William Turner (1775-1851)


Wer die grossartigen Stimmungsbilder des Joseph Mallord William Turner geniessen will, kommt um London nicht herum. Dort ist Englands bedeutendster Künstler der Romantik auch geboren. Nahe der Themse. Kein Wunder, haben ihn Schiffe und Wasser ein Leben lang fasziniert. Und Meer, Wolken, Stürme, Dramen.

 

Sein Vater, ein Barbier, erkennt das Talent seines Sohnes rasch und stellt Williams Zeichnungen in seinem Coiffeursalon aus. Mit Erfolg. Man wird auf den erst 14-Jährigen aufmerksam und gibt ihm ein Stipendium für die Royal Academy. Dort erlernt er topographisches Zeichnen und die Ölmalerei. Seine Vorbilder sind zunächst Claude Lorrain und niederländische Landschaftsmaler. Er kombiniert auch gerne Landschaft mit antiken Szenerien.

 

1802 reist er durch Frankreich und die Schweiz. Er findet zu einem neuen Stil der Landschaftsmalerei: Nicht mehr so detailgetreu, weniger naturalistisch, dafür mit viel Stimmung. Durch schnell gesetzte Striche, so wie dies die kommenden Impressionisten tun werden. Er ist der Zeit voraus, wird heftig für seinen neuen Malstil kritisiert. Doch er setzt sich durch, verkauft seine Werke gut und kann sich eine eigene Galerie leisten. Damit hat er seine persönliche permanente Ausstellung. Ein Novum für die damalige Epoche.

 

Ab 1819 ist er viel auf Reisen. Italien tut es ihm besonders an. Er ist beeindruckt von Rom, Neapel, Venedig. Bringt 2000 Skizzen nach Hause, die er später in London weiter verarbeitet. Seine Begeisterung für Meer und Schiffe ist ungebrochen. Und für Dramen aller Art: Feuersbrünste, Schiffbrüche, Naturkatastrophen. Dabei versucht er stets, dem Geschehen so nahe wie möglich zu sein. Man sieht es seinen Werken an.

 

Seine stärksten Arbeiten schafft er in den letzten Lebensjahren, obwohl er da – ab 70 gesundheitlich schon angeschlagen – ziemlich mürrisch, schrullig und schweigsam wird. Sein Privatleben hält er bewusst unter Verschluss. Er stirbt mit 76 Jahren im Londoner Stadtteil Chelsea und hinterlässt rund 20'000 Werke. Sein Vermögen will er in eine Stiftung für notleidende Künstler einfliessen lassen, aber die Erben fechten sein Testament vor Gericht an.

 

Seit 1984 verleiht die Tate Gallery einen Turner Prize, der mit 25'000 Pfund für den Sieger dotiert ist. Er gilt als der bedeutendste Kunstpreis Grossbritanniens und geht alljährlich an Künstler, die jünger als 50 sein müssen.

 

 

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Joseph Mallord William Turner im Alter von

24 Jahren (1799). Tate Britain Gallery.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

fishermen

1796: Fishermen at Sea.

Dies ist das erste Ölgemälde, das Turner in der Royal Academy ausstellen kann. Es ist der Grundstein zur Anerkennung als Maler. Drei Jahre später ist er bereits «ausserordentliches Mitglied» der Royal Academy of Arts. Das Gemälde zeigt Fischer im Mondlicht vor der Küste von Isle of Wight. Tate Britain Gallery, London.

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1801: Meer. Sturm. Seenot. Drama.

Die Lieblingsthemen William Turners. Er ist immer zur Stelle, wenn es gefährlich wird. So nah wie nur möglich. In diesem Bild «Shipwreck» schildert er den dramatischen Überlebenskampf der Seeleute im Sturm. Tate Britain Gallery, London.

vierwaldstaettersee

1802: Reise durch die Schweiz.

Auf seinem Weg durch die Schweiz und über die Alpen kommt er auch am Vierwaldstättersee vorbei. Er malt ihn in einer Mischung aus Naturalismus und Impressionismus. Tate Britain Gallery, London.

hannibal

1812: Hannibal im Schneesturm in den Alpen.

Die Alpen Frankreichs und der Schweiz inspirieren ihn zu diesem Werk «Snow Storm, Hannibal and his Army Crossing the Alps». 1812. Im Hintergrund ist – winzig klein – ein Elefant zu erkennen. Auf der Detailaufnahme unter >More sieht man ihn besser. Tate Britain Gallery, London.

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1819: Der St-Petersdom in Rom.

Turner ist schon über 40, als er erstmals Rom besucht. Dort skizziert er eine Reihe von Ansichten der Stadt und der Landschaft. Dieses Aquarell «St Peters Church Rome» entsteht 1819. Zu sehen im British Museum London.

 

bluesignal

1831: Das blaue Seenot-Signal.

Der Titel dieses Gemäldes lautet «Life-Boat and Manby Apparatus going off to a stranded Vessel making signal of Distress (blue lights)». 1831. Victoria and Albert Museum, London.

 

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1834: The Burning.

«The Burning of the Houses of Lords and Commons», 1834. Turner ist einer von tausenden Zeitzeugen dieses Dramas. Er fertigte vor Ort Skizzen an und verarbeitet diese später zu Gemälden. Philadelphia Museum of Art.

temeraire

1838: The Fighting Temeraire.

Die Temeraire zeichnete sich in der Schlacht von Trafalgar 1805 aus, aber seit 1830 werden solche Segler durch moderne Dampfschiffe ersetzt. Turner zeigt den Moment, wo die Temeraire von einem modernen Dampfer zu ihrem letzten Hafen geschleppt wird, um abgewrackt zu werden. National Gallery London.

napoleon

1842: Napoleon im Exil auf St. Helena.

Zwei Jahre vor der Entstehung dieses Gemäldes wurde der Leichnam Napoleons von St. Helena nach Paris überführt. Dies muss Turner veranlasst haben, dem Empéreur die Ehre zu erweisen. Der Ex-Kaiser steht verloren da, hinter ihm ein englischer Wachsoldat. Die Szenerie müsste eigentlich auf St. Helena spielen, aber da gab es keine Burgen. Es ist also eine Fiktion. Das Bild heisst «War. The Exile and the Rock Limpet», 1842. Tate Britain Gallery, London.

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1844: Regen, Dampf und Geschwindigkeit.

«Rain, Steam and Speed – The Great Western Railway». 1844. Turner ist auch fasziniert von den neuen Errungenschaften der Technik. Die Idee zu diesem Bild soll ihm gekommen sein, als er einmal auf einer Eisenbahnfahrt bei Regen den Kopf aus dem Fenster streckt. National Gallery, London.

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Fotos mit Detailaufnahmen

 

   
   

 

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