Ferdinand Hodler (1853-1918)


«Meine Eigenart besteht darin, dass ich Monumentalität mit Realismus verbinde», hat er einmal gesagt. 1898 sieht man das in Zürich allerdings anders. Ein Gutachten wirft ihm das Gegenteil vor: Dass sein Bildentwurf nicht den historischen Realitäten entspreche. Den Wettbewerb gewinnt er dennoch und erhält den Auftrag. Seine Monumentalbilder zum «Rückzug der Eidgenossen von Marignano» kann man heute noch in den Bogennischen des Landesmuseums in Zürich betrachten.

 

Was war er nun? Ein Vertreter des Realismus, der Avantgarde, des Jugendstils? Oder ein Symbolist, ein Monumentalist, ein Expressionist? Er war alles zusammen. Am Anfang seiner Karriere war er sogar ein Vedutenmaler und kolorierte als Malergeselle Landschaftsbilder für Touristen. Doch der Reihe nach.

 

Ferdinand Hodler wächst in ärmlichen Verhältnissen in Bern auf. Bald wird er mit dem Tod konfrontiert. Als er sieben ist, stirbt sein Vater. Ein paar Jahre später die Mutter. Beide an Tuberkulose. Und die Schwindsucht, wie sie damals noch heisst, rafft mit der Zeit auch alle seine sieben Geschwister hin. Diese ständige Konfrontation mit dem Tod geht nicht spurlos an seinem künstlerischen Schaffen vorbei.

 

1871 zieht er als Achtzehnjähriger nach Genf, wird Schüler des Landschaftsmalers Barthélemy Menn. Hodler beweist Talent, muss als Künstler aber zunächst bös unten durch. Er lebt jahrelang im Elendsviertel von Genf am Rande des Existenzminimums, porträtiert andere Gescheiterte, tauscht Bilder gegen Mahlzeiten. Aber gibt nie auf, setzt sich langsam durch. Und landet 1889 – da ist er schon 36 – seinen ersten Coup. Mit dem Bild «Die Nacht». Die Genfer Behörden verweigern diesem zwar aus «sittlichen Gründen» den Eingang in die Kunstausstellung. Dafür schlägt es in Paris ein. Und in Berlin und Wien. Hodler wird gefeiert.

 

Von jetzt an geht es aufwärts, er bekommt Ehrungen und Ausstellungen in Paris, München, Venedig. In Zürich gewinnt er den Wettbewerb für historische Monumentalgemäle im Landesmuseum. An der Weltausstellung 1900 in Paris gibts Goldmedaillen, in Berlin, Wien und München wird er Mitglied der «Secessionen». Und gilt jetzt als einer der führenden Maler in Europa. Seine finanzielle Situation wird komfortabel.

 

In Deutschland gibt es Rückschläge. Weil er einen Protestbrief mit unterschreibt, der sich gegen den Beschuss der Kathedrale von Reims durch die deutsche Artillerie richtet, wird er 1914 aus fast allen Künstlervereinigungen ausgeschlossen. Dafür findet er in der Schweiz Anerkennung. Schon 1911 landen zwei seiner Motive auf den Franken-Noten: «Der Mäher» und «Der Holzfäller», 1913 verleiht ihm die Universität Basel das Ehrendoktorat, 1916 erhält er eine Professur an der Ecole des Beaux-Arts von Genf, und 1917 veranstaltet das Kunsthaus Zürich eine erste grosse Retrospektive.

 

Ferdinand Hodler stirbt am 19. Mai 1918 in Genf.

 

 

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Ferdinand Hodler, Selbstportrait 1912.

Kunsthaus Zürich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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1876: Das Turnerbankett – Realismus pur...

In jungen Jahren orientiert er sich an Realisten wie Gustave Courbet oder Camille Corot. Erst Mitte der 80er-Jahre entwickelt er seine eigenständige Form von Symbolismus.

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1889: «Die Nacht» bringt den Durchbruch.

Nach langen mageren Künstlerjahren gelingt Hodler mit diesem Ölgemälde der grosse Coup. Es symbolisiert die Angst der Nacht und zeigt sieben Schlafende. Der Künstler selbst ist auch darunter, ebenso Ehefrau Bertha und die Geliebte Auguste Dupin. Natürlich ein Skandal. Die Genfer Behörden verweigern die Zulassung zur Kunstausstellung.

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1894: Bildnis Berthe Jacques.

Berthe Jacques ist Hodlers zweite Ehefrau, die er 1897 ehelicht. Vorher war er zwei Jahre mit Bertha Stucki verheiratet (1889-91). Beide Ehen bleiben kinderlos. Einen Sohn (Hector) zeugt er dafür mit seiner Geliebten Auguste Dupin, die schon seit 1884 sein bevorzugtes Modell ist. Hodlers Beziehungsmodell zu Frauen ist ziemlich komplex...

gode-darel

...mit Valentine Godé-Darel zeugt er ein weiteres Kind, die Tochter Pauline. Godé-Darel erkrankt kurz danach an Krebs. Ihren Todeskampf hält der Künstler in zahlreichen Gemälden fest, hier
Madame Valentine Godé-Darel malade
von 1914. Musée d'Orsay, Paris.

Die Tochter Pauline wird während der Krankheit ihrer Mutter von Hodlers Ehefrau Berthe Jacques aufgezogen und später von ihm adoptiert. Sie wird auch Malerin: Pauline Valentine Magnenat-Hodler.

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1898: Marignano im Landesmuseum Zürich.

Hodler nimmt am Wettbewerb zur Freskierung der Nischen an der Waffenhalle des Landesmuseums teil und bekommt den Auftrag. Allerdings nicht ohne Streiterei. Der Direktor des Museums ist gegen seine Entwürfe. Zu avantgardistisch, man möchte lieber etwas Klassisch-Realistisches. Schliesslich reist eine Delegation des Bundesrates nach Zürich, um die Sache abzusegnen.

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1902: Die Wahrheit I.

Die nackte Frau symbolisiert die Wahrheit, vor der die dunklen Mächte fliehen müssen. Hodler hat dieses Sujet zweimal gemalt. Die erste Version hängt seit 1930 im Kunsthaus Zürich.

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1903: Jüngling vom Weibe bewundert.

Im Hodlersaal des Kunsthauses Zürich. Der bewunderte nackte Jüngling und vier leicht verschämt über die Schulter guckende Frauen. Was will uns der Künstler damit sagen?

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1910: Der Holzfäller.

Le bucheron, Musée d'Orsay, Paris. Hodler hat das Motiv mehrfach verarbeitet. Diese Version als Zeichnung ist eine Mischung aus Symbolismus und Expressionismus. Ursprung der Idee ist ein Auftrag der Schweizer Nationalbank. Hodler soll die Illustration für die 50- und 100-Franken-Note liefern. Vorgabe: Bezug zur Landarbeit. Hodler wählt Mäher und Holzfäller.

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1911: Das Jungfraumassiv von Mürren aus.

Mit seinen expressionistischen Alpenbildern macht sich Hodler zu einem der bedeutendsten und erfolgreichsten Landschaftsmaler.

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1918: Genfersee mit Mont-Blanc im Frühlicht.

Hodlers Bilder des Lac Léman kommen an. Dieses hängt im Kunsthaus Zürich. Ein anderes war das Erfolgreichste: «Der Genfersee von Saint-Prex aus» erzielt an einer Auktion von Sotheby 10.9 Millionen Franken ...leider erst im Jahr 2007.

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Fotos / Diashow

 

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Sonderausstellung «Marignano 1515»

im Kunsthaus Zürich 2015

 

   
   

 

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