Art Dock Zürich: «100 Jahre Frauen-Power 1916-2016»

Ausstellung vom 9. April bis 18. August 2016: Werke von 144 Künstlerinnen aus Zürich.

 

Was ist eigentlich weibliche Kunst? Die Hoffnung, dass der Besuch dieser Ausstellung eine schlüssige Antwort bringen könnte, erfüllt sich nicht – es fühlt sich an wie jede «normale» Ausstellung. Selbst bei Aktgemälden und Skulpturen: Nackte Frauenkörper, keine nackten Männer.

 

Nur gerade bei zwei Exponaten kam mir die Ausstellung etwas spezifisch fraulich vor: Bei den Stoffpuppen von Daniela Wettstein (okay, sie macht auch anderes) und bei den bestickten Fotografien von Marion Strunk. Auf so eine Idee käme ein Mann wohl nie. Aber mit dieser Feststellung bin ich nun bereits voll in der Clichéfalle. Mein Fazit: Nein, weibliche Kunst gibt es nicht. Männliche auch nicht. Einfach Kunst halt.

 

Da stellt sich aber gleich die Frage, ob eine reine Frauenausstellung überhaupt Sinn macht. Ja, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Künstlerinnen jahrzehntelang nicht die Beachtung bekamen, die sie verdient hätten. Also gewissermassen als eine Form von Wiedergutmachung. Und nein, weil – von jetzt an – keine Unterscheidung der Geschlechter mehr nötig sein sollte. Hoffentlich.

 

Die Ausstellung im Art Dock bei den Gleisen ist eindrücklich. Sie vermittelt einem das Gefühl als wandle man durch ein einziges, riesiges Atelier. An jeder Ecke, hinter jeder Wand gibt es Neues zu entdecken. Manchmal muss man zwar raten, wer die Autorin ist – mit der Beschriftung hält man es nicht so penibel, es ist eben kein Museum – aber das Betrachten eines Werkes kann ja auch Freude bereiten, ohne dass man weiss, von wem es ist.

 

Für die Ausstellung haben sich 300 Künstlerinnen mit Bezug zu Zürich beworben, 100 wurden schliesslich ausgewählt. Diesen fügte das Auswahlgremium noch 44 der bedeutendsten bereits verstorbenen Künstlerinnen dazu.

 

 

 

 

 

>Frauenpower-Blog (Ewa Hess, 12. April 2016)

 

 

>www.art-dock-zh.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Helen Dahm (1878-1968)

Die allererste Frau, die den Zürcher Kunstpreis erhält. Das geschieht 1954, – da ist sie bereits 76 Jahre alt. Zwischen 1906 und 1913 studierte sie an der Akademie der Bildenen Künste in München und stand im Kontakt mit der Künstlergruppe >Der blaue Reiter. «Als Frau werde ich nicht angenommen, auch mein Werk nicht. Das gehört zu meinem Schicksal», sagt sie. Ihren Lebensunterhalt bestreitet sie grösstenteils mit Produktedesign, ihr künstlerisches Schaffen wird erst sehr spät gewürdigt: 1953 durch eine Retrospektive im Zürcher Helmhaus.

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Nelly Bär (1910-1975)

Die St. Gallerin heiratet 1929 Walter Bär, den Sohn des Gründers der Bank Julius Bär. Beide betätigten sich als Bildhauer. Ihr Heim in Zürich wird so zum Treffpunkt für Künstler. Unterricht nimmt sie bei Alfons Magg, Germaine Richier und Marino Marini. Walter und Nelly Bär sind auch begeisterte Kunstsammler und vermachen ihre Sammlung dem Zürcher Kunsthaus, worunter auch die «grosse Liegende» von Henry Moore, die vor dem Kunsthaus steht.

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Hanny Fries (1918-2009)

Sie ist die Enkelin des bedeutenden Kunstpolitikers und Malers Sigismund >Righini. Nach der Ecole des Beaux-Arts in Genf arbeitet sie als freie Illustratorin und Malerin und macht sich einen Namen als Theater-Zeichnerin. 1981 wird ihr der Zürcher Kunstpreis verliehen – als zweiter Frau nach Helen Dahm.

 

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Cristina Fessler (1944-2012)

Studierte Kunstgeschichte an der Universität Zürich und ist 1973 Mitbegründerin der Zürcher Produzenten-Galerie. 1976 hat sie ihre erste Einzelausstellung und nimmt an der Biennale di Venezia teil. 1987 stellt sie im Kunsthaus Zürich aus. 2012 stirbt sie an den Folgen eines Unfalls.

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Klaudia Schifferle (1955)

Seit den späten 70-er Jahren als Autorin, Musikerin und bildende Künstlerin unterwegs. Ihre koboldartigen Figuren, ineinander verschlungen, wirken wie Wesen aus einer anderen Welt. 1989 erhält sie den Preis für junge Schweizer Kunst der Zürcher Kunstgesellschaft.

 

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Marion Strunk (1957)

Sie studierte Kunst in Berlin und ist heute Professorin an der Zürcher Hochschule der Künste. In ihren Werken schafft sie so etwas wie eine «dritte Dimension», indem sie Fotografien mit Garn und Wolle bestickt. «Meine Idee war, die Fotographie als Medium der Vergangenheit mit dem Faden als Medium der Gegenwart zu verbinden. Man kann den Faden berühren und hat so einen reellen Bezug zum Bild».

 

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Simone Monstein (1979)

Die Zürcherin ist freischaffende Künstlerin und Dozentin für Malerei an der Kunstschule Wetzikon und Chur. Seit 2008 hat sie sechs Einzelausstellungen bestritten. 2012 erhält sie den Förderpreis der Stadt Winterthur.

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