Leonardo da Vinci (1452-1519)


Eigentlich heisst er Leonardo di ser Piero. Da Vinci nennt man ihn, weil er aus Vinci stammt, einem kleinen Dorf in den Hügeln der Toscana.

 

Wer Leonardo sagt, denkt automatisch an sein Meisterwerk der Mona Lisa, das im Louvre in Paris hängt. Weltberühmt. Das bekannteste Gemälde der Welt. Aber damit wird man ihm nicht gerecht, denn er ist viel mehr als ein Maler. Er ist auch Denker und Erfinder, Ingenieur, Architekt, Naturwissenschaftler – ein echtes Universalgenie.

 

Seine Jugend verbringt er in Florenz. Früh schon interessiert er sich fürs Zeichnen und Malen. 1469, da ist er 17, nimmt ihn der Künstler Andrea del Verrocchio (1435-1488) in seine Werkstatt auf und fördert sein Talent. Er lädt ihn ein, an seinen eigenen Werken mitzuarbeiten.

 

Leonardos Markenzeichen: Er forscht. Er interessiert sich für alles. Schreibt jede seiner Ideen und Visionen auf. Über die Anatomie des Menschen, über Natur, Technik, Hydraulik, Mathematik, Astronomie, Musik, Architektur, Maschinen, Waffen und und.

 

notiz

 

Blatt für Blatt, detailliert erläutert – für die Nachwelt. Am Ende seines Lebens hinterlässt er 100'000 Aufzeichnungen. Der geniale Visionär hat aber einen Schwachpunkt: Er verzettelt sich. Seine Ideen sind so unermesslich und so vielseitig, dass er kaum eine davon realisiert.

 

Mit 30 bewirbt er sich am Hof von Mailand. Ludovico Sforzo, Herzog von Mailand, wird sein Chef. Und sein Förderer. Leonardo kann alles. Er ist Künstler, Architekt, Bauingenieur, Militärtechniker. Legt dem Herzog Pläne für die Stadtentwässerung und für die Müllabfuhr vor, arbeitet Pläne für die Verstärkung des Castello aus. In Mailand entsteht auch sein berühmtes Wandgemälde, das Abendmahl.

 

Als 1499 Mailand von den Franzosen erobert wird, zieht Leonardo nach Florenz in die Dienste des Cesare Borgia. In Florenz malt er sein Meisterwerk: Die Mona Lisa. Zusammen mit Michelangelo arbeitet er im Palazzo della Signora (= Sitz des Stadtparlaments) an den Fresken. Zudem intensiviert er seine Studien und Forschungen, nimmt Schüler in seiner Werkstatt auf.

 

Als 60-jähriger ist er kurz am päpstlichen Hof in Rom, wird hier aber nicht glücklich. Seine jungen Kollegen Michelangelo und Raffael haben die Gunst des Papstes errungen und ihm den Rang abgelaufen.

 

Dafür lernt er in Florenz den französischen König François I kennen, der gerade mal wieder Mailand erorbert hat. Die beiden verstehen sich, der König lädt den Künstler in seine Heimat an die Loire ein. Leonardo nimmt an und verbringt seine letzten Jahre in einem Schloss in Amboise. Dort stirbt er am 2. Mai 1519.

 

 

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Leonardo da Vinci. Kopf der
Statue in den Uffizien Florenz.
Von Luigi Pampaloni, 1837-39.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Lehrzeit bei Andrea del Verrocchio.

Von 1470 bis 1477 erhält der junge Leonardo seine künstlerische Ausbildung in der Florentiner Werkstatt Verrocchios (1435-1488). Experten gehen davon aus, dass Leonardo an diesem Werk von Verrocchio mitgearbeitet hat. Es heisst «Tobias und der Engel» und wurde 1470-75 erstellt. Das Motiv stammt aus dem Alten Testament. Das Gemälde hängt in der National Gallery in London.

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1477: In den Diensten von Lorenzo il Magnifico.

Ab 1477 arbeitet er für den grossen Kunstförderer der >Medici in Florenz. Eines der bekanntesten Bilder ist die «Madonna Benois». Heute in der Eremitage in St. Petersburg.

 

1481 erhält er den Auftrag für ein Altarbild des Augustinerklosters San Donato a Scopeto. Zu gleicher Zeit zeichnet er Skizzen für die Anbetung der Heiligen Drei Könige in den Uffizien Florenz.

 

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Felsgrottenmadonna

1482: Nach Mailand zu Ludovico Sforza.

Leonardo bewirbt sich am Hof des Herzogs von Mailand, Ludovico Sforza – aber nicht als Künstler, sondern als «Erfinder in Sachen Militärtechnik» und als Architekt. Er bekommt den Job auf Empfehlung von Lorenzo Medici.

 

Am Hof entwirft er Kostüme und Bühnenbilder. Nach der Pestepidemie von 1485 unterbreitet er dem Herzog Pläne für die Müllabfuhr und für die Stadtentwässerung. Mit seinen Vorschlägen für den Mailänder Dom kommt er nicht durch.

 

In Mailand malt er zwischen 1483 und 1486 das Bild «Vergine delle Rocce», die Felsgrottenmadonna. Musée du Louvre, Paris.

abendmahl

 

1495: Der Albtraum mit dem Abendmahl.

Eines der bekanntesten Wandgemälde der Welt. Nicht nur, weil es von Leonardo stammt, sondern auch, weil es damit technische Probleme gibt. Das rund 9 Meter breite Bild wird in Tempera auf eine getrocknete Gipswand gemalt (Seccomalerei). Aber die Substanz hält nicht auf dem Gips-Untergrund, und dieser nicht auf der Wand. Das Bild bröckelt nach und nach ab. Jahrzehntelang. Als man es im 18. Jahrhundert zur restaurieren versucht, wird es noch schlimmer. Weil man irrtümlich davon ausgeht, es sei ein Ölbild. Erst 1970 kann man den weiteren Zerfall stoppen.

 

«Das Abendmahl», 1495-98. Auftraggeber Ludovico Sforza. Im Speisesaal des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand.

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1503-1506: Das Meisterwerk.

Das berühmteste Gemälde der Welt. Die Mona Lisa malt er in Florenz. Modell soll die Neapolitanerin Monna Lisa del Giocondo gewesen sein (weshalb die Franzosen das Bild «La Joconde» nennen). Es gibt aber auch Theorien, dass das Modell ein heimlicher Geliebter des Künstlers namens Salai war. Sicher ist: Die Mona Lisa ist das meistbesuchte Kunstobjekt im Louvre. Seit 1956 ist es im Museum hinter Panzerglas gesichert.

 

Es heisst, dass sich Leonardo zeitlebens nicht von diesem Bild trennen konnte und er es immer mit sich führte. Nach seinem Tod wurde es vom französischen König François I erworben. Und Napoléon soll es in seinem Schlafzimmer aufgehängt haben.

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1513-1516: Ärger mit dem Papst.

Als Giovanni de >Medici Papst wird (als Leo X), holt sein Bruder Giuliano den grossen Leonardo nach Rom. Aber der Papst ist kein Leonardo-Fan, er bevorzugt Michelangelo und Raffael. Der inzwischen über 60-jährige Leonardo leidet unter den Intrigen, kämpft auch mit Krankheiten. Er malt kaum noch, beschäftigt sich mit Ingenieursaufgaben.

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1516-1519: Gast des französischen Königs.

François I erobert 1515 in der Schlacht von Marignano das Herzogtum Mailand zurück. 1516 lädt er Leonardo ein, seine alten Tage an der Loire zu verbringen und stellt ihm das Schloss Clos Lucé in Amboise zur Verfügung. Er schätzt Leonardo als Künstler und Ingenieur. Leonardo erstellt Pläne für einen Kanal zwischen der Loire und der Saône.

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Leonardos letztes Bild?

«Johannes der Täufer» gilt als Leonardos letztes Gemälde. Es wird auf 1513-1516 datiert, doch geht man davon aus, dass er es erst in seinen letzten Lebensjahren fertiggestellt hat. Das Bild hängt im Musée du Louvre, Paris.

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