Hotelzimmer ist schlecht geheizt und Calame erkältet sich erneut. Sein Lungenproblem verschlimmert sich. Nach mehreren qualvollen Erstickungsanfällen stirbt er am 17. März 1864 in Menton.

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Fotos / Diashow

 

   
   

 

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