Château de Versailles

 

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Die berühmteste Schlossanlage Frankreichs.

Und die grösste, klar. Aber wie riesig sie einst war, das kann man sich heute schon gar nicht mehr vorstellen: Sie umfasste unter dem Sonnenkönig Louis XIV 8000 Hektaren, das entspricht etwa der Fläche von Paris! Heute ist die Anlage «nur» noch 800 Hektaren gross, also gerade noch ein Zehntel von damals.

 

Aber dieser Zehntel ist immer noch so weitläufig, dass man ihn nur mit Mühe zu Fuss bewätigen kann. Also mietet man sich ein Golfwägelchen oder lässt sich mit den «Petits Trains» durch die endlosen Alleen chauffieren, um die Wasserbecken und die Trianon-Nebenschlösser zu besuchen.

 

Das «Grand Trianon» stammt aus der Zeit von Sonnenkönig Louis XIV, der das Lusthaus aus rosa Marmor für seine Geliebte, Madame de Montespan, bauen liess. Mit ihr hatte er immerhin sechs Kinder.

 

Von den rund 1800 Zimmern im Hauptschloss sind nur wenige zugänglich, weil die Anlage im Moment einer Sanierung unterzogen wird (die bis 2020 dauert und rund 400 Mio Euro kostet). Aber wer will schon tausendachthundert Zimmer sehen! Also konzentriert man sich auf die Prunkgemächer, die vor Gold und Marmor und Plüsch und Kronleuchtern und Deckengemälden nur so strotzen. Luxus, soweit das Auge reicht. 

 

Einer der Höhepunkte ist natürlich der Spiegelsaal, die «Galerie des Glaces». Das war zu den besten royalen Zeiten der Ballsaal. 75 Meter lang und auf einer ganzen Länge mit Spiegeln eingefasst, in der sich die tanzenden Paare beobachten konnten. Prachtvoll.

 

Ein Saal hat mich aber noch mehr beeindruckt: Es ist die «Galerie des Batailles», eingerichtet von Louis-Philippe im 19. Jahrhundert. Im gefühlt zweihundert Meter langen Prunksaal hängen Dutzende von riesengrossen Wandgemälden, die französische Heldentaten und Schlachten darstellen. Das beginnt mit Chlodwig I. um 496 n.Chr. und reicht bis zu Napoéons Bataille de Wagram 1809. Das grösste Gemälde ist der berühmten Schlacht von Austerlitz 1805 gewidmet. Und dann gibt es eines, das mich ganz speziell berührt hat: Es ist die «Bataille de Zurich, gagnée par le Général Massena, le 25 septembre 1799...». Da fühlt man sich doch gleich als Teil(chen) der «Grande Nation»!

 

 

 

 

>Die Bourbonenkönige von Versailles

 

>Napoléon – Aufstieg und Niedergang

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Jagdschloss von Louis XIII, 1660

 

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Der neidische König

Eigentlich wäre Sonnenkönig Louis XIV mit dem hübschen Jagdschloss seines Vaters ganz zufrieden gewesen. Er nutzte es als Sommerresidenz. Aber dann erzürnte ihn einer seiner Minister, der sich bei Melun ein Prachtsschloss hatte bauen lassen, das alle Häuser des Königs in den Schatten stellte. Louis XIV warf dem Minister vor, das Geld dafür aus der Staatschatulle geklaut zu haben (möglich, denn er war Finanzminister), und liess ihn verhaften.

 

Dann machte sich der König daran, ein Schloss zu bauen, das noch viel, viel schöner und noch viel grösser war als das seines Ministers... so wie im richtigen Märchen eben.

 

>mehr über die Könige von Versailles

 

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Der Haupttrakt

 

 

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Die Orangerie

 

 

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Im Hintergrund der Grand Canal

 

Ausbau zum Prunkpalast

Louis XIV muss sein «kleines» Jagdschloss wirklich geliebt haben, denn er liess es nicht abreissen, sondern baute die neue Residenz um den alten Kern herum. Ummantelung heisst das. Dazu kamen dann mehrere Flügel in allen Richtungen, zwei davon allein für die Minister bestimmt (die Ailes Nord und Sud). Schliesslich wurde die Gesamtanlage 580 Meter lang und konnte etwa 1800 Zimmer aufnehmen. Davon waren 600 nicht beheizbar.

 

Die Gartenanlagen stammen vom gleichen Architekten, der auch die Tuilerien in Paris geschaffen hat: André Le Nôtre. Der Park soll einst mit 75'000 gestutzten Bäumchen verziert gewesen sein, und natürlich mit zahllosen Brunnen, Fabeltieren und römischen Götterfiguren. Im Grand Canal gab es venezianische Gondeln, bedient von italienischen Gondolieri. Und für diese wurde eigens ein Wohnareal namens «Petit Venise» geschaffen. Sogar der Nachbau eines Kriegsschiffes soll im Grand Canal vor Anker gelegen haben.

 

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Der Spiegelsaal

 

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Ballsaal der Superlative

Die «Galerie des Glaces» ist das Prunkstück des Schlosses. Sie bedeckt die 1. Etage des Haupttraktes auf dessen gesamter Länge von 75 Metern. Der Spiegelsaal verband die Appartements des Königspaars.

 

30 Deckengemälde zieren den Raum, und 357 Spiegelflächen machen ihn noch mächtiger, als er mit seinen 10 Metern Breite sonst schon ist. Allerdings: Diese Fläche braucht es auch, um die Tausenden von Touristen zu schlucken.

 

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Chambre du Roi

 

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152 Zimmer für die königliche Familie...

Von den Wohnungen des Hofstaates in den grossen Seitenflügeln existiert keine mehr. Nicht weiter schlimm, denn was man sehen will, sind die königlichen Räume. Vom royalen Mobiliar ist allerdings nur noch ein kleiner Teil vorhanden, – das meiste wurde nach der Entmachtung von Louis XVI in einer Versteigerung 1794 verkauft. 17'000 Möbelstücke kamen unter den Hammer. Um einen Eindruck zu bekommen, wie Herr und Frau König gelebt haben, reichen aber die verbliebenen Stücke. Wen wunderts, dass man die feinsten Stoffe, die kostspieligsten Materialien und die schönsten Kunstwerke sieht.

 

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Schlachtengalerie

 

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Napoléon in der Bataille de Wagram 1809

Die «Galerie des Batailles»

Eine Prachtsgalerie ist im Südflügel (auch Prinzenflügel genannt) zu erkunden. Und das Beste daran: Hier gibt es nur wenig Leute. Kein Gedränge mehr wie im Spiegelsaal oder in den Königsgemächern. Platz und Zeit, um sich mit den prachtvollen Gemälden zu befassen.

 

Die Idee für diese Galerie der Kriegs-Verherrlichung hatte Louis-Philippe I. Klar, dass nur Bilder der siegreichen Helden installiert sind. Die letzten grossen Siege der «Grande Nation» gehen auf
>Napoléon zurück. Danach gab es nur noch Niederlagen – und zum Teil demütigende «Siege» dank den Verbündeten.

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Fotos / Diashow

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Luftaufnahme Versailles. Fotoquelle: ToucanWings / Creative Commons by_Sa_3.0_-_073.