Ausstellung «Félicien Rops – Laboratorium
der Lüste». Kunsthaus Zürich.
6.3.26 bis 31.5.26.
Er kommt 1833 im belgischen Namur zur Welt, als Sohn des Industriellen Nicolas Joseph Rops. 1849 beginnt er ein Studium an der örtlichen Akademie der Schönen Künste. Beim Landschaftsmaler Ferdinand Marinus (1808-1890) nimmt er Zeichen- und Malunterricht.
Ausstellungsplakat
1853 veröffentlicht er seine ersten Karikaturen in der Zeitschrift Le Crocodile, drei Jahre später ist er Mitbegründer der satirischen Zeitschrift L'Uylenspiegel. Als er 1854 das väterliche Erbe ausbezahlt bekommt, bedeutet das für ihn finanzielle Unabhängigkeit. Nun etabliert er sich als Illustrator und Karikaturist und heiratet Charlotte, die Tochter eines Richters.
Félicien Rops in seinem Atelier um
1888. Von Paul Mathey (1844-1929).
Musée d'Orsay Paris.
1868 ist er Mitbegründer einer progressiven Künstlervereinigung («Société libre des beaux-arts», Brüssel), die in Opposition zur Akademie geht.
1869 beginnt er in Paris eine polyamouröse Beziehung mit den zwei Schwestern Léontine und Aurélie Duluc, die in der Modebranche tätig sind. Mit Léontine hat er eine Tochter; 1874 trennt er sich von seiner Frau Charlotte und übersiedelt nach Paris, wo er nun mit den beiden Duluc-Schwestern lebt.
1878 entstehen zwei seiner Hauptwerke:
«La Dame au Cochon» (s. Ausstellungsplakat) und «La Tentation de Saint Antoine» in mehreren Versionen.
Félicien Rops (1833-1898).
La Tentation de Saint Antoine, 1878-81.
Musée Félicien Rops, Namur.
1878 beginnt er mit seiner legendären Zeichnungsserie «Cent légers croquis».
In 114 Zeichnungen karikiert er die zeitgenössische heuchlerische Sexualmoral. In der Folge entstehen weitere Grafikarbeiten wie Les Sataniques und Les Diaboliques.
1884 nimmt er an der ersten Ausstellung der avantgardistischen Gruppe «Les XX» in Brüssel teil und wird dann dauerhaftes Mitglied dieser Künstlergruppe (dabei auch >James Ensor, Fernand Khnopff und Théo van Rysselberghe).
Ab 1888 zieht er sich nach La Demi-Lune ausserhalb von Paris zurück. 1889 wird ihm der Orden der französischen Ehrenlegion verliehen.
Am 23. August 1898 stirbt Félicien Rops in
La Demi-Lune im Alter von 65 Jahren und im Beisein beider Duluc-Schwestern sowie seiner Tochter Claire.
Titelbild (Ausschnitt)
Félicien Rops (1833-1898).
La Tentation de Saint Antoine, 1878-81.
Musée Félicien Rops, Namur.
Félicien Rops (1833-1898).
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Wer ist Félicien Joseph Victor Rops?
Der belgische Grafiker, Zeichner und Illustrator ist berühmt für seine sozialkritischen Blätter, die mit provokanten erotisch-dämonischen Illustrationen in Paris für Skandale sorgten.
Sein Studium der Schönen Künste absolviert er in der Akademie von Namur. An der Freien Universität Brüssel macht er sich schon als Student einen Namen als Karikaturist für die Studenten-Zeitung. 1856 gründet er zusammen mit Charles De Coster die satirische Zeitschrift «Uylenspiegel».
1874 übersiedelt er nach Paris, wo seine Karriere als Buchillustrator beginnt. Seine Werke kreisen um Erotik, Sünde, Religion und vor allem um die Doppelmoral des Bürgertums. In der Darstellung von Frauen in allen Lebensbereichen findet er sein Lieblingsthema. Er zeichnet und malt ländliche Arbeiterinnen ebenso wie mondäne Pariserinnen und von Bäuerinnen bis zu Sexarbeiterinnen – die ganze Palette.
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Félicien Rops (1833-1898). Parisienne um 1896. Royal Library of Belgium, Brussels.
Félicien Rops (1833-1898).
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Paris und die femmes de la rue
Ab 1874 richtet der belgische Künstler sein Leben auf Paris aus. Rops ist ein Lebemann. Ihn fasziniert das Milieu der Boulevards, Cafés, der Theater und der Halbwelt.
In Paris führt er ein libertines, polyamores Leben mit den zwei Schwestern Aurélie und Léontine Duluc, die beide in der Modebranche tätig sind.
Verarmte Pariserinnen sind für ihn auch Symbol für den Gleichzeitig sieht er in Frauen auch «Botinnen des Teufels» und zeichnet sie als dämonische «femmes fatales», als Trägerinnen von Syphilis und damit als Boten des Todes.
Von diesem Thema malt Rops vier Versionen. In der Version, die in der Ausstellung gezeigt wird, hält die Frau den Hampelmann über einem antiken Altar hoch. Aus seinem aufgeschlitzten Bauch fallen Münzen in das «Opfergefäss» der Frau...
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Félicien Rops (1833-1898). Le Bouge à matelots, 1875. Musée Félicien Rops, Namur.
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Prostitution und Doppelmoral
Die Scheinheiligkeit der Gesellschaft geht Rops auf die Nerven. Aus der Perspektive der Ordnungshüter im Paris des 19. Jhts gilt die Prostitution als unmoralisch. Gleichzeitig ist man jedoch der Ansicht, dass die gesellschaftliche Ordnung nur aufrecht erhalten werden kann, wenn es Bordelle gibt. Nicht zuletzt aus Angst vor der damals grassierenden Syphillis.
Um diese Doppelmoral aufzuzeigen, verkehrt Rops in der Welt der Sexarbeiterinnen, die ausserhalb der «respektablen Gesellschaft» leben – und doch eng mit dieser verbunden sind. Der Künstler stellt dabei die Modelle aus dem Bordell nicht abwertend dar, sondern mit grossem Einfühlungsvermögen. In seinen Werken treten sie selbstbewusst und souverän auf. |
Félicien Rops (1833-1898). Satan semant l'ivraie, 1882 (Serie Les Sataniques). Royal Library of Belgium, Brussels.
Félicien Rops (1833-1898). Le Sphinx, 1882. |
Satanisches und Diabolisches
Die Serie «Les Sataniques» entsteht um 1881 herum aus Rops’ eigener Initiative innerhalb seines Pariser Satanismus‑ und Décadence‑Umfelds. In einem Bild aus dieser Serie zeigt er Satan überlebensgross über Paris schreitend wie ein Sämann. Dieser sät über Paris nackte Frauenkörper – sinnbildlich für die von Prostitution und Laster gezeichnete moderne Grossstadt – und trägt so zur Verbreitung der Sünde bei.
1882 wird Rops damit beauftragt, Les Diaboliques zu illustrieren, eine Sammlung provokativer Erzählungen des französischen Schriftstellers Jules Barbey d'Aurevilly. Im Werk
Les Diaboliques ist ein Prosaband von Jules Barbey d’Aurevilly, eine Sammlung von sechs Novellen über «dämonische Frauenfiguren», die 1874 erstmals in Paris beim Verleger Dentu erschien. D'Aurevillys Geschichten kreisen um gelangweilte bürgerliche Frauen, die aus Rache oder Lust zu verbrecherischen Handlungen greifen. Wegen ihrer als skandalös empfundenen Amoralität und Darstellung von Gewalt wurden Buch und Autor heftig kritisiert.
Félicien Rops’ Radierungen zu Les Diaboliques entstanden später im Zusammenhang mit einer Neuauflage bei Alphonse Lemerre: Der Verleger beauftragte Rops für eine «réédition» und liess 1886 eine Serie von etwa 20 Radierungen erscheinen.
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Félicien Rops (1833-1898). La Tentation de Saint Antoine, 1878. Royal Library of Belgium, Brussels.
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Erotisch-Blasphemisches
Félicien Rops ist ein Meister der Provokation. Er stellt die Ideale der bürgerlichen Gesellschaft – Frömmigkeit und Anstand – auf den Kopf. In «Versuchung des heiligen Antonius» hängt nicht Christus am Kreuz, sondern eine nackte Frau. Anstelle der christlichen Inschrift INRI am Kreuz heisst diese hier EROS. Damit drückt er aus: Die erotische Begierde verdrängt die christliche Botschaft der Erlösung. Unten links der heilige Antonius, eben noch mit der Lektüre der Bibel beschäftigt, reagiert erschrocken und mit erhobenen Händen auf diese Vision.
>mehr über die Versuchung des heiligen Antonius
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Félicien Rops (1833-1898). Pornocratès (La Dame au cochon), 1896. Royal Library of Belgium, Brussels.
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Die Kurtisane mit dem Schwein
Die nackte Frau mit Hut, schwarzen Handschuhen und Strümpfen schreitet mit verbundenen Augen auf einem Fries und führt ein Schwein an der Leine. Über den beiden schweben geflügelte Putti. Für Rops verkörpert das Werk die moderne femme fatale. Die Kurtisane, deren mondäne Accessoires ihre Nacktheit erst recht betonen. Gegenüber Moral und Anstand ist sie blind – das zeigt Rops durch die verbundenen Augen.
Und was hat es mit dem Schwein auf sich? Es verkörpert das «Tier des Teufels» und führt die blinde Frau, wird aber gleichzeitig von ihr voran getrieben. Ein Mix aus weiblicher Sexualität und männlicher Triebhaftigkeit.
Das Relief mit den vier Künsten unter den Füssen der Dame verweist auf die «Pornokratie» – auf eine von käuflichem Sex und Dekadenz beherrschte Gesellschaft, die die hohen Künste mit Füssen tritt.
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Weitere Werke in der Ausstellung
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>Ausstellungen im Kunsthaus Zürich
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