Jeff Koons (1955)


Macht er sich lustig über die Kunstwelt? Über Käufer seiner Spielzeughasen-Kunst, die dafür zweistellige Millionenbeträge auslegen? Nur der Künstler selbst weiss, was in seinem Kopf wirklich vorgeht. Jedenfalls ist er ein Phänomen in der zeitgenössischen Kunst. «Neo-Pop» nennt man seinen Stil, und der hat sich zu einem gewaltigen Markt entwickelt.

 

 

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Jeff Koons (1955). Fotoportrait 2009.
Foto David Shankbone. WikiCommons.

 

 

 

Jeff Koons kommt 1955 in York, Pennsylvania, zur Welt. Sein Vater ist Inhaber eines Möbelgeschäftes. Schon als Kind zeigt er Interesse an der Kunst und besucht Malkurse. Seine ersten Werke darf er im Möbelhaus seines Vaters ausstellen. Bereits als Elfjähriger soll er sein erstes Bild verkauft haben.

 

Ab 1972 studiert er Kunst am Maryland Institute College of Art in Baltimore und macht 1976 seinen «Bachelor of Fine Arts». Danach arbeitet er in New York im Museum of Modern Art (MoMA).

 

1980 hat er seine erste Einzelausstellung im New Museum of Contemporary Art in New York. Seine Kunst schafft neue Bezeichnungen wie «Neo-Konzept» oder «Neo-Geo». Koons stellt Alltagsgegenstände wie Staubsauger in Plexiglasvitrinen oder füllt seine Werke auch schon mal mit Whiskey – seine Einfälle sind grenzenlos. Für seine Produktionen verwendet er alle nur denkbaren Materialien: Holz, Marmor, Glas, Plexiglas, Edelstahl, Porzellan usw. Er schafft auch aufblasbare Plastikfiguren.

 

1986 entsteht eines seiner berühmtesten Werke: Der überdimensionale «Rabbit» aus Edelstahl. 2019 wird sein berühmtester Hase für sagenhafte 91 Millionen Dollar ersteigert – Weltrekord.

 

Vor dem Guggenheim Museum in Bilbao findet Koons Blumenwelpe «Puppy» 1992 eine feste Bleibe, nachdem er seine Premiere an der Dokumenta in Kassel hatte: Es ist eine zwölf Meter hohe Blumenskulptur aus 17'000 frischen Blumen.

 

Etwas später folgen seine farbenprächtigen und tonnenschweren Monumentaltulpen, die einen Vorplatz des Guggenheim Museums Bilbao zieren.

 

Nach der Jahrtausendwende befasst sich der Künstler mit zahllosen – fast unüberblickbar vielen – neuen Projekten. Er macht aus Autos «Art Cars», spielt in Filmen mit, kreiert Covers für Musikalben und Etiketten für kostbare Weine, erstellt Repliken von bekannten Kunstwerken und und und.

 

2019 macht er der Stadt Paris ein Geschenk, das hohe Wellen wirft: Das «Bouquet of Tulips». Die über dreissig Meter hohe Monumentalskulptur besteht aus einer Hand aus Stahl und Bronze, die einen bunten Tulpenstrauss hält. Koons Idee: Es sollte eine Art Gegengeschenk für die berühmte Freiheitsstatue in New York sein, die ja ein Geschenk Frankreichs an die USA war. Mit seinen Tulpen möchte Koons den Zusammenhalt zwischen Amerika und Frankreich symbolisieren.

 

 

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Jeff Koons (1955). Bouquet of Tulips, Paris, 2019.
Foto Ludovic Baron, Google Earth.

 

 

Das «Geschenk» kommt aber bei den Parisern eher schlecht an. Zuerst streitet man darüber, ob man es überhaupt annehmen soll (das banale Werk ist künstlerisch kein Wurf und der für seine Kommerz-Kunst bekannte Künstler ist umstritten). Dann debattiert man über den Standort, und als dieser endlich bestimmt ist – in der Nähe des Petit Palais – wundert man sich, dass der Aufbau des Kunstwerks nicht im Geschenk des millionen-verwöhnten Künstlers inbegriffen sein soll. Es müssen dafür 3.5 Millionen Dollar aufgebracht werden. Schliesslich werden die Kosten durch private Spenden aus Frankreich und den USA gedeckt.

 

Am 21. Januar 2020 ist Jeff Koons 65 Jahre alt geworden. Erst 65, müsste man sagen. Er steckt noch immer voller Tatendrang. Und die Ideen gehen ihm so schnell nicht aus. Man darf gespannt bleiben.

 

 

 

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

Jeff Koons (1955). Tulips, 1995-2004.

Guggenheim Museum Bilbao.

 

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Inflatable Bunny and Flower, 1979. Broad Art Foundation,
Los Angeles.

 

 

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Jeff Koons (1955). Rabbit, 1986. Stainless Steel, 104 cm. Foto: Auktion
bei Christie's
New York,
15.5.2019.

 

 

 

1979: Vom Plastikhäschen
zum 91.1-Millionen-Dollar-Rekordpreis

 

Ausgangspunkt ist ein rosafarbenes und aufblasbares Häschen, 81 cm gross. Es gehört zu der 1979 entstandenen «Inflatables»-Serie.

 

1986 macht sich Jeff Koons an eine edlere Ausführung seines Hasen, den «Rabbit». Diesmal aus poliertem Edelstahl, in dem man sich spiegeln kann. Die Skulptur ist 104 cm gross.

 

Gut dreissig Jahre später – 2019 – avanciert der stählerne Rabbit zum teuersten Kunstwerk eines lebenden Künstlers.

 

Der Rekordpreis von 91.1 Mio Dollar wird an einer Auktion von Christie's in New York am 15. Mai 2019 erzielt. Gemäss «New York Times» geht der Hase an den Kunsthändler Robert E. Mnuchin, den Vater des US-Finanzministers Steven Mnuchin (bis 2020).

 

«Rabbit 1986» hält den momentanen Weltrekord unter den teuersten Kunstwerken von lebenden Künstlern (Stand 2020).

 

Schon 2013 war Koons mit einem Balloon-Dog Rekordhalter, damals mit 58.4 Millionen.

 

 

   

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Jeff Koons (1955). Ushering in Banality, 1988. Stedelijk Museum Amsterdam.

 

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Jeff Koons (1955). Michael Jackson and Bubbles. Broad Art Foundation, Los Angeles.

 

1988: Die Banalität in der Kunst.

Koons erhebt die Banalität zum künstlerischen Stil. Er schafft dazu eine ganze Werkgruppe. In der Holzskulptur «Ushering in Banality» aus dem Jahr 1988 lässt er ein Schwein von zwei Putten und einem Jungen «in die Banalität führen» (ushering). Und bildet sich gleich selbst darin ab: Er ist der Knabe, der das Schwein von hinten anschiebt... Der Verdacht liegt nahe, dass sich Jeff Koons damit über die Kunstwelt lustig macht. Nur er weiss es.

 

In «Banality» zeigt er, wie man Kinderpuppen zur Kunst macht. Oder Pink Panther, vermischt mit Sex. Oder biblische Motive wie Johannes den Täufer mit einem Schwein im Arm, Bären in Kostümen, eine nackte Frau in der Badewanne und so weiter.

 

Michael Jackson and Bubbles.

Auch dieses Werk gehört zur Werkgruppe Banality. Es zeigt Superstar Michael Jackson mit seinem Affen Bubbles.

 

Die Skulptur aus weissem Porzellan hat der Künstler von italienischen Spezialisten fertigen lassen. Es geht die Vermutung, dass Koons den weissen Porzellan als ironischen Kommentar auf die vielen Schönheitsoperationen des einst schwarzen Musikers versteht. Vielleicht.

 

 

>mehr über die Werkgruppe «Banality»

 

 

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Jeff Koons.
Puppy, 1992. Guggenheim Bilbao.

 

1992: Puppy, der Blumenwelpe.

Diese zwölf Meter hohe Blumenskulptur schafft er 1992 für die Dokumenta in Kassel. Sie besteht aus 17'000 frischen Blumen – die ständig erneuert werden müssen.

 

Seit 1997 kann der süsse blumige Hundewelpe beim >Guggenheim Museum in Bilbao besichtigt werden. Dort hätte er nur eine Saison lang stehen sollen. Nach heftigen Protesten der Bevölkerung einigte man sich, dass der grosse kleine Hund dauerhaft das Museum bewachen darf.

 

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Jeff Koons.
Tulips, 1995-2004. Museum Guggenheim Bilbao.

1995-2004: Stahltulpen für Bilbao.

Es sind die schwersten und teuersten Tulpen der Welt. Aus glänzendem Edelstahl, jede Blume mit Stiel fünf Meter lang und je 500 kg schwer. Hergestellt wurden sie von der Firma Arnold AG in Thüringen. Rund 275 Arbeitswochen sollen die Arbeiter Stahl gegossen, geschliffen, gefärbt, poliert und lackiert haben.

 

Allerdings sind die Stahltulpen nicht so robust wie es scheint. Zum Beispiel muss Vogeldreck sofort entfernt werden, denn der scharfe Kot frisst sich schnell in den kostbaren Lack. Dann geht der UV-Schutz verloren und die Tulpen verlieren ihren Glanz. Deshalb steht nur noch eine der insgesamt fünf produzierten Skulpturen im Freien – jene vor dem Guggenheim Museum in Bilbao.

 

 

 

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Koons Markenzeichen – die Balloon Dogs.

 

Seit den 1990er Jahren verfolgt der Künstler das Ziel, seine überdimensionalen Balloon Dogs nicht nur in Edelstahl für reiche Kunstsammler zu kreieren. Sondern auch für weniger betuchte Sammler und Fans: kleinere Skulpturen in grossen «limitierten» Auflagen (immerhin 999 Ex.). In preisgünstigeren Materialien. Kommerz spielt bei Koons eine grosse Rolle – und ein breiteres Publikum bringt auch höhere Umsätze. Heute kann man Koons Balllonhunde in allen Grössen und Preislagen erstehen.

 

Wer sich im Internet umsieht, findet sie in allen Farben (ab 29 Franken in Harz, bei Onlineshops) bis zu Porzellan-Ausführungen in Kunstshops ...zu fünfstelligen Beträgen. So im >Moco Amsterdam (für 11'000 pro Stück oder drei für 29'000 Euro) oder im Shop der >Fondation Beyeler für 12'200 Franken. Und bei zahllosen anderen Anbietern – meist Galerien – in allen Preislagen dazwischen.

 

 

   

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Balloon Swan Magenta,
2004.

 

 

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Balloon Rabbit Violett. 29cm hoch. Porzellan. Im Beyeler-Shop für CHF 15000
zu haben.

 

2004: Der Riesenschwan aus Edelstahl.

Zu Koons Repertoire gehören nicht nur die berühmten Hunde, sondern auch Hasen, Affen

– und Schwäne. Das Original des Balloon Swans aus spiegel-poliertem Edelstahl mit einer transparenten Farbbeschichtung ist erstaunliche 3.50 Meter hoch und wurde in Magenta, Blau, Violett, Gelb und Rot produziert.

 

Es gibt ihn aber auch in einer Porzellan-Version von nur 24 cm Höhe. Und zwar in einer limitierten Auflage von 999 Stück. Auf dem Kunstmarkt zu kaufen. Ein Beispiel, gefunden im Netz: Die Lumas Art Gallery (Zürich, Wien, London, Budapest) bietet den Balloon Swan Magenta, Limited Edition, Auflage 999, 24 cm hoch, Signiert 2019, in Porzellan mit Chrombeschichtung für CHF 15'490 an (Angebot vom 21.11.2020). Zum selben Preis gibt es auch einen Monkey in Orange.

 

Auch der Museumsshop der Fondation Beyeler hat einen Koons-Hasen im Angebot (21.11.20 «in stock»): Balloon Rabbit violett in Porzellan, 29 cm hoch, limitierte Edition (999 Ex.), CHF 15'000.

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Fotos / Diashow

 

 

>Jeff Koons Werke in der Übersicht (www.jeffkoons.com)

   

 

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