THE GREAT EXHIBITION 1971-2016

Ausstellung in der Kunsthalle Zürich und
im Luma Westbau vom 20. April bis 12. Juli 2020

 

Gilbert & George (*1943, 1942).


Zwei Personen, die als EIN Künstler auftreten. Ein Paar seit ewigen Zeiten. Kennengelernt haben sie sich 1967 als Studenten an der Londoner St. Martin’s School of Art – und da muss es gefunkt haben, privat wie künstlerisch. Nun sind sie seit Jahrzehnten ein Duo der Popkultur, das die Kunstwelt aufmischt. Mit Selbst-Inszenierungen, die vor keinem noch so heiklen Thema Halt machen, provozieren und zum Denken – und Nachdenken – anregen.

 

 

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Gilbert & George 2007 in London.

Foto DarTar. WikiCommons CC BY-SA 4.0.

 

 

Gilbert Passmore ist am 17. September 1943 im Südtirol geboren; George Passmore am 8. Januar 1942 in Plymouth. Sie sind seit über fünf Jahrzehnten ein Paar und seit 2008 verheiratet. Ihre Kunst besteht darin, sich selbst zu inszenieren und die Gesellschaft zu hinterfragen. Die Themen holen sie sich überall, wo Spannungen auszumachen sind: Religion, Politik, Rasse, Sexualität, Minderheiten, Leben und Tod.

 

 

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Die Ausstellung in Zürich vom 20. April bis 12. Juli 2020 in der Kunsthalle und im Luma Westbau ist eine Retrospektive auf die 70er-Jahre bis heute. Kuratiert wurde sie von Hans Ulrich Obrist, Daniel Birnbaum und den Künstlern selbst.

 

Zwischen 1971 und 2016 entstanden Hunderte von Fotocollagen. Wie man an der Ausstellung gut erkennen kann, sind die Formate jedes Jahr grösser geworden – und immer knalliger, die Inhalte immer frecher und provozierender. Bei den meisten Werken ist die Aussage erkennbar, aber nicht bei allen. Der Ausstellungsführer ist wenig hilfreich – in diesem sind nur die Titel und das Jahr aufgeführt.

 

Interessant wäre auch zu wissen, wer solche Monumentalwerke kauft. Immerhin sollen dafür schon Preise um eine halbe Million herum bezahlt worden sein.

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)
Gilbert&George (1943, 1942).
One World, 1988.

 

 

1977

Bent Shit Cunt, 1977. Red Morning Death, 1977. Two Patriots, 1980.

1977: Raster als Markenzeichen.

Alle Werke haben eines gemeinsam: den schwarzen Raster. In den Frühwerken muss man die Botschaften hinter den Titeln noch suchen – mit den Jahren werden sie immer deutlicher und immer provokanter. Diese drei Werke heissen «Bent Shit Cunt», 1977. «Red Morning Death», 1977. «Two Patriots», 1980.

 

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Curse of the Cross, 1982.

 

1982: Fluch der Kreuzes.

«Curse of the Cross», ein immer wiederkehrendes Motiv. Gilbert & George machen keinen Hehl draus, dass sie mit der Religion und vor allem mit der Kirche ihre Mühe haben. Das dürfte auch mit ihrer sexuellen Ausrichtung zu tun haben, die von Kirche und Staat jahrhundertelang verfolgt wurde – und bis heute noch wird.

 

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Sperm Eaters, 1982.

 

 

1982: Sperm Eaters.

Tabus kennen Gilbert & George keine. Sie packen jedes Thema an, das sie beschäftigt.

 

Das Sujet mit den zwei Spermaschluckern lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig und dürfte für Normalos aus der bürgerlichen Gesellschaft eine ziemliche Provokation bedeuten.

 

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Naked Flats,
1994.
Beardsters,
2016.

 

 

1994: Naked Flats.

Nackte Männer in urbaner Umgebung, na und...? Naked Flats, 1994, gehört zu einer Werkgruppe unter dem Titel «The Naked Shit Pictures», die 1995 in der South London Gallery ausgestellt wurde.

 

Im Bild daneben, «Beardsters» von 2016, karikieren sich die Künstler selbst und nehmen Bezug auf die Bartmode in ihrer Jugendzeit.

 

 

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Was Jesus Heterosexual?, 2005.

 

 

2005: War Jesus heterosexuell?

Und darunter: God loves fucking. Eine unüberprüfbare Behauptung. Aber als gesichert darf gelten, dass Gott es mindestens empfiehlt. Wenn es auch im Alten Testament der Bibel mit «Gehet hin und vermehret euch» etwas gediegener ausgedrückt wird.

 

 

bombers

Bombers, 2006.

 

2006: Die Titel der Boulevardpresse.

Die englischen Zeitungen sind eine ergiebige Quelle für Gilbert & George. In Riesenbildern (alle mit schwarzem Raster) werden die Schlagzeilen wie «Police know Bombers», «Campus Killers stalked me», «Serial Killer confesses» und so weiter verarbeitet.

 

burkas

Astro Star, 2013.

2013: Thema Verschleierung.

Nicht nur in England, sondern in allen westlichen Ländern sind die Niqabs und Burkas ein weites Gesprächsthema. Wie sich Gilbert & George dazu stellen, ist unklar – zumindest gibt dieses Bild darüber keine Auskunft.

 

ratschlaege

Scapegoating, 2013.

 

2013: Eine Wand voller Ratschläge.

In drei monumentalen Werken nebeneinander, die eine komplette Wand belegen, erteilen die Künstler gute Ratschläge. Darunter «Piss on a Priest», «Caress a Constable», «Masturbate a Monk», «Ejaculate over the Enemy» und «Fellate a Friar». Oder «Hug that Homo». PS: Scapegoat steht für Sündenbock.

 

nationalists

Vomit, 2014.

2014: Nationalists make me vomit.

Bei diesem Werk lässt der Titel keine zwei Meinungen zu. Gilbert & George – die in allen ihren Bildern neben dem Thema immer auch selbst in Erscheinung treten – sprechen sich klipp und klar gegen Nationalisten aus: Sie finden sie zum Kotzen.

 

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Fotos / Diashow

 

 

>Gilbert & George in Zürich. Interview mit der NZZ.

 

   

 

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