Ausstellung «Die Sonne kommt näher»
im Haus Konstruktiv Zürich, 6.2. - 13.9.2020

 

Otto Piene (1928-2014).


Er kommt in Nordrhein-Westfalen zur Welt und erlebt als Teenager die fürchterlichste Zeit des Krieges. Hat noch Glück, dass er nicht zwei Jahre früher geboren wird, sonst wäre er noch zum Frontdienst eingezogen worden. Er kommt zwar 1944 noch als Flakhelfer zum Einsatz und sogar noch in Kriegsgefangenschaft, überlebt das Ganze aber immerhin unversehrt.

 

Nach dem Krieg kann er an den Kunstakademien in München und Düsseldorf studieren und macht in Köln das Staatsexamen in Philosophie. Und findet dann, die Kunst müsse «neu erfunden» werden. Mit Heinz Mack gründet er die Künstlergruppe «Zero» (Nullpunkt der Kunst) und geht jetzt neue Wege.

 

In die Malerei will er jetzt Licht und Feuer einfliessen lassen. 1959 beginnt er mit seinen Rauchbildern, bei denen Spuren von Russ und Rauch eine wichtige Rolle spielen. Dann folgen seine «Lichtbalette» und die Experimente mit Luftskulpturen.

 

 

Studie mit Luftskulpturen.

 

 

1964 übernimmt er an der Universität von Pennsylvania eine Gastprofessur und übersiedelt 1965 nach New York.

 

1968 organisiert er die ersten «Sky Events», bei denen er seine Luftskulpturen steigen lässt. 1972 ist er der künstlerische Leiter der Eröffnungs- und Schlussfeier der Olympischen Spiele in München. Im gleichen Jahr wird er Professor of Visual Design in Massachusetts.

 

1981 organisiert er die erste Sky Art Conference, 1985 nimmt er an der Biennale in Sao Paulo teil. Das Kunstmuseum Düsseldorf zeigt 1996 eine Retrospektive des Künstlers der Jahre 1952 bis 1996.

 

Unter dem Titel «Blue Planet» setzt er sich für den Erhalt unseres Blauen Planeten ein und fordert: «Keep the Blue Planet green!».

 

2014 – es ist sein Todesjahr – erhält er den Deutschen Lichtkunstpreis des Kunstmuseums Celle. Er stirbt im Alter von 86 Jahren während einer Taxifahrt in Berlin.

 

 

 

Titelbild

Otto Piene (1928-2014), Inflatables.

Battle of Amazons, 1980.

 

Detail Russstelle.

 

Malerei mit Feuer und Russ.

In seinen Feuerbildern lenkt er den Rauch russender Kerzen durch ein Rastersieb auf den Bildgrund, was zu Brandblasen und Russkrusten führt.

 

Im Gemälde «Battle of the Amazons» behandelt er die Leinwand mit Sprühfarbe und Fixativen, die er anzündet, hin und her schwenkt und danach wieder löscht.

 

Er schreibt dazu: «Bilder der Sonne wurden zu Nachbildern der Sonne, einem Feuertanz auf der Netzhaut und einer Choreographie von Feuer auf der Leinwand. Ich zündete Lösungsmittel an, die sonst zu einem Dasein gemütlicher Betrachtung getrocknet wären, und da entstanden innerhalb von Sekunden Bilder auf der Grenzlinie zwischen Zerstörung und Überleben – die Feuerblumen».

 

 

 

 

Inflatables, 2014.

 

 

 

 

Luftskulpturen – the inflatables.

 

Riesensterne aus feinem textilen Stoff in allen Farben füllen den gesamten Ausstellungsraum bis zur Decke hin. Sie sind an ein Gebläse angeschlossen, das sie rhythmisch mit Luft füllt – dann erschlaffen sie und füllen sich wieder. Ein ständiges Auf und Ab und ein lebhaftes Spektakel des Entstehens und Vergehens.

 

Die gezeigten Sterne stammen aus dem Jahr 2014. Die Idee dazu hatte der Künstler aber schon in den 60er-Jahren, als er sich als Pionier der «Sky Art» einen Namen machte.

 

 

 

 

Blowing Up Costumes.

 

Sky Events in Cambridge.

 

Seinen ersten «Sky Event» organisierte er 1968 auf dem Briggs Field am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge und auf dem Gelände der US Air Force in Karlsruhe.

 

Damals liess er grossformatige, mit Luft und Helium aufgeblasene Objekte in den Himmel steigen. Skizzen und Zeichnungen dazu sind in der Ausstellung zu sehen.

 

 

 

Blauer Lichtgeist, 1966/2014.

 

Die blauen Lichtgeister.

Drei Lichtplastiken mit dem Titel «Blauer Lichtgeist» stammen aus den Jahren 1966/2014. Die blau eingefärbten mundgeblasenen Glaskörper stehen je auf einem Sockel und werden in vorprogammierten Intervallen – per Zufallsgenerator – von innen beleuchtet, sodass ein wahres «Lichtballett» entsteht, dem man stundenlang zuschauen könnte, etwa wie den Wellen am Meeresstrand.

 

Lichtkubus, 2013.

Der Lichtkubus.

Im gleichen Raum wie die Lichtgeister steht ein schwarzer Kubus aus Metall, der mit Löchern versehen ist. Eine Lichtquelle im Innern sendet über Spiegel rotierende Lichtreflexe aus, die an die Wand projiziert werden. Im Zusammenwirken mit den «Blauen Lichtgeistern» ergibt sich eine spektakuläre Lichtstimmung, die ständig wechselt und die BetrachterInnen im Bann hält. Die Show heisst «Ein Kubikmeter Licht».

 

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Fotos / Diashow

 

   
   

 

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