Edouard Manet (1832-1883)


Er entstammt einer Pariser Upperclass-Familie und wächst in Luxus auf. Von klein auf zeigt er Interesse an der Kunst, obwohl ihn sein Vater – ein Richter – lieber als Anwalt oder Marineoffizier sähe. Seine schulischen Leistungen sprechen allerdings wenig für ein Studium, und die Aufnahmeprüfung zur Marineakademie vergeigt er. Schliesslich kann er seinen Vater davon überzeugen, dass Kunstmaler die bessere Wahl ist. Dieser stimmt einer Ausbildung in der Malschule von Thomas Couture zu. Der 18-jährige Manet ist aber vom Stil Coutures nicht angetan, er sucht nach anderen Möglichkeiten. Dank Papas Geld kann er sich ergiebige Reisen leisten. Amsterdam, Venedig, Florenz, Rom. Er studiert in den berühmten Museen Meister wie Caravaggio, Goya, Titian, Velazquez. Kopiert sie, lernt dabei und tankt Selbstvertrauen.

 

Seine frühen Werke sind allerdings eher von Gustave Courbets Realismus inspiriert. Alltagsszenen, Menschen in Strassencafés und Parks, Sänger, Zigeuner.

 

1859 versucht es Manet am «Salon de Paris» mit dem Bild «Der Absinth-Trinker», das im Stil an Diego Velazquez erinnert. Es wird abgelehnt. Nur Jurymitglied Eugène Delacroix findet es gut. Zwei Jahre später schafft er es mit zwei anderen Gemälden doch noch und erhält für den «Spanischen Sänger» eine «ehrenvolle Erwähnung». Für Manet nicht mehr als ein Trostpflaster. Er wendet sich nun dem «Salon des Réfusés» zu und unterbreitet dort Werke, die provozieren und schockieren. Eine völlig nackte Frau beim Picknick im Park neben elegant gekleideten Herren! Ein toter Torero! Ein toter Christus! Er weiss: Die Kritiker werden ihn zerreissen – und ihn bekannt machen. Es wirkt. Ein Jahr später schiebt er noch seine nackte «Olympia» nach, auch das ein Skandalbild, das zu seinem Ruhm beiträgt.

 

Obwohl viele seiner Werke durchaus impressionistische Züge aufweisen, will Manet nicht in diese Schublade gesteckt werden. Er nimmt deshalb nie an den Ausstellungen der Impressionisten teil und zieht den neutralen «Salon de Paris» vor. Manets Stil heisst «Manet», er lässt sich nur schwer zuordnen. Er liebt zwar leichte Farben, verarbeitet aber in vielen seiner Bilder sehr dunkle bis schwarze Töne. Das ist zu dieser Zeit eher ungewohnt.

 

Manet schafft den Durchbruch zum Publikumsliebling nie ganz, dafür schätzen ihn seine Künstlerkollegen umso mehr. Für viele ist er Vorbild: Cézanne, Monet, Renoir, Gauguin, Van Gogh – sie alle lassen sich von ihm inspirieren. 1881 wird er von der französischen Regierung zum Ritter der Légion d'Honneur ernannt. 1882 wird eines seiner letzten Bilder am Salon de Paris ausgestellt. Es heisst «Un bar aux Folies-Bergère».

 

In seinen letzten Lebensjahren leidet Manet an Syphilis. Am 20. April 1883 muss sein linkes Bein amputiert werden, zehn Tage später stirbt er. Er liegt auf dem Friedhof von Passy in Paris.

 

 

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Edouard Manet um 1870.

Fotografie Félix Nadar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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1859: Der Absinth-Trinker

Wer was sein will, muss am >Salon de Paris ausstellen. Manet versucht es 1859 mit einem Gemälde im Stil von Diego Velazquez. Als Modell dient ihm ein Pariser Lumpensammler, den er zum Absinth-Trinker mit Zylinder stylt. Aber die Jury lehnt das Bild ab. Manet erhält nur eine Stimme, jene des Jurymitglieds Eugène Delacroix. Manet, von seinem Werk überzeugt, wittert eine Intrige seines ehemaligen Lehrers, Thomas Couture. Von diesem trennt er sich endgültig.

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1860: Der spanische Sänger

Manet gibt nicht auf. Für den Salon 1861 reicht er zwei neue Bilder ein. Eines davon ist der spanische Gitarrenspieler. Auch dieser im Velazquezstil. Man kritisiert zwar den etwas übertriebenen Realismus, nimmt das Werk aber in den Salon auf und gibt ihm eine «ehrenvolle Erwähnung». Manet ist mit dieser Belobigung nicht glücklich.

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1863: Le déjeuner sur l'herbe

Die Salon-Jury ist entsetzt. Eine nackte Frau beim Picknick! Zudem findet sie den Malstil schlecht und lehnt ab. Manet stellt das Werk in der Folge im «Salon des Réfusés» aus. Das Bild löst einen Skandal aus, aber macht den Künstler bekannt.

 

1863: Olympia

Im Paris von damals steht der Name Olympia für Prostituierte. Auch dieses Gemälde wirft hohe Wellen, erfüllt aber seinen Zweck: Alles spricht vom und über den «Skandalmaler».

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1870: Zigeunerin mit Zigarette

Dieses ausdrucksstarke Bild wird nie ausgestellt. Man findet es in Manets Studio nach seinem Tod, und Edgar Degas kauft es. Wann es gemalt wurde, ist unbekannt, es soll zwischen 1862 und 1870 entstanden sein. Es gehört zur Privatkollektion von Edgar Degas und hängt heute im University Art Museum von Princeton/USA.

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1871: Berthe Morisot

Mit Berthe Morisot verbindet Manet eine enge Freundschaft, er porträtiert sie wiederholt. Berthe Morisot (1841-1895) ist selbst Malerin und schafft herausragende Werke im impressionistischen Stil. 1874 heiratet sie Manets Bruder, Eugène.

 

>Ausstellung «Manet sehen», Hamburg 2016

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1874: Familie Monet im Garten

Im Sommer 1874 ist Manet zu Gast bei den Monets in Gennevilliers, wo sie auch Renoir treffen. Das Bild zeigt Claude Monet mit seiner Ehefrau Camille und Sohn Jean. Metropolitan Museum of Art, New York.

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1877: Nana

Vierzehn Jahre nach «Olympia» schafft Manet mit seiner «Nana» erneut einen Skandal. Der feine Herr schaut einer Kurtisane beim An- oder Ausziehen (?) zu... Logisch, dass der «Salon de Paris» das Bild ablehnt. Manet stellt es daraufhin auf eigene Faust aus, in einem Schaufenster am Boulevard des Capucines. Es soll regen Zulauf gehabt haben.

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1879: Au Café (Konzert-Kaffeehaus)

Menschen in Konzertkaffeen, ein Sujet, das bei Manet wiederholt vorkommt. Diese Szene spielt in der «Brasserie Reichshoffen» auf dem Boulevard Rochechouart. Auf den ersten Blick ein seriöses Bild. Aber für die Damen galt es damals als risqué, an solchen Veranstaltungen erkannt zu werden.

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1882: Un bar aux Folies-Bergère

Eines seiner letzten Werke. Eine sehr realistische Darstellung, reich an Details. Auch hier spielt moralisch Fragwürdiges mit: Da die Barmaid im Folies-Bergère tätig ist, setzt sie sich der Vermutung aus, eine käufliche Dame zu sein...

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Fotos / Diashow

 

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Ausstellung «Manet sehen», Hamburg 2016

 

   
   

 

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